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kene Haupt des Greiſes in ihren Armen aufzurichten
bemüht war, eilte er zu dem Klingelzuge und ſchellte ungeſtüm.
Mehrere Diener eilten herbei. Der Graf war ohnmächtig und mußte in ſein Schlafzimmer gebracht werden; ein zufällig in der Geſellſchaft anweſender Arzt wurde zu ſeiner Hülfe gerufen. Die Tochter
verließ den Vater nicht, und der General kehrte dü—
ſteren Blickes in den Ballſaal zurück, in dem ſich ſchnell das Gerücht verbreitete, der Wirth ſei bedenk⸗ lich erkrankt, ohne daß irgend Jemand den Grund da⸗ von ahnte. Die Gäſte hielten es für Schuldigkeit, aufzubrechen, nachdem ſie die abweſende Comteſſe ihrer Theilnahme hatten verſichern laſſen.
Alles verabſchiedete ſich bei dem General, der als Hausgenoſſe und in ſeiner hohen Stellung die Complimente entgegennahm. Er war der Letzte in den noch glänzend erleuchteten Geſellſchaftszimmern. Starken Schrittes und finſterer Miene ging er in ihnen auf und nieder; er überlegte, was er jetzt zu thun habe, und die Leidenſchaft glühte dabei noch in ſeinen Augen.
Auf einmal trat ihm die Comteſſe entgegen. Sie hatte die Blumen aus dem leicht verwirrten Haare genommen und trug noch den übrigen Ballſtaat, aber ſie war ein vollkommen getreues Bild des Leidens; der General erſchrak faſt vor ihrem Ausſehen.
„Was werden Sie jetzt thun, General?“ fragte ſie, ihm feſt in die Augen blickend.
„Meine Pflicht,“ erwiderte er, den düſteren Blick zu Boden ſenkend.„Aber wie befindet ſich Ihr Herr Vater?“
„Der Arzt erklärt nach dem Aderlaſſe, den er angeordnet hat, ſeinen Zuſtand nicht mehr für gefähr⸗ lich, falls er nicht neue Gemüthsaufregung haben ſollte. Sie werden ihn vor Ihrer Abreiſe nicht mehr ſprechen können.“
Der General zuckte mit den Achſeln.
„Ich bin überzeugt, daß mein Wort allein Ihnen genügen wird. Sie haben es bereits.“
Der General blickte raſch zu ihr auf; ſeine Mienen wurden ſchnell wieder heller.
„Mißverſtehe ich Sie nicht, Comteſſe Jeannette?“
fragte er.
„Ich ſagte Ihnen, daß ich mich als Ihre Braut betrachte.“ 1
„Und Ihr Vater?“
„Er hat verſprochen mir freie Wahl zu laſſen.“
„Jeannette!“
„Sie werden ihn morgen alſo nicht nach Minsk
fortführen?— Ich habe Ihr Wort als Officier und
Mann von Ehre, daß der Kaiſer vergeben wird?“
Novellen⸗Zeitung.
„Sie haben es. Menſchen!“
Der General ließ ſich auf ein Knie nieder und zog ihre Hand an ſeine Lippen, ſie ließ ſie mit lei⸗ denſchaftlichen Küſſen bedecken, ohne daß ſich eine Miene ihres Geſichts veränderte.
O, ich bin der Glüͤcklichſte aller
Dann zog er einen koſtbaren Ring, den ſie auf
dem Finger trug, mit der leiſen Frage:„darf ich?“ ab, und vertauſchte ihn mit einem anderen, den er ſelbſt trug. Sie nickte, wie geiſtesabweſend, mit dem Kopfe dazu.
„Auf morgen ſagte ſie dann raſch, ſich von ihm losmachend, und eilte zur Thür hinaus.
„Triumph!“ jubelte der General.„Die ſchöne und reiche Braut iſt mein!“—
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Ein zweiter Bewerber.
Der General war mit ſeinen Truppen abmar⸗ ſchirt und, wie man bald darauf erfuhr, nach Peters⸗ burg berufen worden. In den ehemaligen polniſchen Ländern, die unter ruſſiſcher Herrſchaft ſtanden, hat⸗ ten zahlreiche Verhaftungen ſtattgefunden; man ſagte, daß die Regierung einer weitverzweigten Verſchwö⸗ rung auf die Spur gekommen ſei. Junge Leute von
den Akademien und angeſebene Männer verſchwanden plötzlich, ein Theil blieb in den Feſtungen, der an⸗
dere wurde nach Sibirien transportirt oder in die Regimenter des Kaukaſus geſteckt. Den Grafen K. beläſtigte indeſſen auf ſeinem Gute in Volhynien keine Unterſuchung.
Der alte Herr hatte ſich erſt nach Wochen wieder
von ſeiner Krankheit erholt, aber ſeit dieſer Zeit ſank eer körperlich noch mehr zuſammen und erſchien finſter Mit Erſtaunen hörte man in der
und verſchloſſen. Umgegend, Jeannette K. habe ſich mit dem ruſſiſchen General Alexander W. verlobt; Viele mißbilligten die Wahl des jungen Mädchens und die Einwilligung ihres Vaters dazu, Andere flüſterten kopfſchüttelnd,
es müſſe mit dieſer Verlobung eine ganz eigene Be⸗ f
wandniß haben, zumal der Graf und ſeine Tochter jede Andeutung darauf nur ungern zu hören ſchienen und ſelbſt nie davon ſprachen. Mit der Zeit vergaß
man die ganze Geſchichte oder glaubte ſich überzeugt
zu haben, die Verlobung ſei im Stillen wieder aus⸗ einandergegangen. Dem war indeſſen noch nicht
ſo. Jeannette
empfing hin und wieder zärtliche Briefe von ihrem
Verlobten, der ſich bald an dieſem, bald an jenem Orte des Reiches, je nachdem ihn der Befehl des
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blicke in die 1 dieſes unnatü der General d zu machen, d in ihrem Herz So vergi General hatie ſtautaſus beo Monate ohne floſſen. War tigen blutiger ler Soldatent Der So faßte den En ſeiner Tochter Verwandte h fand jetzt ebe dem Gute. Auch die traurige Phyn ſie bot doch düſtere Gem Ieannette let durch ihre F auf, ſie beſt ibrer Schönh mein verehrt der reichen E man hier ge aber ein ge
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