Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
798
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798 Novellen⸗Zeitung.

felt, alles verneint, erſchienen war, wie einſt dem Hamlet größten Treue erzeugt worden iſt. jener Geiſt ſeines Vaters an dem Ufer des grollenden Meeres! Derſelbe Mann ſtand jetzt vor mir mit noch ungebro⸗ chener Kraft, nicht etwa in ſich gekehrt, nicht etwa gebückt, ſon⸗ Gegenſtände zu reproduciren. dern aufrecht, immer noch kampfbereit, ſcharf dreinſchauend, rationen zu verwirklichen, verfährt man in folgender Art. ohne auch nur im Geringſten die geſellige Delicateſſe zu Man nimmt in Waſſer verdünnten Gyps, läßt ihn durch verletzen, aber um ſich zu vergewiſſern. Der Kopf nicht auf- eine kleine Oeffnung in die Höhlung fließen, bis ſie ganz fallend groß, aber von feinſter, edelſter Form. Wie deutlich offenbarte dieſe Stirn alle die ſtreitenden Potenzen, die noch worden iſt. Alsdann nimmt man die äußere Erd⸗ und in keines andern Sterblichen Bereich gekommen waren! Aber Aſchenkruſte mit Vorſicht ab und ſieht nun die vollkommne höher aufwärts, nach den Schläfen zu, glich ſich Alles wieder Abbildung des Gegenſtandes, der darunter begraben war, aus und der künſtleriſche Zug überwältigte hier idealiſch, faſt vor ſich. weich, jeden Gegenſatz, ſodaß das Auge des vor mir Stehenden, In dieſer Art verfuhr man kürzlich in dem Hauſe eines auch das der Seele, zur Ruhe des Anſchauens gelangte, wäh- Bäckers in Pompeji und machte dabei eine intereſſante Ent⸗ rend nach Naſe und Mund hin zwar ſtets das Ingenium des deckung, welche einiges Licht auf die Kochkunſt der Alten Dichters,, aber auch eine gewiſſe polemiſche Strenge und wirft. Es ſcheint, daß in dem Augenblick der Kataſtrophe, Schärfe ſich kund gaben, die einen andern Frieden, als einen welche Pompeji ſo verderblich wurde, das Mittagseſſen bei blos proviſoriſchen, weltlichen, vielmehr einen Platoniſchen, dem römiſchen Bäcker eben bereit war; auf dem Heerde in Johanneiſchen erringen wollten. Freilich das Haar, welches der Küche fand man ein zur Hälfte mit Aſche gefülltes Ge⸗ noch reichlich dieſes ſeltene Haupt ſchmückte, war wie unter fäß; auf dem Boden dieſes Gefäßes zeichnet ſich die Form dem Nachtfroſte eines Zeitalters, das in ſo Vielen, aller Phi- eines Körpers ab, welche einem Thiere anzugehören ſchien, loſophie unfähig, alle Liebe zur Idealwelt vergeudet hatte, das einen Theil des Mittagsmahles bilden ſollte. Man weiß geworden, und dennoch gab auch das der edeln, feſt in füllte die hohle Stelle mit Gyps und erhielt die Form eines ſich gefugten Geſtalt einen Zug der Würde und Erhabenheit Ferkels. Es iſt dies das Gegenſtück zu den Broden, welche mehr. man aus einem Backofen hervorzog, über die Herr de Luca 1863 Wir brechen hier ab, denn was nun erfolgt, die Unter⸗ der Akademie der Wiſſenſchaft in Paris Bericht erſtattete. redung ſelbſt, iſt für die weiteren Kreiſe nicht von allgemei⸗ Die neueſten Nachgrabungen haben zu einer noch merk⸗ würdigeren Entdeckung geführt. In einer engen Gaſſe in Pompeji hatte man unter einem Haufen von Trümmern leere Räume bemerkt, in denen man unten Gebeine liegen ſah. Man nahm ſeine Zuflucht zu dem bereits erwähnten Verfahren und man fand ſich nicht ohne Erſtaune. vor dan.

Seitdem die Leitung dieſer Ausgrabungen dem gelehrten Fiorelli anvertraut wor⸗ den iſt, iſt es gelungen, Thüren, Fenſter, Möbel und andre Um dieſe wichtigen Reſtau⸗

nem Intereſſe, wohl aber waren es die weihevollen Vorem pfindungen, mit welchen Jung dieſes Geſpräch einleitet. Schließlich möchte ich noch eine pikante Frage aufwer fen, welche vielleicht auch manchem Leſer einfallen wird: wie würden ſich nämlich Herrn Jung's Stimmungen geſtaltet ha⸗ ben, wenn Herrn Schelling's Wohnung nicht ein kleiner Phi⸗ vollſtändigen Formen vier menſchlicher Leichname, von denen loſophenpalaſt, ſondern eine Hütte mit weißgetünchten Kalk- zwei zuſammen, die andern beiden aber getrennt lagen. wänden und einer grünen Studirlampe auf dem Tiſch geweſen Der eine dieſer Körper ſchien der eines Soldaten von wäre? Die Modiſication des geiſtigen, von der Umgebung einer herculiſchen Geſtalt zu ſein. Er liegt auf dem Rücken ſo ſehr abhängigen Eindrucks dürfte eine ſehr intereſſante ge⸗ und ſcheint den Entſchluß gefaßt zu haben, muthig zu ſterben, worden ſein. Berechtigter als die Ausführung davon, die wie es dem Krieger geziemt. Seine Arme und Beine ſind wir Jedem überlaſſen, iſt der Wunſch: daß alle hervorra⸗ ausgeſtreckt, ſein Mund iſt geöffnet und es fehlen ihm meh⸗ gende Männer, die ihrer Nation die Millionen geiſtiger Ca⸗ rere Zähne. Die Naſe und die Wangen ſind ganz kräftig pitalien geſchenkt haben, auch die Mittel beſitzen ſollten, ſich V gezeichnet. Der Bauch iſt eben ſo wie bei den andern Kör⸗ in einem ſtattlichen eigenen Hauſe als Fürſten des Geiſtes pern aufgeſchwollen, was wahrſcheinlich der Wirkung des mit einer kleinen Pinakothek und Glyptothek umgeben zu können. 6.

herausgeworfen wurde, denn daſſelbe Aufſchwellen des Un⸗ terleibes ſieht man an den Leichnamen der Ertrunkenen. Das Kinn iſt kahl und hervorſpringend. An dem Körper ſieht man die Kleidungsſtücke deutlich ausgedrückt. Die Füße waren mit zugeſchnürten Sandalen bekleidet; die eine iſt an der großen Zehe durchbohrt und die Nägel an den Sandalen ſind deutlich ſichtbar. Dieſer Krieger trug an einem ſeiner Finger einen eiſernen Ring. Die Haare ſind verſchwunden, doch der Schnauzbart iſt noch ſichtbar. In dem Ausdruck dieſes ſchönen Körpers iſt etwas Männliches und Entſchloſſenes, was Achtung einflößt.

Ein andrer Körper iſt der einer Frau; ſie war eine Patricierin, denn man fand bei ihr Geldſtücke, Schmuckſachen, Schlüſſek und zwei ſilberne Gefäße, welche Gegenſtände ſie ohne Zweifel bei ſich führte, als ſie die Flucht ergriff. Man unterſcheidet ihren Kopfputz und das Gewebe ihrer Kleidungs⸗ ſtücke, ſowie die zwei ſilbernen Ringe, die ſie an ihren Fingern

Die Ausgrabungen in Pompefi.

Kürzlich iſt in Pompeji eine ganz ungewöhnliche Ent⸗ deckung von einem außerordentlichen Intereſſe gemacht wor⸗ den. Die Nachgrabungen in Pompeji, die ſeit langer Zeit gemacht werden, wurden ohne Leitung und Methode betrie⸗ ben. Oft ſtieß man auf Höhlen oder leere Stellen, aber die Arbeiter ſchenkten dieſem Umſtande keine Aufmerkſamkeit; ſie zerſtörten dieſe hohlen Stellen, ohne ſich um deren Ur⸗ ſprung zu bekümmern. Man beſchränkte ſich darauf, die Knochen oder andre Gegenſtände, die ſich darin befinden mochten, zu ſammeln. Jetzt hat man gelernt, dieſe geheim⸗ nißvollen Höhlen zu achten, die in der That nichts anderes ſind, als die Formen verkohlter Leichname oder die leeren Abdrücke einer Menge Gegenſtände, deren Subſtanz das Feuer verkohlt und verzehrt hat, ohne ihre Form vernichten zu kön⸗ trug, ſehr gut. Sie liegt auf der linken Seite; der linke nen, welche von der Aſche, die die Körper von allen Seiten Arm iſt erhoben und wie um ſich ſelbſt verdreht. Die ſehr umgab und einen ganz genauen Abdruck davon bildete, mit der zarte. Hand iſt zuſammen gepreßt, ſo daß man fäſt ſagen

ausgefüllt iſt, und wartet dann, bis der Gyps ganz hart ge⸗

Waſſers zugeſchrieben werden muß, das aus dem Veſuv

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