810 Novellen⸗ZJeitung.
deutſchen Preſſe ohne Vorurtheil: die Kritik über Li⸗ und entfernter Tagesvorgänge, ſobald man ihnen an⸗ teratur, Theater, bildende Künſte, Muſik, dieſe mäch⸗ ſieht, daß ſie entweder am grünen Tiſch nach erfunden tigen äſthetiſchen Hebel der nationalen Bildung, wird oder an Ort und Stelle von einem kecken Charlatan hauptſächlich von Perſonen ausgeübt, die ohne Sach⸗ ſcharakterlos aufgefaßt ſind?
kenntniß, ohne Charakterfonds, ohne geiſtige Befähi⸗ Tauchen auch wirklich in unſerer Preſſe häufig gung für das ſchwierige Amt dieſer hohen Miſſion V genug im bunten Allerlei jenes ebengeſchilderten lite⸗ ſind und dabei vorherrſchend nur pflegen, was ihr rariſchen Jahrmarktkrams echt productive Leiſtungen Talent zuläßt: eine Entwickelung perſönlicher Eitel⸗ V ſolide wiſſenſchaftliche Artikel, kurz, wahrhaft liebe⸗ keit und eine kleinliche Hingabe an freundſchaftliche V voll geſchriebene Manuſcripte auf, ſo haben ſie inner⸗
oder feindſelige Beziehungen. Im Felde des Ro— balb ihrer ſeichten, weiheloſen Umgebungen eine wenig
mans, der Novelle ſteht es gleichfalls nicht beſſer. beneidenswerthe Poſition. Das flüchtige und von Hier wird der Wahrheitsgeiſt der Culturgeſchichte, der der literariſchen Erziehung frivol gemachte Intereſſe Hiſtorie, ja des wirklichen gegenwärtigen Lebens ent⸗ der Leſer durchblättert ſie nur, denn lieber als einem ſtellt und gemißhandelt durch Ungründlichkeit, will⸗ ernſten Gedankengang, einer ruhigen literariſchen Un⸗ kürliche Nutznießung und Verdrehung von Thatſachen terſuchung widmen beutzutage gar Viele ihr Nach⸗ und Motiven, endlich in Bezug auf die novelliſtiſchen denten einem blödſinnigen Rebus. Iſt es ihnen doch Stoffe des heutigen Tages durch Mangel an Studium zur Erholung von dieſer Anſtrengung vielleicht ſchon wie an Erfahrung von Seiten alter routinirter oder auf der nachſten Seite des Journals vergönnt, ihren jugendlich voreiliger Vielſchreiber. Die poſitiven Geiſt an einem Fleckwaſſerrecept, an einer zum ſieb⸗ Wiſſenſchaften, beſonders die Naturkunde, leiden nicht zigſten Male abgedruckten Kalenderaneldote oder neu⸗
mindei und zwn durch den An ſich löblichen Trieb variirten ſchauderhaften Begebenheit auferbauend zu ſie zu populariſiren. Dort wird dieſes Reſultat nur erquicken.
hã ſ i en Erzi 3—.— zu häufig zum Unſegen, indem ſich an deſſen Erzielung Die vorerwähnten gediegenen Aufſätze der mo⸗
beſonders de§ viſſer irkli 3. ſonders anmaßende Halbwiſſer oder ſolche wirkliche dernen Tagespreſſe werden mit wenigen Ausnahmen Gelebrte betheiligen, denen es zu einer ſchönen lite⸗ 3.— erſt dann von einer gebildeten Gemeinde genoſſen rariſchen Darſtellung am Beſten fehlt: entweder an 8 6; 6 und geywürdigt, wenn ſie als Buchlectüre geſammelt Talent, das ſie ſich nicht geben können, oder an Zeit, 4 1... die ſie ſich nicht nehmen mögen ſind, aber auch da hemmt ihnen die Vielſchreiberei Ter das raſche erwünſchte Durchgreifen, denn neben den Soll ich daneben noch der Dutzendlyrik gedenken, guten Autoren ſind auch die ſchwatzhaften Apoſtel die ab und zu in den ſchöngeiſtigen Wochenſchriften der Mittelmäßigkeit und Pfuſcherei nicht faul, ihren und Journalen die Theilnahme ſentimentaler Seelen Zeitungswortſchwall noch einmal im Buchladen zu einſammelt auf dem leeren Almoſenteller ihrer Sub- präſentiren. Und man darf leider hinzuſetzen, der jectivität? Oder der geſchwätzigen Correſpondenzen, Talentloſeſte von ihnen findet immer noch einen Ber⸗ die ein Durcheinander von Gegenſtänden, Begriffen, leger, deſſen Urtheil mit dem ſeinigen auf gleicher „Wünſchen, Meinungen und phraſenhaften Redensarten Tiefe ſteht.
darzuſtellen pflegen, das der babyloniſchen Sprach⸗ verwirrung nichts nachgiebt? Oder ſoll ich gar noch den Unfug erwähnen, durch effecthaſchende Illuſtra⸗ tionen, die mit ihrem Umfang zugleich auch immer
V Laſſen Sie mich dieſe allgemeine Betrachtung über ſo manche beklagenswerthe Verirrungen und Mängel unſerer modernen Preſſe vorausſchicken, um
bei einer vielleicht ſpäter anzuſtellenden Unterhaltung
materieller, geſchmackloſer und unkünſtleriſcher werden, die Verſtändigung über einige hierher gehörige Ge⸗ die bequeme Schauluſt der Maſſen zu befriedigen und V genſtände zu erleichtern. Es würde eine unliebſame das Auge zu amüſiren, indem ſie den Geiſt vom Geiſte Aufgabe ſein, für die gerügten Schattenſeiten hier immermehr zu entwöhnen ſuchen? Wenn es Sinn hat einige Organe als paſſende Beiſpiele zu erwähnen, und Vortheil gewährt, wiſſenſchaftliche und technologiſche die gleichſam das darſtellen, was in der Thierarznei⸗ Gegenſtände durch Abbildungen dem Publicum zu ver⸗ V kunde„das krauke Pferd“ den Laien illuſtrirt. Es deutlichen: was hat man daneben für ein äſtbetiſches, iſt für Jeden lehrreich, deſſen Schäden kennen zu ja für ein moraliſches Recht, von meiſtens talentloſen lernen, aber für Keinen ſchmeichelhaft, das Thier Künſtlern moderne Poeſien und Erzählungen illuſtri⸗ ſelbſt im Stalle zu haben.
ren zu laſſen und ſo gleichſam die harmloſe Phan⸗ Viel mehr muthet es an, gute Ausnahmen von taſie der Leſer gewaltthätig in die Schule des ſchlech⸗- der eben geſchilderten traurigen Regel namhaft zu ten Geſchmackes zu nehmen? Ja, was nützen uns machen, und ich möchte von den illuſtrirten Blättern außerdem die vielen Darſtellnngen fremder Länder hier vorläuſig nur eins anführen, welches ſich Ver⸗
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