Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
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dürfen, ſchnell Hülfe zu erlangen, falls er eine ſolche

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Schritt nicht ganz geſetzlich iſt und daß hülfe Ihnen Unannehnlichkeiten mit den Behörden zuziehen könnte. Hier lege ich die Summe, welche Ihnen das Geſetz als Strafe auferlegen könnte, nie⸗ der, und übrigens werden Sie mit gutem Gewiſſen behaupten können, daß Sie gezwungen worden ſeien, den kirchlichen Act zu vollziehengee

Damit legte der Fremde ein Packet Banknoten auf den Tiſch und nahm eine Piſtole in die Hand, mit deren Hahn er rubig lächelnd ſpielte, auch ſein Gefährte pzabirte ſeine Waffen.

Der Prieſter war bleich geworden; er verſuchte einige Einwendungen zu machen, aber die Fremden ſchlugen dieſe mit der kurzen Antwort nieder, daß ſie Alles wohl bedacht hätten und ſich durchaus nicht

NRovellen⸗

fürchteten, nöthigenfalls Gewalt zu gebrauchen; der daß für die Braut kein Zwang ſtattfinde,

Pfarrer müſſe ſich in die kleine Unannehmlichkeit fü⸗ gen und könne, wenn er wolle, ſchon am nächſten Morgen ſeiner zuſtändigen Behörde Anzeige von dem Vorgefallenen machen.

Das ganze Dorf lag bereits im tiefen Schlafe, und die nächſten Hütten waren auch zu entfernt pon dem Pfarrhauſe, als daß der Geiſtliche hätte hoffen

anzurufen gedenke; es blieb ihm daher nichts anderes übrig, als den beiden Fremden zu folgen. Sie ſchrit⸗ ten ſchweigend durch die Finſterniß auf die Wald⸗ kapelle zu. Erſt als man Licht in derſelben ſah, er⸗ klärte der Eine dem Prieſter, daß der Meßner ſich bereits dort befinde, und ſetzte dann in entſchiedenem Tone hinzu:

Was auch geſchehen möge, fragen Sie nicht da⸗ nach und thun Sie, wozu wir Sie anweiſen, es würde ſonſt Ihr Leben koſten. Wir ſind entſchloſſene Män⸗ ner und ſcheuen uns nicht unſern Willen mit allen Mitteln durchzuſetzen. Erinnern Sie ſich ſtets, daß Sie unter der Mündung von drei Piſtolenläufen ſtehn, das wird vollkommen zu Ihrer Rechtferti gung gereichen.

Der Prieſter erwiderte Nichts, aber er fühlte einen leiſen Schauder durch ſeine Glieder laufen. Er ahnte etwas Außergewöhnliches, ſogar ein Ver⸗ brechen, und ſein Muth ſchwand immer mehr, je

weitkr er ſich von ſeinem Hauſe und dem Dorfe eut⸗ fernte.

Nachdem er unter Aufſicht der Fremden in der Sakriſtei Chorrock und Stola angelegt hatte, trat er in die Kirche. Die in derſelben herrſchende Dunkel⸗ heit, der matte Lichtkranz, der den Altar umgab, der bleiche Prieſter und die dunkeln, in Mäntel gehüllten Männergeſtalten machten zuſammen einen traurigen und beängſtigenden Eindruck. Auf die Frage des

.

Zeitung.

Ihre Bei⸗ Pfarrers hatte man ihm ſchon in der Sakriſtei die

Namen des Brautpaares ohne Weiteres genannt: Stephan v. N. und Gräfin Jeannette K.; alle wei⸗ teren Legitimationspapiere verweigerten die Fremden.

Der Prieſter trat vor den Altar, dem der Meß⸗ ner zitternd zur Seite ſtand; letzterer wurde von dem Kutſcher, der den Wagen hergeführtehatte, nicht

aus den Augen gelaſſen.

Auch das Brautpaar erhob ſich und kniete auf den Altarſtufen nieder. Der Bräutigam hatte die Braut, die ſehr angegriffen ausſah und nur mit Mühe ihr krampfhaftes Schluchzen unterdrücken konnte, dahin geführt; ſie trug ein ſchwarzes ſeidenes Kleid und einen Kranz von Orangenblüthen in dem ſchönen blonden Haare. Davon glaubte der Geiſtliche nach einem ſcharf prüfenden Blicke de immmee ſondern daß ſie mit liebevollem Vertrauen zu dem Manne an ihrer Seite aufhlicke. Die Zeugen hielten ſich ſo weit zurückgezogen, daß man in der Dunkelheit ihre Geſichter nicht zu erkennen vermochte.

Die Ceremonie ging in aller Form und ungeſtört vor ſich; Bräut und Bräutigam, antworteten auf des Prieſters Frage mit klarer Stimme ihrJa und wechſelten die Ringe. Der Segen wurde über ſie geſprochen.

Dem Geiſtlichen und dem Meßner fiel ein Stein vom Herzen, als der feierliche Act heendet war. Der Bräutigam küßte ſeine Braut, die jetzt leiſe weinte, ſanft auf die Stirn, gab ihr den Arm und wollte ſie in die Kapelle zurückführen.

In dieſem Augenblicke trat einer der beiden Zeugen feſten Schrittes dem Paare ſo weit entgegen, daß die Kerzenbeleuchtung hell auf ſein Geſicht fiel⸗ Der Bräutigam blieb ſtehn und ließ Jeannettens Arm los. Dieſe blickte verwundert auf den Mann, der ſich ihr in den Weg ſtellte, zuckte krampfhaft zu ſammen und ſank mit dem ſchneidenden Angſtſchrei: Graf Jozef! bewußtlos in die Arme Stephan's, der ſich nicht von der Stelle rührte und keineswegs

eine Miene machte, als ſei er erſtaunt oder erzürnt über das Dazwiſchentreten des Grafen. Er ſchiell ſogar dieſen Fall ſchon vorgeſehn zu haben, denn er trug ein Fläſchchen mit ſtarker Eſſenz bei ſich, durch

die er die ohnmächtige Braut in das Leben zurückzu⸗ führen bemüht war.

Graf Jozef blickte düſter und drohend, aber doch nicht ohne eine Spur von Mitleid, auf die Ohumäch⸗

tige. Der Prieſter und der Meßner ſtanden noch 1 erſtarrt am Altare; ſie ahnten, daß ſich jetzt erſt das

gefürchtete Drama zu entwickeln beginne.

Nach Verlauf einiger Minuten erhob ſich Jean⸗

auf getreten war; d triumphirendes Graf Joze

ben Tone. Vetzeihung nicht anders, Sie hatte d ſchrecend konnte

abwenden. Jeannette worte mir vor mit mir verlobt Treue und Dei 5Ja! hal ſchrie ſie kramp

verlaſſen?

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Der Graf ließ es willenl vor den Altar wiſſen, was m

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