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in Gegenwart des Königs ſeinen Degen zerbrach und ſchwur, nie mehr einem Fürſten dienen zu wollen, der ſein Wort rück⸗ gängig mache. Jeder Andere würde eine ſolche Kühnheit, wenn nicht mit dem Leben, ſo doch mit lebenslänglicher Ge⸗ fangenſchaft gebüßt haben. Lauzun kam zwar nicht ganz ungeſtraft davon, der König ſchickte ihn in die Baſtille, doch ſchenkte er ihm bald die Freiheit und mit dieſer auch ſeine volle Gunſt wieder. Nachdem ſich Lauzun eine Reihe von Jahren hindurch ungeſtört in derſelben geſonnt hatte, ſtieg ein neuer Stern an ſeinem Lebenshimmel auf, der ihm den höchſten Glanz verleihen zu wollen ſchien, jedoch mit gleichem Rechte als ſein Unſtern betrachtet werden kann. Die Enkelin Heinrich's IV. Tochter des großen Condé, die allerdings ſchon alternde Prinzeſſin von Bourbon⸗Montpenſier, faßte eine heftige Zuneigung zu Lauzun, beſchloß ihn zu heirathen, und, V was man zu hoffen kaum gewagt hatte, der König gab ſeine Einwilligung zu dieſer Verbindung. Die Prinzeſſin ſchenkte
Novellen⸗Zeitung.
Nachdem die Prinzeſſin durch die erwähnten Abtretun⸗ gen Lauzun's Freiheit erkauft hatte, hoffte ſie damit zugleich ſeine Anerkennung als ihren Gemahl erreicht zu haben, allein der König erlaubte ihr nur, die Ehe als eine geheime fortzuſeten und ihm die Herrſchaften St. Fargeau und Thiers nebſt anderen anſehnlichen Revenuen zu überlaſſen. Allein Lauzun mochte dieſer Preis für eine zehnjährige Ge⸗ fangenſchaſt zu gering erſcheinen, er benahm ſich ſehr unlie⸗ benswürdig gegen ſeine Gemahlin, die ihm ſo Vieles ge⸗ opfert hatte und Alles zu opfern bereit geweſen war. Im Jahre 1688 ging er nach England und hatte, vom Schick⸗ ſale ſtets zu beſonderen Abenteuern auserſehen, hier das Glück, bei der Vertreibung des Königs Jakob II. deſſen Ge⸗ mahlin zu retten und ſie mit ihrem noch in der Wiege be⸗ findlichen Sohne nach Frankreich zu bringen, wofür er den Herzogstitel erhielt. Im folgenden Jahre leitete er mit ge⸗ ringem Erfolg eine Expedition nach Irland. Nachdem ſeine
ihrem Geliebten ihr ſämmtliches, auf fünfundzwanzig Milli⸗ beklagenswerthe Gemahlin im Jahre 1693 geſtorben war,
onen geſchätztes Vermögen, vier Herzogthümer, die Souverai⸗ netät über das Fürſtenthum Dembes, die Grafſchaft Eu, den Palaſt Luxembourg; dem ihr wohlthuenden Gefühle hingege⸗ ben, dem, den ſie liebte, ein ſo großes Vermögen zu verleihen, wie noch kein König einem Unterthan verliehen hatte, behielt ſie nicht das Mindeſte, was ſie beſaß. Der Ehecontract war ſchon entworfen, die Anzeige an die auswärtigen Höfe entſendet, Lauzun ſollte zum Herzog von Montpenſier erho⸗ ben werden; es fehlte nur noch die Unterſchrift, als der Kö⸗ nig, von den Gegenvorſtellungen der Prinzen, der Miniſter und der übrigen Feinde eines zu glücklichen Sterblichen überwältigt, ſeine Einwilligung zurückzog und die Verbin⸗ dung unterſagte. Die Prinzeſſin, welche ihrem gegebenen Worte treuer blieb als der König, vermählte ſich jedoch heim⸗ lich mit ihrem Geliebten, genoß das theuer erkaufte Glück aber nur kurze Zeit, denn als das Geheimniß verrathen ward, ließ der Köͤnig Lauzun in die Gefängniſſe von Pigne⸗ rol einſchließen, wo dieſer zehn Jahre ſchmachten mußte und aus denen er nur zurückkehren durfte, nachdem die Prinzeſſin dem Herzog von Maine, dem natürlichen Sohn Ludwig's XIV. und der Frau voen Monteſpan, das Fürſtenthum Dembes und die Grafſchaft Eu abgetreten hatte. Ueber die Veran⸗ laſſung zu dieſer dem Charakter des Königs eigentlich fremd⸗ artigen Härte exiſtirt noch eine andere Verſion. Nach der⸗ ſelben ſoll Lauzun die Monteſpan um ihre Verwendung bei dem König zu ſeiner Verbindung gebeten und jene zugeſagt erhalten haben. Da er aber in die Aufrichtigkeit der Mai⸗ treſſe kein großes Vertrauen geſetzt, ſo habe er, wie weiter er⸗ zählt wird, dieſelbe bei einem téte à téte mit dem König in einer allerdings ſehr indiscreten Weiſe belauſcht und dabei vernommen, daß die Monteſpan, weit entfernt, ſeine Intereſ⸗ ſen bei dem König zu vertreten, ſich als ſeine eifrige Gegne⸗
rin gerirte. Der begangenen Indiscretion noch die Unklug⸗
heit hinzufügend, habe Lauzun, um die Monteſpan ihrer Falſchheit zu überführen, ſpäter ſelbſt bekannt, daß er ſie be⸗ lauſcht, und habe ſie mit den heftigſten Vorwürfen überſchüt⸗
tet, worauf dieſe dann beim König Klage geführt und von
demſelben eine ſtrenge Beſtrafung dieſes auch gegen die Per⸗ ſon des Königs gerichteten Vergehens verlangt. Voltaire nimmt allerdings Ludwig XIV. hiergegen in Schutz, indem er erfährt, daß es des Königs unwürdig geweſen ſein würde, einen rechtſchaffenen Mann der Sache eines erzürnten Wei⸗ bes zu opfern. Man muß geſtehen, daß der König hierin
in keiner Weiſe würdig gehandelt hat, es mag die eine oder
die andere Verſion die richtige ſein.
heirathete er zwei Jahre ſpäter in ſeinem fünfundſechszigſten Lebensjahre die ſechszehnjährige unermeßlich reiche Maria de Lorges. Zurückgezogen vom Hofe und von der Welt, welche ihn bald vergeſſen hatte, gönnte ihm das Geſchick auch noch die Gunſt, ſeine Reichthümer möglichſt lange zu genießen. Er erreichte ein Alter von 94 Jahren und ſtarb 1726 ohne Nachkommen. Freunde hatte er ſich nie zu erwerben gewußt, ſo wie er auch niemals etwas Großes geleiſtet hatte. Im Ge⸗ gentheil, er erſcheint ſtets klein den großen Geſchicken gegen⸗ über, welche das Verhängniß auf ſeinen Lebenspfad legte. V Vielleicht iſt dies auch der Grund, daß er keinen Biographen gefunden hat; nur einige Liebesabenteuer aus der Jugend⸗ zeit, in denen er als begünſtigter Nebenbuhler Ludwig'’s XIV. geſchildert wird, ſind in Verſen und in Proſa in romantiſcher Weiſe beſchrieben worden.— e.
Das Urtheil des Capitain Burton über die Negerrace.
Der durch ſeine Reiſen in Afrika und die kürzlich von ihm ausgeführte Miſſion bei dem König von Dahomeh, welche ihm von der engliſchen Regierung übertragen wor⸗ den war, bekannte Capitain Burton fällt in ſeinem neueſten Werke„A Mission to Gelele, King of Dahome,“ das jetzt erſchienen iſt, ein Urtheil über die Negerrace, das um ſo mehr zu beachten iſt, weil es ſich auf eigne Beobachtungen und Erfahrungen, die er in Afrika zu machen Gelegenheit hatte, gründet. Nachdem er nachgewieſen hat, daß in der phyſiſchen Entwicklung der Race ein Stillſtand eingetreten ſei, fährt er fort:„Der reine Neger nimmt in der menſch⸗ lichen Familie eine ſehr niedrige Stellung ein. Ein geringes Lernen ſaugt ſein Gehirn auf. Er hat niemals die Ideen einer perſönlichen Gottheit, einer Pflicht im Leben, Sittengeſetzes oder der Schmach der Lüge begriffen. glaubt ſelten an ein künftiges Leben und an zukünftige Be⸗ lohnungen und Strafen, was unleugbare Beweiſe für den
menſchlichen Fortſchritt ſind. Er hat einen inſtinctartigen und unvernünftigen Widerwillen gegen eine Vermehrung der Bevölkerung. In der Regel verachtet er den Ackerbau. Seine Wuth iſt die eines Schulbuben, der blinde Ausbruch
der Wuth mit dem Mangel an Sympathie verbunden. Des⸗
halb martert und erſchlägt er ſeine Gefangenen gedankenlos,
wie in England Buben Katzen martern und tödten. Es ge⸗
lingt ihm nicht, Hausthiere zu ziehen,
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weil es ihm an jeder Geduld für dieſelben mangelt; ſeine Heftigkeit wird in einer
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Vom an Novellen Ränchen, Fleiſch . Dieſe Novell umg, die mit vie
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wärmeriien ur gang der Welt hir Fawilie durch Lut hen Gerechigei eigenen Gewaltae


