Literariſche Briefe von Otto Banck.
Im Süden. Reiſeſkizzen von Graf Baſtiano. Berlin, Verlag der Decker'ſchen Oberhofbuchdruckerei. Sie haben Recht, wenn Sie bei den meiſten
Reiſenden tadeln, daß ſie zu ſehr in der Welt der Bücher und der Gegenſtände und zu wenig in der
des geſelligen Verkehrs, im Austauſch, überhaupt in der perſönlichen anfriſchenden Berührung mit ihren Mitmenſchen in fremden Ländern leben. Es läßt ſich bei ſolchem Verhalten viel gründliche Gelehrſamkeit, ja ſogar auch manche poetiſch ſchöne Schilderung von Naturerſcheinungen und Kunſtwerken zu Stande bringen; jedoch die Darſtellung der verſchiedenen Stände des Volkes, ſowohl in unteren als höheren Claſſen, muß dabei ziemlich dürftig ausfallen, denn nur durch ein reges Mitleben ergiebt ſich das Charakterbild fremder Nationalitäten.
Ja, man darf noch einen Schritt weiter gehen, man darf ſogar ſagen, daß auch das eigne Volk, ſo⸗ viel angeerbten und unwillkürlichen Zugang wir auch
zum Verſtändniß deſſelben beſitzen, ſich uns doch nur.
auf dem Markte des Verkehrs und im gegenſeitigen Umgang, nie aber hinter dem grünen Tiſch der ein⸗ ſamen Gelehrſamkeit erſchließt.
Der deutſche Gelehrte, der deutſche Schriftſteller leidet vermöge ſeiner durchſchnittlichen Dürftigkeit und vermöge der hohlen, bildungslos dünkelhaften Ständeſonderung, die in unſern geſelligen Zuſtänden viel nachtheiliger als z. B. in Frankreich herrſcht,— ich ſage der deutſche Gelehrte und Schriftſteller leidet unſäglich an den Conſequenzen ſeines Schickſals, welches ihn zu ſehr vom großen Weltverkehr iſolirt und auf Seinesgleichen anweiſt. Es fehlt ihm, was ſich übrigens auch von Zeit zu Zeit vorfindet, nur noch eine bürgerlich ganz beſchränkte Gattin, um ſeinen Geſichtskreis mit dem Weichbilde ſeiner vier Pfähle ſo ziemlich abzuſchließen.
Dieſe Beſchränkung geht natürlich auch auf den literariſchen. Charakter der Werke über. Die Eng⸗ länder und Franzoſen haben hier einen bedeutenden Vorſprung. Wenn das große Publicum oft die Be⸗ merkung macht, daß die Autoren dieſer beiden Völker die Kunſt verſtehen, auf eine leichtverſtändliche Weiſe intereſſant zu ſchreiben, ſo ſtützt ſich dieſes Urtheil weſentlich auf die natürliche Verbindung des litera⸗ riſchen Geiſtes mit dem Geiſte des geſellſchaftlichen Lebens. Sie wiſſen, was die gebildeten Kreiſe feſſelt, was der Tag verlangt, welche Anknüpfungspunkte er bietet, welche Bilder und Vergleiche gewiſſermaßen in der Atmoſphäre des Zeitgeiſtes liegen, wie weit man
Novellen⸗Feitung.
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beſonders für Damenkreiſe ermüdend zu werden u. ſ. w. Man darf keineswegs behaupten, daß die Beantwor⸗ tung dieſer praktiſchen Frage vorzugsweiſe auch die Kunſt und den guten Geſchmack fördert. Immerhin aber bietet ſie einen Anhalt dar, der kluger Benutzung manch günſtigen Erfolg verſpricht.
Die Franzoſen ſind in ſolcher Benutzung oft überaus geſchickt geweſen, und wenn ſie auch der Moderichtung und dem Salon zpiſchendurch ſehr extravagante Zugeſtändniſſe gemacht haben, ſo er⸗ reichten ſie doch daneben das den meiſten deutſchen Schriftſtellern ferngerückte Ziel, geſchmeidig, anregend, frei von trockner Steifheit zu ſein. Die Erringung dieſes Ziels iſt vorzüglich bei Reiſewerken höchſt wün⸗ ſchenswerth und unſere deutſchen Reiſenden ſind nur zu oft in der Lage geweſen, blos die Facaden der Häuſer zu ſchildern, da ſie in das Innere derſelben nicht ſo häufig eindrangen, als es die Forderung der echten Ethnographie verlangt.
Es liegt in den ganz anders gearteten Lebens⸗ verhältniſſen, zum Theil in der nicht mehr nachbar⸗ lichen Entfernung, daß ſich in Spanien das Leben der gebildeteren Stände dem Touriſten nicht eben leicht erſchließt. Neben der ausgedehnteren, weittragen⸗ deren Weltſtellung des franzöſiſchen Schriftſtellers fehlte es wohl deutſchen Autoren für das Land jenſeit der Pyrenäen an den gehörigen Empfehlungsbriefen und vermittelnden Bekanntſchaften, abgeſehen von der Thatſache, daß ein längerer, ſtationirter Aufenthalt nothwendig iſt, um in den verſchiedenen Schichten der Geſellſchaft zu näherer Beobachtung genügend heimiſch zu werden.*
Der Verfaſſer des vorſtehenden Buches ergänzt durch ſein Urtheil über Spanien manche der hier angedeuteten Mängel, freilich ohne es uns ganz zu erſparen, daß wir dabei manche andere mit in den Kauf nehmen müſſen. Er war längere Zeit in Spa⸗ nien und ſcheint dort in irgend welcher Eigenſchaft dem diplomatiſchen Corps angehört zu haben. Das⸗ ſelbe hat bekanntlich jeden nur erdenklichen Zugang zu den Kreiſen der höheren Geſellſchaft und genießt dabei noch einen andern Vortheil, nämlich den: ebenſo viel Zeit zur Verfügung übrig zu haben, als jene Cirkel, deren Thätigkeit, wie die der meiſten Perſonen eines Geſandtſchaftsperſonals, vorherrſchend aus Mußeſtunden zuſammengeſetzt iſt. Dieſe ab und zu von rauſchenden Vergnügungen unterbrochene Ar⸗ beit macht es möglich, ſich von einer Soirée in die andere zu bewegen und beſonders auch mit dem ſchönen Geſchlecht auf eine chevalereske Weiſe in Connex zu treten. Dieſer Connex iſt vom Verfaſſer
in der gründlichen Unterſuchung gehen darf, ohne nicht verſchmäht worden, und die Art, in welcher er
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