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Der Rechte.
Auf dem gräflichen Schloſſe in Volhynien war es zu Anfang des Winters wieder ebenſo ſtill hergegan⸗ gen wie ſonſt, einige Abwechslung brachten nur die Beſuche der Nachbarn, die ſich theils aus Theilnahme, theils aus Neugierde einfanden, ſobald ſie hörten, Jeannette K. ſei als Braut des Grafen Jozef B. mit ihrem Vater heimgekehrt. Dieſes Mal machte Letz— terer nämlich kein Geheimniß aus der Verlobung ſeiner Tochter, ſondern verkündete dieſelbe freude⸗ ſtrahlend allen Nachbarn und entfernter wohnenden Bekannten. Natürlich verbot der gute Ton, an den General W. zu erinnern,— es iſt ja auch gar nichts Außergewöhnliches, daß ein in der Uebereilung ge⸗ ſchloſſenes Verhältniß nach kurzer Zeit wieder ge⸗ löſt wird.
Der General ſchrieb auch nicht; er ſchien am Kankaſus ganz verſchollen; hätte Jeannette ſeine Adreſſe gewußt, ſo würde ſie ihm, unter Berufung auf den Willen des Vaters, gern ſeinen Ring zurück⸗ geſchickt haben. Dagegen hätte wohl auch der alte Herr nichts einzuwenden gehabt.
Es war um die Weihnachtszeit, die Kälte hart und anhaltend, der Schnee lag fußhoch. Wehe dem armen Wanderer, der ſich von den nur mangelhaft bezeichneten Landwegen verirrte! Wenn er die ver⸗ ſchneiten Gebirgsſchluchten glücklich vermied, ſo lief er noch immer Gefahr, in den weiten Ebenen, wo es nur verſtreute Niederlaſſungen von Menſchen gab, ohne Oddach zu erſtarren; in den größeren Wäldern hörte man die Wölfe heulen, und der Hunger trieb die beuteluſtigen Thiere in die Nähe der Dörfer und auf die Spur der Reiſenden.
Der Winter pflegt in entlegenen Gegenden Süd⸗ rußlands ſehr traurig zu ſein.
Eines Abends, als man im Schloſſe gerade im Begriff war, ſich niederzulegen, brachte ein ganz un⸗ erwarteter Vorfall Alles noch einmal in Bewegung. Durch die Stille der Nacht vernahm man ganz in der Nähe ein paar ſchnell auf einander folgende Schüſſe, und einige Minuten ſpäter langte ein bedeck⸗ ter Schlitten, von zwei durchgehenden Pferden mit raſender Schnelligkeit fortgeriſſen, vor dem Schloſſe an. Die herbeieilenden Diener fanden die ermatte⸗ ten und mit Schweiß bedeckten Pferde geſtürzt, Ge⸗ ſchirr und Fuhrwerk ſehr beſchädigt und auf letzterem außer dem Kutſcher, einem leibeigenen Diener, der vor Schreck keine Auskunft zu geben wußte, noch ei⸗ nen jungen, eleganten Mann, der, an der Schulter ſchwer verwundet, in ſei nem Blute ſchwamm.
Der Graf und ſeine Tochter kamen, als ihnen
dies gemeldet wurde, ſelbſt herbei. Der Reiſende,
Novellen⸗Jeilung.
den man in ein Zimmer zu ebener Erde gebracht und 2
ort flüchtig verbunden hatte, war noch äußerſt er⸗ ſchöpft, aber doch im Stande, zu erzählen, daß er, Stephan v. N., der Beſitzer eines anſehnlichen Gutes in Galizien, auf einer Reiſe von Lemberg zu in der
Ukraine wohnenden Verwandten begriffen, vom rich
tigen Wege abgekommen und in den nahen Wäldern von Wölfen angegriffen worden ſei, die ihn bis an das Dorf verfolgt hätten; er habe wiederholt auf ſie geſchoſſen, aber die wüthenden Beſtien nicht von der Verfolgung abgeſchreckt und in dem Kampfe mit ei ner derſelben habe er die ſehr ſchmerzende Wunde er⸗ halten.
Der Reiſende war ein Mann von höchſtens ſechs⸗ undzwanzig Jahren, von wohlgebauter, ſchlanker Fi⸗ gur, mit hübſchem, ſehr empfehlendem Geſichte, das
durch die auf ihm ruhende Bläſſe noch intereſſanten
erſchien, das ſchwarze leichtgelockte Haar und die
dunkeln ſeelenvollen Augen unterſtützten dieſen Ein⸗ druck. Seine Sprache und ſein ganzes Weſen ver⸗ riethen den Mann von guter Familie und Bildung.
Graf K. war ein Edelmann von altem Schrot und Korn und ein treuer Pfleger der bekannten pol⸗ niſchen Gaſtfreundſchaft; er würde jeden Hülfsbedürf⸗ tigen, der die letztere angeſprochen welchen Standes er auch geweſen, zuvorkommend aufgenommen haben, um wie viel mehr uicht einen Landsmann und Stan⸗ desgenoſſen, der ſeine Reiſe beim beſten Willen nicht fortzuſetzen vermochte. Er bat dieſen Stephan v. N., das Schloß wie ſeine Heimath zu betrachten und ſich verſichert zu halten, daß er auf demſelben ſo lange, als er wünſche, alle erdenkliche Pflege finden werde. Der junge Mann nahm ſein Anerbieten dankbar an.
Das vortheilhafte Aeußere, vielleicht noch mehr die plötzliche abenteuerliche Erſcheinung und das Lei⸗ den des Reiſenden verfehlten nicht, auf Jeannette Eindruck zu machen. Mit großer Bereitwilligkeit unterzog ſie ſich der Pflicht, für ihn ein Fremden⸗ zimmer herrichten zu laſſen, und als er daſelbſt ge⸗ bettet und ein Bote zum nächſten Arzte geſchickt wor— den war, fand ſie auf ihrem Lager noch lange nicht den Schlaf und fühlte ſich auf das Lebhafteſte von der Theilnahme an dem Verwundeten erregt.
Als der herbeigerufene Arzt am andern Morgen kam und die Wunde unterſucht hatte, erklärte er ſie für nicht unbedenklich und ſagte im Voraus, daß der Fremde einer mehrwöchentlichen ſorgſamen Pflege be⸗ dürfen würde, und daß ſich vorläufig an die Fort⸗ ſetzung ſeiner Reiſe, zumal bei der ſtarken Kälte, nicht denken laſſe. Jeannette hörte dieſen Ausſpruch nicht ungern, obgleich ſie ſich nicht klare Rechenſchaft über ihre Gefühle dabei zu geben wußte.
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mög heren Zuſamme verdiene. Graf K Mal, und wen ſprach er ſich ſe nerken, daß fle Aufmerkfankeit inmer vicht, u ſen Jozef B. i nichts Schwärz ſondern von de von der anderl führt wurde. Stephan! auf dem Schlo heentlich zwei! niß erhielt, ar mer zu beweg genwart ihres nnd trug den ſeine dunkeln Bewunderung Bäck niederſch Von wel Blicke!— Hie des Einen zu Herzen gezünde Schrecken, mit mit dieſer wie wie ſie es no Nicht in gegenüberſitzen weil ſie ſeine daltung mit ten mußte un weil ihm die für einen And löten, ſpud Die Con laubt vat, gühenden W


