Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
827
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Vierte Kolge.

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Feuilleton.

Die antike Weltſtadt Alexandrien.

Von den vielen gewaltigen Städten des Alterthums iſt dem großen Publicum eigentlich nur von Rom einige allge⸗ meiner verbreitete Kunde geworden. Die übrigen ſind für die Durchſchnittsbildung der Menſchen in Nacht verſunken; und doch war ihr Daſein ſo wichtig als intereſſant und wir ſind keineswegs ganz ohne Nachrichten über die gewaltigen Culturplätze der Vorzeit. Sie überragten unſere modernen Städte faſt ſämmtlich an Größe, an Pracht und Luxus, und eine der intereſſanteſten von allen war Alexandrien, die Reſi⸗ denz der Cleopatra. Stahr hat ſich in ſeiner ausführlichen Geſchichte dieſer Königin die dankenswerthe Mühe gegeben, nach genauem Quellenſtudium der alten Dichter, Geſchichts ſchreiber und Geographen uns durch eine lebendige Schil derung ein ungefähres Stadtbild der ägyptiſchen Metropole wieder vor die Seele zu rufen. Wir glauben durch eine Mittheilung dieſer Arbeit der Phantaſie und Intelligenz etwas höchſt Feſſelndes darzubieten.

Dem Beſieger und Zerſtörer Carthago's, Scipio, er⸗ ſchien, als er zwei Menſchenalter vor Cleopatra's Geburt auf ſeiner Inſpectionsreiſe durch die öſtlichen Provinzen Rom's nach Alexandrien kam, dieſe Stadt in der Pracht und Herrlichkeit ihrer Bauwerke und in dem Glanze und der Fülle des Lebens, das ſie durchwogte, als ein Wunder der Welt, würdig der Größe ihres Schöpfers, der ſie vor kaum zweihundert Jahren aus dem Nichts in's Daſein gerufen hatte. Und ſie verdiente dieſe Bewunderung noch mehr zu der Zeit, von der wir reden. Gelegen auf dem Knotenpunkte zweier Welttheile als deren Vermittlerin mit dem dritten, vereinigte ſie alle Bedingungen in ſich, welche zur Hauptſtadt eines Weltreichs, wie ihr Erbauer es träumte und wie die letzte der Lagiden es in ihrem Weiberkopfe trug, gehören. Wir haben noch eine Beſchreibung Alexandria's von einem Zeit⸗ genoſſen Cleopatra's, dem viel gereiſten Geographen Strabo, der die Stadt jedoch erſt nach den Verwüſtungen ſah, welche ſie durch Cäſar's Alexandriniſchen Krieg erlitten hatte. Aber auch ſo noch erſcheint ſie in ſeiner Schilderung als die herr lichſte Stadt der Welt, würdig der Bezeichnung desGipfels aller Städte, die ihr noch vier Jahrhunderte ſpäter ein rö⸗ miſcher Geſchichtſchreiber beilegte.

Verſetzen wir uns in die Zeit, in welcher der ebenge⸗ nannte griechiſche Schriftſteller, der ſechs Jahre nach Cleopa⸗ tra's Tode das Wunderland Aegypten beſuchte, von der Höhe des Paneion aus ſeine erſtaunten Blicke über die vor ihm ausgebreitete Weltſtadt ſchweifen ließ. Dies Paneion war ein rieſiges Belvedere im ſüdweſtlichen Theile der Stadt, von Menſchenhänden aus Felſenquadern kreiſelförmig aufge⸗ thürmt, zu welchem man auf einem Schneckenwege bis zum Gipfel hinanſtieg, um von dort die ganze umliegende Stadt nach allen Seiten hin zu überſchauen.

Auf dieſem Standpunkte konnte man zunächſt den geni⸗ alen Blick des Schöpfers dieſer Stadt bewundern, der die Gunſt der Natur für die Gründung einer Welthandels- und Hauptſtadt des Oſtens mit wunderbarer Sicherheit erkannt hatte.

Vor dem ſchmalen, wenig über eine halbe Stunde brei⸗ ten Küſtenſtriche, der, ſich zwiſchen dem Mittelmeere im Nor⸗ den und dem Mareotisſee auf der ſüdlichen Seite in Form einer flachen Landzunge hinſtreckend, die Stadt auf ſeiner

Fläche trug, lag in gleicher Richtung mit ihm eine Inſel, Pharus geheißen, von länglicher Geſtalt, in der Mitte, nach dem Meere zu, tief eingebuchtet, einem an beiden Seiten vor⸗ liegenden Joche oder Tragholze vergleichbar. Dieſe Inſel ſchloß die zwiſchen den zwei Landſpitzen des feſtländiſchen Ufers, in deren Mitte Alexandrien lag, befindliche Bucht, und bildete mit ihren beiden nach Oſten und Weſten auslau⸗ fenden Spitzen einen Doppelhafen, groß genug, die mächtig⸗ ſten Kriegs⸗ und Handelsflotten aufzunehmen.

Denn die nur ungefähr viertauſend rheinländiſche Fuß von der Küſte und der Stadt entfernte Inſel war mit derſel⸗ ben durch einen künſtlichen Damm verbunden, der von ſeiner ſieben Stadien langen Ausdehnung den Namen Heptaſtadi⸗ um führte und ſo die Bucht von Alexandria in zwei faſt gleich große Hälften ſchied. Die öſtliche derſelben hieß der große Hafen, die weſtlicheder Hafen der glücklichen Heimkehr. Der Eingang zu dem erſteren war eng, denn die öſtliche Spitze der Inſel ſtreckte ſich ſehr nahe heran zu der vom feſt⸗ ländiſchen Ufer auslaufenden Landzunge, Lochias genannt, und er war durch ganz oder theilweiſe von Waſſer bedeckte, wild umbrandete Klippen ohne Lootſen nicht ungefährlich zu paſſiren. Dem Schiffer, der des Nachts von Norden her der Bai von Alexandria zuſteuerte, deren hafenloſe und flache, mit Riffen und Untiefen verſehene Küſte Gefahren aller Art bot, leuchtete ſchon in weiter Ferne das Feuerzeichen des auf der öſtlichen Inſelſpitze gelegenen und nach der Inſel be⸗ nannten Leuchtthurms tröſtlich entgegen, von dem noch heute alle ſeines gleichen denſelben Namen führen. Der Blick des am Tage Einfahrenden ſchwindelte hinauf zu dieſem aus Marmorblöcken auf Felſengrunde emporgethürmten Bau, der unter die ſieben Wunderwerke der alten Welt zählte. König Ptolemäus Philadelphus, der zweite Herrſcher aus dem Ge⸗ ſchlechte der Lagiden, hatte ihnden rettenden Göttern den Dioskuren wie die Inſchrift ſagte, durch den Bau⸗ meiſter Soſtratus errichtet. Ihm gegenüber auf der Spitze der Landzunge Lochias, zur Linken des in dengroßen Ha fen einſegelnden Schiffers erhob ſich ein Königspalaſt, und weiter hinab der Küſte zu die Reihe der anderen königlichen Gebäude mit ihren Hallen und Luſthainen, einen eigenen ab⸗ geſchloſſenen künſtlich ausgegrabenen königlichen Hafen bil⸗ dend, vor dem ein Königsſchloß auf einer kleinen Inſel, An⸗ tirhodus genannt, ſtand. Weiter hin das Theater, dann das Poſidium, eine von dem großen Hafenmarktplatze, dem ſogenannten Emporium, vorlaufende Krümmung, von deren Uferrande ein Damm zu dem Wohnhauſe führte, das ſich Antonius in den letzten Tagen ſeines Lebens zur Einſiedelei hergerichtet und nach dem Menſchenfeinde Timon von Athen ſein Timonion genannt haben ſollte. Die weiteren Umge⸗ bungen des großen Hafens bis zum Heptaſtadium hin bilde⸗ ten der Tempel Cäfar's, das Cäſarium genannt, der Markt⸗ platz und die Waarenlager und zuletzt die Schiffswerfte. Der Hafen ſelbſt, durch Natur und Kunſt von allen Seiten bis auf die enge Einfahrt umſchloſſen, war ſo tief, daß die ge⸗ waltigſten Schiffe dicht an den Steintreppen des Uferkais anlegen konnten. Minder geſchützt und weiter geöffnet war der zweite weſtliche Haupthafen, von dem eine Abtheilung künſtlich ausgegrabene und geſchloſſene Docks umfaßte und der Hafen Kibotos hieß. Von ihm erſtreckte ſich ein ſchiffba⸗ rer Canal zum See Mareotis, der dieſes Binnenmeer mit