Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
809
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heben, PSchlund l

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u Vort,

Banch.

atoͤhefte. 64. liche Preſſ in keinen anzutreffen on iſt an bei einem mfortwäh⸗ eben, von geſchmack, om Frem⸗ hritt oder zenſchaften nander im etirt. So wundern ubt find. Wie und Alles, lebensbe⸗ aus den ſich nach Vervoll⸗ ber des⸗

halb in ſolchen neu ins Leben tretenden Exiſtenzen, in ſolchen Zeitvariationen dennoch nicht, und Sie

Vierle Folge.

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die Mühe des Leſens durch einen rohen, ſinnlichen Reiz entſchädigt wird, hat es ſich

lucrativ erwieſen,

können ſich ein Urtheil des ſittlichen Culturgeiſtes, ihr nicht etwa einen beſſeren Geſchmack darzubringen, eine Kritik der reinen Vernunft denken, der ſolche ſondern viel lieber dem ihrigen bettelhafte Conceſſio⸗

Fragen unterworfen ſind, wenn auch die Erkenntniß

inen zu machen, ſeinen Launen zu fröhnen und ſich

des lebenden Geſchlechts nur annäherungsweiſe die auf den tiefen Standpunkt zu ſtellen, den der Haufe

Fähigkeit hat, mit unbefangenen, parteiloſen und des halb abſoluten Maßſtäben das Thun und Laſſen der Mitwelt auszumeſſen. Die Gegenwart hat ſtets, einige auserleſene Geiſter abgerechnet, ſehr wenig Glück bewieſen, über ſich ſelbſt gerecht zu richten. Es wird uns ſchwer, den Wahrſpruch zu fällen, denn wir ſündigten Alle mit, abſichtlich wie abſichtslos, und ſitzen ſo als Geſchworene zugleich mit auf der Anklagebank.

Die nächſte Zukunft ſchon wird dieſes Bild, deſſen wir uns dunkel bewußt ſind, genauer beleuch⸗ ten können. Aber ſie wird wahrlich auch Stoff genug finden, ſich über unſer öffentliches literariſches Trei⸗ ben zu verwundern, und wird in dieſer Verwunderung gegen denjenigen Grad derſelben nicht zurückbleiben, den wir noch täglich nicht müde werden, über die Mängel und Verirrungen unſerer nächſten Vorfahren in Bezug auf dieſelbe Sphäre auszuſprechen.

Unſere neueſte Preſſe im Gebiete der Zeitungen, Tageblätter, Wochen⸗ und Monatsſchriften hat ſich dem Dämon der Maſſe, d. h. mehr jenem materiellen Intereſſe ergeben, welches nach Quantität ſtatt nach Qualität begierig iſt. Nicht ob ein Organ etwas Tüchtiges, Solides in gehaltvoller Form darbringe, iſt jetzt die Frage, ſondern ob es viel und vielerlei und zwar beides für einen beiſpiellos billigen Preis gewähre.

Dieſer Preis, für welchen man keineswegs das Publicum, ſondern nur die Speculations⸗ und Con⸗ currenzluſt der Buchhändler verantwortlich machen kann, wird vorherrſchend ſo niedrig geſtellt, daß nur bei einer ganz ungewöhnlichen Anzahl von Abonnen⸗ ten ein Gewinn für die Unternehmer erzielt werden kann. Bei der Größe eines Leſerkreiſes, der ehedem ſchon ein genügender war, würden die meiſten moder⸗ nen Blätter ein für die Dauer unerträgliches Deficit erhalten. V

Die Nothwendigkeit eines ſo weiten Leſerkreiſes macht es nun auch unerläßlich, daß bei Blättern von urſprünglich gediegener intelligenter Tendenz die Abon⸗ nenten nicht mehr blos unter den wirklich Gebildeten geſucht werden dürfen. Ihre Zahl würde zur Rekru⸗ tirung all der hierher gehörigen Blätter nicht hin⸗ reichend ſein. Man muß alſo zu weiteren Kreiſen übergehen und gleichſam unter die große Menge fah⸗ ren. Bei dieſer, die im Gan zen nur lieſt, wenn ihr

des Volkes, und zwar ohne ſeine Schuld, in unſern Tagen einnimmt. Freilich war es ein raſcheres, be⸗

quemeres Verfahren zum Publicum hinabzuſteigen,

als daſſelbe zu ſich emporzuziehen.

Dieſer Weg aber führt zum Verfall, und wenn er in ſo allgemeiner Weiſe, wie heute geſchieht, mit der ordinärſten Hauſirer- und Colporteurconſequenz unabläſſig weiter verfolgt wird, ſo geht auf ſolchem

abwärts geneigten Pfade das ideale Princip des Da⸗

ſeins unſerer Gegenwart mehr und mehr verloren. Es kommen unſerer Zeit die ſtrengen, ernſten An⸗ ſchauungen abhanden, di

keine Trennung geſtatten

e zwiſchen einem würdigen Inhalt und einer würdigen

Form, ja der die letztere ein hauptſächlicher Bildungs⸗

factor iſt, um der Lebensthätigkeit und Geiſtesent wickelung der Mitwelt Haltung und Veredlung zu

geben. Stofflicher Materialismus, gemeinerregende Nervenanſpannung, der die Abſpannung auf dem Fuße folgt; eine fehlerhafte Saloperie des Styls, der ſich mit Coketterie ſchminkt, ſtatt ſich durch Correctheit Werth zu geben; ein wüſtes, oberflächliches Herum⸗ naſchen im Garten der Cultur, an den Früchten aller Bäume; eine kuppleriſche Liebedienerei gegen die un⸗ keuſche, indiscrete Neugier, welche ſich nicht blos den werthloſeſten Tagesintereſſen, ſondern auch den per⸗ ſönlichen Verhältniſſen der Zeitgenoſſen klatſchhaft zu⸗

wendet; ja mit einem Wort eine Umwandlung des

Lebensernſtes in Spielerei, der öffentlichen Sitte in geiſtige Zuchtloſigkeit, der rigoriſtiſchen Arbeitsweihe in Zerſtreuungsluſt und in den Kladderadatſchwitz

des Amüſements, der jedem Streben das Spiegelbild

ſeiner Endlichkeit, ſeiner Nichtigkeit ſpottend vorhält: dieſe Eigenſchaften und Zuſtände ſind es, welche bei einem Verlorengehen der innerlichen Begeiſterung und des idealen Princips den geſchwächten energie⸗ loſen Körper des Zeitgeiſtes gleich epidemiſchen Krank⸗ heiten beſchleichen..

Die öffentliche Preſſe ſollte dazu da ſein, die Luft vom böſen Miasma zu reinigen. Im Gegentheil aber iſt ſie auf vielfache Weiſe thätig, nicht nur durch den ſüßen Saft einer falſchen Medicin, ſondern auch durch eine ungeſunde ſchädliche Diät dem Uebel immer neue Nahrung zu geben und ſeine Opfer durch Nachgie⸗ bigkeit gegen ihren Eigenſinn immer bedenklicher zu gefährden.

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