826 Novellen⸗
eine angenehme Zerſtreuung für Mußeſtunden, denen ſie Ernſt, Lebensaufgabe, poetiſche Verklärung des Individuums und der Kunſt iſt. Unſere leichtfertige, moderne Production, welche gediegenere Geiſter treibt, ſich reſignirt zurückzuziehen, da Nachtigallen nicht mit zwitſchernden Sperlingen auf einem Baume zu ſingen pflegen, macht dieſe Aufgabe zu einer ſehr ſchwierigen. Doch Alberk Traeger iſt ganz die geeignete Perſön⸗ lichkeit, um nach und nach in Nähe und Ferne jün⸗ gere und altere Talente für das fortlaufende Unter⸗ nehmen zu geſteigerter Vervollkommnung deſſelben wach zu rufen.
Von den zahlreichen lyriſchen Beiträgen der dies⸗ jährigen eleganten Ausgabe möchte ich Ihnen nur noch ein Gedicht von Hermann Marggraff näher rücken und zwar nicht, weil der Dichter zu den Verſtorbenen, ſondern weil ſein Product in der That zu den treff⸗ lichen iſtungen gehört. Trotz eines etwas einſeiti⸗ gen polkernden Standpunktes nennt es ſo manchen Wendepunkt unſerer Zeit mit dem rechten Namen:
Gern ſing' ich von der Schönheit Strahle, Ergoſſen aus kryſtallner Schale, Verklärt zum reinſten Ideale In ſeiner vollſten Göttlichkeit; Doch ach, das Häßliche, Gemeine, Getüncht mit gleißneriſchem Scheine, Mit grobem Schacher im Vereine, Beherrſcht die Geiſter dieſer Zeit.
Im Abgrund ewig finſtrer Nächte
Verſchwand die ſüßeſte der Mächte,
Und wer die Schönheit wiederbrächte, Ihm würde ſchlechter Dank und Lohn,
Denn grade, was uns hebt zum Gotte,
Verfolgt des Pöbels ſchmutz'ge Rotte
Mit gift'gem Witz und ſchnödem Spotte, Mit grimmem Haß und wildem Hohn.
Statt Tempeln, drin, wie bei den Alten,
Mit keuſchem Sinn und frommem Walten
Der Schönheit Prieſterinnen ſchalten, Ward uns der Börſe Haus beſcheert;
Kein Weihrauch duftet vom Altare,
Kein Prieſter ſchreitet im Talare,
Nur Geld und Geldeswerth und Waare Wird hier als höchſtes Gut verehrt.
Des Dampfſchlots wildes Angſtgeſtöhne, Des Rad⸗ und Schraubenwerks Gedröhne Erſetzt das anmuthvolle Schöne Dem jetzt noch lebenden Geſchlecht. Maſchinen ſind es, die Maſchinen, Nur Gram und Kummer in den Mienen, Mit ihrer hagern Hand bedienen— Maſchine ſelbſt iſt heut' das Recht.
Und vorwärts raſ't mit Dampfesſchnelle
Der roh und derb materielle
Zeitung.
Und ungebändigte Geſelle, Der ſelber ſich den Fortſchritt nennt, Den es ein Gott zu ſein gelüſtet, Der zauberähnlich ausgerüſtet, Sich ſelbſt als unbeſiegbar brüſtet, Und Mitleid nicht, noch Schonung kennt.
Zu ſeinen Füßen liegt vernichtet, Zermalmt, verurtheilt und gerichtet, Was je des Menſchen Geiſt gedichtet,
Was je des Künſtlers Bruſt geſchwellt. Verdorrt, verdorrt ſind alle Palmen, Verrauſcht, verrauſcht ſind alle Pſalmen,
Und ſchwer und dumpfig ſieht man's qualmen
Um die verſunkne Götterwelt.
Wenn dieſes Gedicht als ein Stoßſeufzer trüber Lebenserfahrung gewiſſermaßen das Schiller'ſche Thema „die Götter Griechenlands“ für unſere moderne Ge⸗ genwart und deren materialiſtiſche Wandlungen variirt, ſo zeigt ein anderes kleines nachgelaſſenes Gedichtchen Marggraff's, wie warm ſich derſelbe den höhern Freu⸗ den des Lebens mit liebevoller Unbefangenheit über⸗ laſſen konnte. Dieſes kleine Liedchen,„die Kinder⸗ ſtube“, ruft mir das Andenken an den Dichter in vielen ſolcher Momente zurück, die ihm Erſatz für vieles Entbehren geben und die uns Menſchen vom Himmel verliehen werden, um noch Manchem in äbn⸗ licher Lage gleiche Erhebung von Mühſal und Kampf zu bieten. Hören Sie:
Mag auch in altbekannten Weiſen Der Eine dies, der Andre das,
Der Eine die Geliebte preiſen,
Der Andre gar das volle Glas,
Ein Dritter, was an Reizen ſendet Die laue Lenz⸗ und Mondſcheinnacht, Ein Vierter, was der Frühling ſpendet An wunderſamer Blumenpracht:
Ich lobe mir das Kinderſtübchen—
Da blick' ich gar zu gern hinein,
Da hüpft das friſche blonde Bübchen Mit muntern Mädchen im Verein;
Da giebt's ein Jubeln und ein Singen, Da ſieht man, wie ſich's leben läßt;
Da wird mit Tanzen und mit Springen Dem Völkchen jeder Tag zum Feſt.
Im Menſchengarten aufgeſchoſſen
Und ſich entfaltend, Roſen gleich,
Sind das die ſchönſten Frühlingsſproſſen An Farb' und Duft und Fülle reich. Gab es in eines Königs Garten
Je ſo ein prächt'ges Blumenbeet?
O möge ſein der Himmel warten,
Bis es in voller Blüthe ſteht!
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