824
„Begeben Sie ſich ſofort in die Sakriſtei, deroni Thür von außen verſchloſſen iſt, und halten Sie ſich dort genau eine Stunde lang auf. Was inzwiſchen geſchieht, darf Sie nichts kümmern, wenn Ihnen Ihr Leben lieb iſt. Verſuchen Sie nicht, uns in unſerem Werke zu ſtören! Iſt die Stunde verlaufen, ſo mö⸗ gen Sie die Kirche verlaſſen und thun, was Ihnen beliebt, wir werden dann in Sicherheit ſein.“
Der Geiſtliche und der Kirchendiener wagten kein Wort mehr zu erwidern und flüchteten ſich in die Sakriſtei, wo ſie in namenloſer Angſt lauſchten. Aber kein Lauk drang zu ihnen, bis dieſe unheimliche Stille plötzlich ein Piſtolenſchuß, der innerhalb des Gewölbes abgefeuert wurde, unterbrach.
„Gott im Himmel, ſie morden die Unglückliche!“ ſtöhnte der Prieſter, das erdfahle Antlitz in die Hände verbergend.
Der Meßner ſtammelte, auf den Knieen liegend, ein Gebet über das andere.
In kurzen Pauſen folgten noch zwei Schüſſe, dann wurde Alles wieder ſtill.
Die feſtgeſetzte Stunde ſchlich den beiden in der Sakriſtei Befindlichen wie eine Ewigkeit dahin; als ſie endlich verlaufen war, erhoben ſie ſich zagend und betraten, die Laterne mit ſich nehmend, wieder die
Kapelle.
etwas Auffälliges. Die beiden Männer ließen ſich auch keine Zeit
Rückweg nach dem Dorfe an.
teshaus umgab, genau bekannt— ſtolperte der Meßner
Erdaufwurf, der ſich ſonſt an dieſer Stel funden haben konnte. Entſetzt leuchtete her;— ſie ſtanden an einem goldetes Kreuz mit der einfachen Inſchrift:„I nette K.“
Die Männer eilten ohne und machten dort Lärm. Bald darauf zog eine bewaffneter Bauern nach der Kapelle. Man das neue Grab mit dem Kreuze und öffnete es a Befehl des Pfarrers.
Nicht tief unter der Erde ſtieß man auf ein einfachen Sarg und fand in ihm
Der alte Vater raufte
Novellen⸗Zeitung.
Die Lichter waren ausgelöſcht, nirgends ſah man
Als ſie über den kleinen Kirchhof, der das Got⸗ ſchritten,— der Weg war ihnen über einen zu de le nicht be⸗ gen ſeiner Art. er um ſich poetiſche friſchaufgeworfenen
Grabhügel, und auf demſelben erblickten ſie ein ver⸗ Jean⸗ Gefühle und Gedanken,
Zögern nach dem Dorfe
Schaar fand Freude einer ſo brillanten Ausſtattung, unterſtüpe
die Leiche der Braut
mit dem Kranze von Orangeblüthen im blonden Haare. Sie hatte drei Piſtolenkugeln durch das Herz erhalten.
ſich die aare aus und
überlebte die Nachricht von dem ſchrecklichen Ende ſeiner Tochter nur um wenige Tage. Die gerichtliche Unterſuchung wurde im Galizi⸗ ſchen eingeleitet, aber trotz aller Nachforſchungen war nirgends ein Stephan v. N. zu ermitteln, Graf Jozef war verſchollen, und der General leugnete jede Theil⸗ nahme an dem Verbrechen ab. Welche Zeugen konnte man gegen ihn, der weit entfernt war, aufſtellen? Daß der ſogenannte Stephan v. N. ſeit ſeinem Auftreten im Schloſſe des Grafen K. nur im Auftrage des racheentflammten Generals und des von tiefbelei⸗ digtem Ehrgefühl verblendeten Grafen Jozef gehandelt habe, unterliegt wohl keinem Zweifel, ein ſo dichter Schleier auch ſeitdem über dieſem blutigen Ereigniſſe gelegen hat. 1 Wir wollen nicht zu berichten vergeſſen, daß das Grab und das vergoldete Kreuz bei der Kaplica lesn noch mehrere Jahre hindurch an dem Todestage der V unglücklichen Jeannette mit Blumen bekränzt gefunden wurde. Hat ſie doch Einer ihrer drei Verlobten und angetrauten Gatten aufrichtig geliebt?— Und von wem ließe ſich das anders annehmen als von dem
Grafen Jozef?—
V Literariſche Briefe von Otto Banck.
den Spuren des verübten⸗Verbrechens nachzuſuchen; Deutſche Kunſt in Bild u nd Lied. Ori⸗
ſchleuniaſt verließen ſie die Kapelle und traten den
ginalbeiträge deutſcher Maler und Dichter. Heraus⸗ gegeben von Albert Traeger. Leipzig, Verlag des lithographiſchen Inſtituts von J. G. Bach. 1865. Unbedingt gehört das vorliegende Pracht⸗Album n eleganteſten und umfaſſendſten Unternehmun⸗ Es bringt auf großem Quartformat Beiträge von fünfundſechszig verſchiedenen gewiß thut der geſchmackvolle Papier ſein Möglichſtes, die
— die hier ausgeſprochen ſind, in das vortheilhafteſte Licht zu ſtellen. Unſere lite⸗ rariſchen Vorfahren haben alle Urſache, uns noch im Grabe zu beneiden, denn ihnen wurde nie
deutſchen Lyrikern, und Druck und das tadelloſe
Hülfsmitteln, die die Cultur bietet, für ihre Productionen zu Theil. Auch die bildende Kunſt iſt heutigen Tages bereit und darauf eingeübt, den Ein⸗ druck literariſcher Producte zu verſchönern, und es iſt
uf allen
en
dieſem Album geſchehen iſt.
Der Herausgeber, Albert Traeger, der durch ſeine
*
nicht das Geringſte, was von Seiten der Zeichner an
rüſtige Thätigkeit dieſe Edition in ihrem ſiebenten
Ernte ſ0
mauliohteih durch ein g. Liiſtungen denn ſo vie haben, ſo den Beglif ſen und in ſnnd, die d rialismus Vor A einen ſolche Et he fänger“ ge deutſches( eine grazit auszeichnet der roman die Düſſel men gerech fein und au lers derbin Ingen beſeelten J ſche Richtig nicht minde bildchen„d Freunden: ohne jede Ich n willkommen dächtige F burg(„ung (⸗der Retf Alher


