Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
811
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Betrachtung rungen und ſchicken, um Unterhaltung gehörige Ge⸗ e unliebſame enſeiten bier

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Vierle

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dienſte um die ſinnvolle Unterhaltung und Heran⸗ bildung des Publicums erwirbt.

Es ſind die Weſtermannſchen Monatshefte. Sie verbreiten ſich, von einem fleißigen, geſchmackskundi⸗

gen Redacteur(Adolf Glaſer) geleitet, über alle Gebiete V

der Intelligenz und verſäumen durchaus über die Na⸗ turkunde und die techniſchen Wiſſenſchaften auch die ideal⸗ abstracten nicht, indem Culturgeſchichte und Hiſtorie in ihnen die Berückſichtigung finden, welche der geiſtige Standpunkt in der nun angetretenen zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts noth⸗ wendig verlangen muß.

Ein richtiger Takt hat die Leitung dieſer Blät⸗ ter anf den directeſten, geſundeſten Weg der Erkennt⸗ niß geführt, ſie beachten das Mittelalter und die zu nächſt darauf folgenden Jahrhunderte, deren noch zu wenig in's Auge gefaßte Culturentwickelung den Schlüſſel für die Lebensformen des heutigen Tages und ſeine ſtaatlichen und bürgerlichen Zuſtände dar⸗ bietet. Unſere Zeit muß ſich die Vergangenheit klar machen, um ſich ſelbſt begreifen und beurtheilen zu lernen, denn wenn wir es vergeſſen haben, wie unſere

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Urgroßväter lebten, ſo kann es uns dafür nicht ent⸗ ſchädigen, zu wiſſen, von welchem Thierleder die Paf⸗ Paf⸗Indianer an irgend einem Nebenflüßchen des Red⸗River die Riemen zu ihren Mocaſſins ſchneiden. Dieſe ethnographiſche Vielwiſſerei iſt nur zu geſtatten, wenn ſie nicht eitel Flickwerk iſt, ſondern ſich mit der Kenntniß des Nächſtliegenden und unſerer eigenen organiſchen Volksentfaltung verbindet.

Ein reicher Kreis von namhaften Mitarbeitern V liefert den Monatsheften vielfach intereſſant Belehren⸗ des in einem oft literariſch vortrefflich behandelten V Material. Sie haben die Haltung gefunden, ſowohl für den großen, als ſtreng gebildeten Leſerkreis er⸗ ſprießlich zu ſein.

Von den zahlreichen Illuſtrationen muß ich lo⸗ V ben, daß ſie durchgängig nur das ſind, was Abbil⸗ dungen in der belehrenden Preſſe immer ſein ſollten, eine Verſinnlichung ſolcher Gegenſtände, die ſich durch das Wort nicht verdeutlichen laſſen und entweder als Monumente, Reliquien, Objecte des Naturreichs oder Menſchenwerke und Werkzeuge der Induſtrie ein An⸗ recht auf unſere ernſtere Theilnahme haben.

Feuilleton..

Aus dem Leben eines Studenten zu Anfang des ſechszehnten Jahrhunderts.

Einem Bilde aus dem Leben der deutſchen Studenten, welches in ausführlicher Weiſe Johann Huber in den deut⸗ ſchen Monatsheften entrollt, entnehmen wir hier einen kürze⸗ ren Abſchnitt über die Abenteuer und Drangſale, welche die erſte Studienzeit der damaligen Jugend zu trüben pflegte.

Einen Blick in die traurigen Verhältniſſe des zu Anfang des 16. Jahrhunderts gepflegten Betriebes der Wiſſenſchaft und in die der ſtudirenden Jugend gewährt uns die Selbſt⸗

biographie des Rectors an der Burgſchule zu Baſel, des Tho⸗ mas Platter, der in der ſchweizeriſchen Reformationsgeſchichte V

ſich einen bedeutenden Namen erworben hat. Weil uns ſeine

Geſchichte wohl für die ganze Kategorie jener armen Stu⸗

denten gelten kann, die von ihren Eltern ohne weitere Unter⸗

ſchickt wurden, um endlich mit allen Vorbereitungen zum geiſtlichen Stande heimzukehren, ſo wollen wir die intereſſan⸗ teſten Mittheilungen aus derſelben hier aufnehmen. Thomas Platter ſtammte aus dem Canton Wallis, wo er im Jahre 1499 geboren wurde. Seinen Vater verlor er ſehr früh, ſo daß er ihn nie kennen lernte; die Mutter aber verheirathete ſich zum zweiten und dritten Male und ließ ihren Sohn als Hirtenknaben bei Verwandten einen kümmer⸗ lichen Unterhalt ſuchen. Da er hier oftmals in Lebensgefahr gerathen war, ſo nahm ein anverwandter Geiſtlicher, ein ſchon bejahrter Mann, den zehnjährigen Thomas in Unter⸗

ſtützung auf gut Glück in die irh zum Studiren ge⸗

richt, um ihn zum geiſtlichen Stande auszubilden. Aber der Knabe hatte einen harten Kopf und der Pfarrer wenig Me⸗

thode und Geduld, ſodaß Beide und auch die übrigen Ver⸗ wandten es für eine günſtige Fügung hielten, als ein entfern⸗ ter Vetter, Paul Sommermetten, der ſchon die Schulen zu 4 Ulm und München beſucht hatte, ſich erbot, den Thomas nach

Deutſchlaud zum Studiren mitzunehmen. Nur einen Gul⸗ den Reiſegeld gab ihm der Pfarrer mit, den aber Thomas,

um ihn recht ſicher aufzubewahren, ſegleich ſeinem Vetter I aushändigte, der ihn aber für ſich verwendete. Die beiden Reiſegenoſſen mußten vom Betteln leben. Ueberhaupt war es damals Sitte, daß man junge Leute der Barmherzigkeit in den Städten, wo ſie ſtudiren ſollten, anvertraute. So war ſja auch Luther mit vierzehn Jahren mit leichtem Bündel zu⸗ erſt nach Magdeburg gekommen und, als er ſich da von Pſalmſingen in den Kirchen und vor den Häuſern der Rei⸗ cchen ſeine nothdürftigen Ausgaben nicht erſchwingen konnte, weiter nach Eiſenach gewandert, wo ſich ſeiner eine junge Wittwe, vor deren Haus er ſang, erbarmte und ihn zu ſich nahm. Als Platter mit ſeinem Vetter nach Zürich gekom⸗ men war, hielten ſie ſich einige Wochen hier auf, bis ſich mehrere Reiſegefährten zu dem gleichen Zwecke zuſammen ge⸗ funden hatten, worauf ſie dann, aus neun Köpfen beſtehend, wovon ſechs ſchon ältere Studenten, drei aber noch ganz junge Schüler waren, endlich nach Oberſachſen und Schle⸗

ſien aufbrachen. Die Letztern, Schützen genannt, mußten

für die Eſtern, die ſogenannten Bacchanten, betteln, erhielten

aber zum Dank dafür eine rohe Behandlung und kaum die

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