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Der Wagen fuhr bei dieſem Häuschen vor, ein Mann öffnete den Schlag von innen und ſprang ge⸗ wandt heraus, flüſterte noch einige Worte in das Fuhrwerk hinein und klopfte dann an einen Fenſter⸗ laden. Eine Stimme von innen fragte, wer da ſei und was man wolle, worauf die Antwort ertheilt wurde, man komme im Auftrage des Prieſters, der in Kurzem ſelbſt erſcheinen werde.
Nach einigen Unterhandlungen wurde die Haus⸗ thür geöffnet, und der Reiſende trat in den Hausflur, wo er den alten Meßner, der ihn mißtrauiſch anſ mit einem Lichte in der Hand fand. 8
„Kleidet Euch vollſtändig an,“ gebot der Frem „und ſchließt die Kapelle auf, der Pfarrer wird ſo⸗ gleich kommen, um eine Trauung zu vollziehen, und Ihr könnt inzwiſchen einige Kerzen auf dem Altare anzünden und alles Nöthige vorbereiten.“
Der Reiſende war kein anderer als Stephan v. N. Während er ſo gebieteriſch zu dem Meßner ſprach, ſchlug er ſeinen Mantel zurück und ließ in ſeinem Gürtel ein Paar Piſtolen ſehn, langte aber gleich— zeitig in die Taſche und bot dem alten Manne eine gefüllte Börſe.
Der Meßner erſchrak, aber er konnte nicht an Widerſtand denken, wenn er auf die Piſtolen und die Männer, die ſich noch draußen vor der Thür befan⸗ den, blickte. Daß es ſich um einen ungeſetzlichen Schritt handle, begriff er wohl, aber er ſuchte ſein Gewiſſen, wäͤhrend er die Boͤrſe annahm, mit der Frage zu beruhigen:
„Wird der Pfarrer wirklich kommen?“
„Wer anders ſollte denn die Trauung vollzie⸗ hen?“ fragte der Fremde mit eigenthümlich düſterem Lächeln.
„Ich werde kommen,“ erwiderte der Meßner und ging in ſeine Stube zurück.
Stephan folgte ihm auf dem Fuße; er mußte ſich in ſeiner Gegenwart ankleiden, eine Laterne an⸗ zünden und die Kirchenſchlüſſel mit ſich nehmen. Als ſie wieder vor das Haus hinaustraten, hielt der Wa⸗ gen vor dem Eingange zur Kirche, und die beiden
aber ſie hatten ihre Pferde dem laſſen.
Der Alte ſchloß die Kirchenthür auf und blieb, mit der Laterne leuchtend, ſtehn. Indeſſen hatte Stephan den Wagenſchlag geöffnet und hob eine weibliche Geſtalt im Mantel heraus.
„Geht voran,“ ſagte er barſch zu dem Meßner, „und kümmert Euch weiter nicht um uns.“
Der alte Mann gehorchte und ſchüttelte heimlich den Kopf; er hatte die Dame leiſe und ängſtlich ſeuf⸗
Kutſcher zurückge—
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gen, elegant AReiter, die ihn begleitet hatten, waren verſchwunden,
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Folge. 821 zen gehört. Das Paar folgte ihm und nahm in ei⸗ nem Kirchenſtuhle unfern des Altars Platz; er hörte
ſie flüſtern, während er die Kerzen anzündete; die
Dame ſchien ängſtlich zu ſein, der Mann ſie mit zärt⸗
lichen Worten zu beruhigen, verſtehen konnte er aber
keine Sylbe.
„Wir haben
der laut,
hatte.
Die vier Flammen warfen nur einen
Schein, der nichts, mehr als den Altar und die Stu—
Efen vor demſelbem erhellte, um ſich, die anze übrige
Kirche blieb in Dunkel gehüllt. Den Meßnerz uͤber⸗ fiel ein Grauen; er hatte einer ſolchen nächtlichen
„Hochzeit, mit der es doch eine eigene Bewandniß yrben mußte, noch nicht beigewohnt, ſo alt er auch im Dienſte der Kirche geworden war; er wartete zaghaft auf die Ankunft des Pfarrers.—
Derſelbe lag ſchon ſeit einer guten Stunde im Bette, als an der Thür ſeines Hauſes, das am äu⸗ ßerſten Ende des Dorfes lag, wiederholt geklopft wurde. Seine Wirthſchafterin, die ſchon öfter erlebt hatte, daß der Prieſter in der Nacht zu Sterbenden abgerufen wurde, öffnete, nachdem ſie vom Fenſter aus mit den beiden Einlaß Begehrenden unterhan⸗ delt und erfahren hatte, im Meßnerhauſe neben der Kapelle befinde ſich ein ſterbender Reiſender, der nach den Sacramenten verlange.
ug Licht,“ ſagte der Fremde wie⸗ als der Alte vier Altarkerzen angezündet
matten
Auch dem Pfarrer wollte dieſe nächtliche Stö⸗ rung gar nicht gefallen, aber er mußte ſich doch er⸗ heben, um ſeine Pflicht zu thun. Die Sache war ihm unheimlich, aber er vertraute auf ſeinen Muth und noch mehr auf den Schutz, den ihm das geiſt⸗ liche Kleid gewähren würde, falls man ihn in einen nicht ganz rechtlichen Handel zu verwickeln gedenke. Als er angekleidet war, den in ſein Zimmer treten. Sie waren Männer in den beſten Jahren, mit vornehmen, aber auffällig finſteren und entſchloſſenen Mienen und unter den großen Mänteln, die ſie tru— gekleidet; der Pfarrer würde auf den erſten Blick volles Vertrauen zu ihnen gefaßt haben, hätte er nicht bemerkt, daß ſie ihre Piſtolen ziemlich
ließ er die beiden Frem⸗
offen zur Schau trugen. 2
„Ehrwürdiger Herr,“ redete ihn der Eine, der einen dunkeln Schnurrbart trug und in ſeinem ganzen Auftreten etwas Militäriſches hatte, an,„wir ſind gekommen, um Sie zu erſuchen, uns nach der Wald⸗ kapelle zu begleiten und daſelbſt die Trauung eines unſerer Freuude mit einer Dame, die ihn gewiſſe Verhältniſſe aus dem elterlichen Hauſe zu entführen nöthigten, zu vollziehen. Wir wiſſen, daß dieſer


