Der Fluchtverſuch Ludwig’s XVI.
In der franzöſiſchen Preſſe macht ſich ſeit einiger Zeit eine gewiſſe Bewegung zu Gunſten der Märtyrer bemerklich, welche während der Schreckensherrſchaft ihr Haupt unter das Fallbeil zu beugen gezwungen wurden. Vielen unſerer Leſer wird die von dem Grafen Hunolſtein kürzlich veröffentlichte Sammlung von Briefen der unglücklichen Marie Antoinette bekannt ſein, welche die Königin,„dieſen einzigen Mann im Rathe des Königs“, wie der Graf Mirabeau ſie nennt, den Franzoſen in einem ganz neuen Lichte darſtellt und ein Zeug⸗ niß für ihre innige Hingebung an Frankreich ablegt, auf deſ— ſen Glück und Größe alle ihre Gedanken gerichtet waren. Hieran ſchließt ſich eine fernere Sammlung noch ungedruckter Briefe und Urkunden, welche F. Feuillet de Cenches unter dem Titel:„Ludwig XVI., Marie Antoinette und Madame Eliſabeth“ ſo eben veröffentlicht und damit der Geſchichte einen eben ſo großen Dienſt erwieſen, als ſich ſelbſt einer edlen Hand⸗ lung zu rühmen hat. Dieſes Werk enthält auch einige Details über den Fluchtverſuch Ludwig's XVI., durch welchen be⸗ kanntlich Marie Antoinette die Monarchie zu retten wähnte und womit ſie namentlich die Abſicht verband, den König von dem Drucke zu befreien, den die Ereigniſſe auf den Geiſt Da ſich die Erzäh—
und die Willenskraft deſſelben ausübten. gründet, mithin ſich ſtreng an ſern nicht
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lung auf actenmäßige Quellen die Wahrheit hält, glauben wir dieſelbe unſeren Le vorenthalten zu dürfen.
Am 6. Mai 1791 ſprach die
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davon mächen.
unſeren Häuptern ſchwebt.“ Zügen die Gründe auseinander, aus denen von einer Fortſetzung des Kampfes zwiſchen der gleichgültigen Haltung der Provin⸗ zen und der Energieloſigkeit der ehrlichen Leute, welche„ihr Vaterland fliehen oder ſich aus Mangel an einem Vereins— punkt verbergen“, kein Heil zu erwarten ſei, und ſchließt, in— dem ſie die nahe bevorſtehende Abreiſe nach Montmédy an⸗ zeigt. Nur vier Perſonen waren in das Geheimniß gezogen worden, und keiner von denen, welche die erhabenen Flücht⸗ linge begleiten ſollten, wußte eine Stunde vorher ein Wort davon. Der Graf von Mercy verſuchte es vergeblich, die Flucht als unmöglich darzuſtellen; der Kaiſer ſtrengte ſich ebenfalls an ein Gleiches zu thun, indem er ſeine Schweſter zugleich durch Verſprechungen ſeines Beiſtandes zu beruhi⸗ gen bemüht war, die recht warm und förmlich klingen ſollten, in der That aber nicht den geringſten Anhalt boten.
Gegen die Mitte des Monat Juni drang das Gerücht von den Abſichten des Hofes in das Publicum, auch ſprachen einige Blätter davon. Wahrſcheinlich ſah ſich die Königin hierdurch veranlaßt, die Sache zu beeilen, und ſie benachrichtigte den Grafen Mercy davon in einem chiffrirten vom 14 Juni.
Novellen⸗Zeitung.
Am 20. Juni um Mitternacht beſtiegen der König, die Köni⸗ gin, Madame Eliſabeth, Frau v. Tourzel und die Kinder von Frankreich in Begleitung des als Kutſcher verkleideten
datirten Briefe. Die Dispoſitionen waren vortrefflich und
müſſen. Bis Chalons ſollten die Reiſenden ohne äußerliche Vorſichtsmaßregeln gelangen, von dort aus ſollte der Mar⸗ quis von Bruillé, welchem es unter dem Vorwande, wegen militäriſcher Bewegungen die Grenzen bewachen zu müſſen, 2 gelungen war, ſeine Truppen bei Montmédy zuſammenzu⸗ 1* ziehen, leichte Reiterei als Escorte zur Verfügung ſtellen.
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ohne einen beklagenswerthen Zufall hätte Alles gelingen ganze Stadt war auf den Beigen, die Nationalgarde beſetzte
Grafen Ferſen einen Miethwagen und erreichten in dieſem ohne Hinderniß die Reiſewagen erwartete. ſelben voraus. ſicher untergebracht, fort nach Brüſſel ab. Dort erkannte beim Wechſeln der Pferde der Poſtmeiſter Viet den König, aber er ließ ſich nichts merken und bewayrte ge⸗ wiſſenhaft das Geheimniß. und erſt um von der Flucht des Hofes in meine Entrüſtung. Adjutanten zur Verfolgung der Flüchtigen, aber das Volt, welches in ihrer Sendung den entgegengeſetzten Zweck ver⸗
Porte Saint⸗Martin, wo ſie ein großer. Drei Garde du Corps gingen dem⸗ Der Graf Ferſen kehrte, nachdem er Alle nach Paris zurück und reiſte von da ſo⸗ Bis Chalons ging Alles vortrefflich.
In Paris verlief die Nacht ruhig, 8 Uhr des Morgens verbreitete ſich die Nachricht der Stadt und erregte allge⸗
Lafayette entſendete ſofort zwei ſeiner
muthete, hielt ſich an den Barrieren vor der Stadt auf und begünſtigte ſo, ohne es zu wollen, das Vorhaben. Es war dies die letzte Gunſt, welche das Geſchick der erhabenen Fa⸗ milie erzeigte. Von Chalons aus ſchlug Alles fehl; in Som⸗ me⸗Vesle erwartete ſie Niemand, und die unter dem Vor⸗ geben, einen Schatz escortiren zu ſollen, von Flechen zu Fle⸗ chen aufgeſtellten Detachements waren, des Wartens müde, in ihre Cantonnements zurückgekehrt. Der König endlich verlor eine koſtbare Stunde bei Herrn von Chamilly, einem ſeiner Kammerdiener, indem er den verzehrenden Hunger ſtillte, der ihn ſelbſt bei dieſer Gelegenheit nicht verlaſſen hatte. Dennoch ſchien ſich der Reiſe kein Hinderniß entgegen⸗ ſtellen zu wollen, bis ſie Sainte⸗Menehould erreichten, wo der König beim Umſpannen auf den ungtücklichen Gedanken kam, ſich an das Wagenfenſter zu ſetzen. Hier erblickte ihn der Poſtmeiſter Drouet und, betroffen von der Aehnlichkeit des Reiſenden mit dem Bildniß auf den Sechslivreſtücken, und im Augenblick errathend, was vorgehe, ſtieg er mit einem ſeiner Freunde Namens Guillaume zu Pferde und erreichte auf einem Richtwege athemlos Varennes einige Minuten vor dem Eintreffen des königlichen Reiſewagens.
Drouet hielt 11 ¾ Uhr des Abends vor dem Gaſthofe zum Goldnen Arm und benachrichtigte den Wirth Leblanc, daß der König bei ihm abſteigen werde. Dieſer ſetzte den Procurator der Commune und einige Notablen der Stadt hiervon in Kenntniß, während man, um zu alarmiren, den Feu⸗ erruf ertönen ließ und Drouet mit dem Advocaten Regnier einen beladenen Wagen, quer vor die Brücke warf, um die Paſſage zu ſperren. In dieſem Augenblick erſchien der Rei⸗ ſewagen des Königs mit ſechs Pferden beſpannt und drei Handpferde mit drei gelb gekleideten Perſonen auf dem Bock. Sauce war mit ſeinen Helfershelfern im Hofe des Gaſthauſes verſammelt, während die Nationalgarde die Straße füllte. Der König übergab mit Ruhe ſeine Papiere dem Syndicus⸗
Procurator, welcher gleichfalls von der Aehnlichkeit der*
Züge des Reiſenden mit denen Ludwig's XVI. betroffen war und, um Zeit zu gewinnen, das Viſa des Paſſes bis zum an⸗ deren Morgen zu verſchieben beſchloß. Die Flüchtlinge be⸗ ſchieden ſich auszuſteigen, um ſich die mögliche günſtige Ge⸗ legenheit, dennoch zu entkommen, nicht zu verſcherzen. Die
die Ausgänge, durch welche eine Flucht bewerkſtelligt werden könnte, vorzüglich von der Seite nach Argonne hin, woher die dem König ergebenen Truppen zurückkehren könnten. Sauce führte ſeine Gefangenen nach ſeinem eigenen Hauſe, und Ludwig XVI., welcher ſich von den Bewohnern von
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