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nothwendigſte Nahrung. Wenn die Bacchanten das von den Schützen eingeſammelte Almoſen verzehrten, mußten dieſe oft hungrig ſich unterm freien Himmel oder in einem Stalle zur Ruhe legen. So kamen ſie nach Meißen, und da logen die Bacchanten ihren jungen Gefährten vor, daß es hier zu Lande geſtattet ſei, die Gänſe todt zu werfen und zu ſich zu nehmen. Als nun ſolches von dieſen auf ihren Befehl ausgeführt wurde, da jagten die Bauern wüthend hinter ihnen her, ſo⸗ daß ſie nur mit vielen Bitten den Schlägen entkamen. In Naumburg, nach mancherlei Abenteuern angelangt, dachten ſie insgeſammt nicht daran, die Schule zu beſuchen, und als ſie hier mit Betteln und Singen den fleißigen Schülern ihr Brod beeinträchtigten, ſo forderten dieſe, daß ſie auch in die Schule kommen möchten, widrigenfalls ſie ſie dazu zwingen würden. Als die Schüler mit ihrem Meiſter endlich angezo⸗ gen kamen, verbarricadirten ſich unſere Reiſegenoſſen in dem Hauſe, wo ſie ihr Nachlager hatten, trieben mit Steinwürfen die Gegner zurück, fanden es aber für gut, vor der Obrig⸗ keit aus Naumburg nach Halle abzuziehn, nachdem ſie ihrem Hausherrn vorher noch Gänſe geſtohlen hatten.— Den Aufenthalt in Breslau wollen wir mit Platter's eigenen Worten erzählen:„Da ſich unſere Bacchanten ſo ungebühr⸗ lich mit uns hielten, wurden unſer Etliche mit Paul, meinem
Vetter, einig, von den Bacchanten zu laufen, und zogen gegen
Dresden. Doch war daſelbſt keine gute Schule und auf der Schule in den Habitagen(den Schlafkammern fremder Schüler) Alles voll Ungeziefer, ſodaß wir es zu Nacht im Stroh unter uns hörten kniſtern. Brachen auf und zogen
auf Breslau zu, mußten viel Hunger unterwegs erleiden, alſo
daß wir etliche Tage nichts als rohe Zwiebeln mit Salz aßen, an andern Eicheln, Holzäpfel und Birnen brieten, manche Nacht unter heiterm Himmel lagen, da man uns nirgend bei den Häuſern wollte leiden, wie freundlich wir auch um Her⸗ berge baten; einige Male hetzte man die Hunde auf uns.
Als wir aber gegen Breslau in Schleſien kamen, da war
Alles in Fülle, ja ſo wohlfeil, daß ſich die armen Schüler überaßen, und oft in große Krankheit fielen. Wir gingen zuerſt in dem Dom zum heiligen Kreuz in die Schule, als wir aber vernahmen, daß in der oberſten Pfarr zu St. Eli⸗ ſabeth einige Schweizer wären, zogen wir dorthin. Da wa⸗ ren zwei vom Bremgarten, zwei von Mellingen und Andere
und viele Schwaben. Es war kein Unterſchied zwiſchen Schwaben und Schweizern, ſie ſprachen zu einander wie
Landsleute und ſchirmten einander. Die Stadt Breslau hat ſieben Pfarreien, jegliche eine beſondere Schule, und durfte kein Schüler in des andern Pfarr ſingen gehen oder
ſie ſchrieen: ad idem! ad idem! So liefen dann die Schü⸗
tzen zuſammen und ſchlugen einander gar übel. Es waren dazumal, wie man ſagt, etliche tauſend Bacchanten und Schü⸗ tzen in der Stadt geweſen, die ſich alle von Almoſen nährten. Man ſagt auch, daß einige davon zwanzig bis dreißig Jahre
ſeigenen Doctor.
und noch mehr alt geweſen wären, die ihre Schützen hatten,
die ihnen präſentirten. Ich hab' meinen Bacchanten oft an einem Abend fünf oder ſechs Trachten heim auf die Schule getragen, wo ſie damals wohnten. Man gab mir auch ſehr gern, weil ich klein war und ein Schweizer; denn man hatte großes Mitleid mit den Schweizern, weil ſie um dieſe Zeit in der großen Mailänderſchlacht übel gelitten hatten, ſodaß man allgemein ſagte, ietzt haben die Schweizer ihr beſtes Pater noster verloren; denn früher meinte man, ſie wären unüberwindlich.... Blieb alſo eine Zeit lang da, ward eines Winters dreimal krank, ſodaß man mich in's Spital mußte ſperren. Die Schüler hatten ein eigenes Spital und einen
Novellen⸗Jeilung.
Auf dem Rathhaus giebt man für einen wöchentlich ſechszehn Heller, womit man einen gar wohl er⸗ hält. Er hat gute Pflege, gutes Bett, aber viel Ungeziefer drinnen, daßz ich lieber in der Stube auf dem Heerde liege,
wie mancher Andere, als in den Betten. Die Schüler und die m
Bacchanten, ja auch zu Zeiten der gemeine Mann ſind ſo voll Ungeziefer, daß es nicht glaublich iſt. Den Winter liegen die Schützen auf dem Heerd in der
Schule, die Bacchanten aber in den Kämmerlein, deren zu
St. Eliſabeth etliche hundert waren; im Sommer aber, wenn es heiß war, lagen wir auf dem Kirchhofe, trugen Gras zu⸗ ſammen, das man im Sommer in den Herrengaſſen vor die Häuſer am Samſtag breitet. Dies trugen Einige in einen Winkel zuſammen auf dem Kirchhof und lagen drinnen wie die Säue in der Streu. Wenn es aber regnete, liefen wir in die Schule, und wenn ein Ungewitter war, ſangen wir ſchier die ganze Nacht Reſponſorien und Anderes mit dem Subcantor. Hier und da gingen wir im Sommer nach dem Nachtmahl in die Bierhäuſer, um Bier zu heiſchen. Da ga⸗ ben uns die vollen Polakenbauern Bier, daß ich oft, ohne es zu wiſſen, ſo voll bin worden, daß ich nicht habe wieder zu der Schule kommen können, wenn ich ſchon nur ungefähr ei⸗ nen Steinwurf weit von der Schule war. Summa: da war Nahrung genug, aber man ſtudirte nicht viel.
In der Schule zu St. Eliſabeth leſen allewege einsmals zu einer Stunde in einer Stuben neun Baccalaurei, war
aber doch graeca lingna noch nirgends im Lande; desgleichen
hatte Niemand noch keine gedruckten Bücher, der Pkäceptor allein hatte einen gedruckten Terentium. Was man las, mußte man erſt dictiren, dann diſtinguiren, dann conſtruiren, zu⸗ letzt noch exponiren, ſodaß die Bacchanten große Scharteken mit ſich heimzutragen hatten, wenn ſie hinwegzogen.“
Unter der Führung ſeines Vetters Paul und anderer älterer Studenten verließ Platter niit noch ein paar jüngern Genoſſen Breslau, ſie zogen bettelnd und ſtehlend nach Dres⸗ den, wo der Schulmeiſter die letztern ſelbſt auf den Gänſe⸗ fang ausſchickte. Hierauf kamen ſie nach Nürnberg, Mün⸗ chen, Ulm, wo ſie einen neuen Induſtriezweig erfanden. Ei⸗ ner von den Jüngern hatte nämlich Tuch zu einem Röcklein geſchenkt bekommen, mit dieſem Tuch mußte Thomas Ulm abbetteln, unter dem Vorgeben, das Macherlohn nicht zu ha⸗ ben. Anſtatt in die Schule zu gehen— er konnte noch nicht leſen,— collectirte er auf ſolche Weiſe hübſche Summen zu⸗ ſammen, die ſeine Bacchanten verjubelten, während ſie ihn
Hunger leiden ließen. Er ſelbſt äußert ſich hierüber in fol⸗
gender Weiſe:„Da hab' ich oft großen Hunger gehabt und bin übel erfroren, drum daß ich oft bis um Mitternacht in der Finſterniß hab' um Brod ſingend umhergehen müſſen. ... Ich hab' wohl Hunger gehabt, daß ich den Hunden Beine hab' auf der Gaſſe abgejagt, die ich benagte; ebenſo
Broſamen in der Schule aus den Ritzen geſucht und gegeſ⸗
ſen.“— Hierauf zog die ſaubere Geſellſchaft wieder nach München. Thomas bettelte wieder für ſein Tuch um das Macherlohn, und nach einem Jahre kehrten ſie noch einmal nach Ulm zurück, wo aber diesmal Thomas ſchlechte Geſchäfte mit ſeinem Tuche machte, denn die Leute erinnerten ſich an ihn und wunderten ſich, daß der Rock noch immer nicht fertig geworden wäre. So gingen ſie abermals nach München zu⸗ rück, wo Thomas bei einer mitleidigen Metzgersfrau gute Heimath fand, von der er aber bald weglaufen mußte, da
Paul, der durchaus nicht zufrieden war, daß Thomas nicht
mehr für ihn bettelte, mit fürchterlichen Drohungen ihn zu ſich zwingen wollte. Er lief nun auf's Gerathewohl im
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ſoda el ſihan. 8 3 Feldhe fund ſatte,3 8
feendliche Ginlu mit einem Schichſc Schule fand, au, Da er noch nicht d achtzehn Jahre alt der ſetzen. Bei d Schlettſtadt fand, ſchwieriger, ihren nach Solothurn, Nahrung war; hi diel Zeit verſäum wo er endlich bei ſäumniſſe ſeiner hatte er wit bilter undzwanzig Jahre durch Singen ode Neben dem Latein ſſch, und um ſich zeit für ſeine Stu ſer rohe Rüben,; Einſchlafen mitd wachen möchte. wieſen zu ſein, le chen Meiſter gewe ſter längſt wähnte, las diſer Homer ging Platter als gielt, da er in ſei en hatte, nur Snſel. Da ihm ten mangelte, ver nit einer hühern den er eben geſcher erzu Seilen dreht dr nun den Meiſte damit er nicht erte dac und ſchalt ih nennnn dn BöSletage run wid n di en Gele


