Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
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polniſchen Adelsfamilie an, aber der Name derſelben hatte ſeit längeren Jahren ſchon keinen beſonders gu⸗ ten Klang mehr im Vaterlande, denn viele ihrer An⸗ gehörigen hatten ſich den ruſſiſchen Machthabern dienſtbar gemacht. Auch Alexander war von Jugend auf in einem ruſſiſchen Militär⸗Inſtitut erzogen wor⸗ den, war dann ilt die Armee getreten und hatte zu den ſehr Wenigen ſeiner Landsleute gehört, die in

den blutigen Jahren 1830 und 1831 unter der Fahne

mit dem Doppeladler im Königreiche Polen gekämpft hatten. Damals hatte er ſich ausgezeichnet, war ſchnell avancirt und genoß der beſonderen Gunſt des Czaaren, die ihm auch für die nächſte Zukunft eine glänzende Carriere verhieß. raden beneideten ihn deshalb, und da ſie ihm nichts Anderes vorwerfen konnten, ziſchelten ſie ſich in die Ohren, ſeine anſehnlichen Schulden würden ihn doch noch einmal verderben, wenn er nicht bei Zeiten da⸗ ran dächte, ſich durch eine reiche Heirath von denſel⸗ ben zu befreien.

Als der General in das Bibliothekzimmer trat, kam ihm Graf K. ernſt, aber mit der vollendeten

Höͤflichkeit eines Weltmannes entgegen und erſuchte

ihn, auf dem kleinen Sopha Platz zu nehmen. Der General, der ſich ganz wie ein Mann betrug, wel⸗ cher bereits weiß, was man von ihm wünſcht, folgte ſofort der Einladung.

Es trat eine Pauſe des Schweigens ein, als ob Jeder der beiden Herren den Andern zuerſt reden laſ⸗ ſen wolle; endlich ergriff der General das Wort. An⸗ fangs ſprach er gemäßigt, faſt beſcheiden, dann wurde er immer lebhafter und dringender.

Er ſagte dem Grafen ungefähr Daſſelbe, was er vorher ſchon deſſen Tochter eröffnet hatte, daß er in den vier bis fünf Monaten, die er auf dem Schloſſe zugebracht, Jeannette bewundern und lieben gelernt habe, daß er ihre Hand erbitte und auf einer ſchnellen Entſcheidung ſeines Geſchickes beſtehe; er wies auf die Vortheile hin, die ihm und ſeiner Gattin, wie der ganzen gräflichen Familie, aus der Gnade des Kai⸗ ſers erwachſen würden, und überreichte ſchließlich dem alten Herrn, der ihn vergebens ein paar Mal zu unterbrechen verſucht hatte, das Schreiben eines ſeiner am Hofe zu Petersburg in hoher Stellung befindlichen Verwandten, in dem dieſer die eigenen Worte des Czaaren anführte, derſelbe wünſche, daß dieſes Bünd⸗ niß geſchloſſen werde.

Der Graf ſah das Papier lange ſtarr an, er war ſehr bleich geworden, und ſeine Hand zitterte leicht. Man muß ſich eine richtige Vorſtellung davon

machen, was es um jene Zeit für einen polniſcheu Edelmann hieß, dem ausdrücklichen Willen des Kai⸗

Seine ruſſiſchen Came⸗

Novellen⸗Zeitung.

ſers von Rußland zu trotzen; es konnte faſt als ein Wahnſinn, als eine Unmöglichkeit erſcheinen. Der Graf ſchien lange zu überlegen, in welche Form er ſeine Antwort kleiden ſolle..

Auch die Stirn des Generals hatte ſich gefaltet, ſeine Augen glühten in unheimlichem Feuer; war er bisher ſeines Erfolges ganz ſicher geweſen, ſo mochte das lange Schweigen des Greiſes ihn um ſo über⸗ raſchender überzeugen, daß er ſich auf eine Ablehnung ſeines Antrages gefaßt machen könne. Er biß ſich auf die Lippen, daß ſie beinahe bluteten.

Endlich faltete Graf K. das Papier zuſammen und reichte es mit einer Verbeugung zurück. Er hatte ſich inzwiſchen gefaßt. Mit aller Höflichkeit und Sanftmuth, aber auch großer Beſtimmtheit ſagte er dem General, daß er ſeinen Antrag, ſo wie den Wunſch des Kaiſers, der ſeiner Familie ein ſo un⸗ verdientes Intereſſe erweiſe, zwar hoch ehre, daß er aber von jeher entſchloſſen geweſen ſei, ſeiner Tochter in einem ſolchen Falle freie Herzenswahl zu laſſen, und daß er nach mündlicher Rückſprache mit ihr den General erſuchen müſſe, ihrer Entſchließung noch ei⸗ nige Zeit zu gewähren; er bedaure, daß ſein Gaſt rene nicht bier abwarten könne, hoffe aber zuverſicht⸗ lich, ein kurzer brieflicher Verkehr werde den Abſchluß dieſer wichtigen Angelegenheit herbeiführen können.

V Der General 5

immer unruhiger bewegt, ſein leidenſchafeliches Na⸗ turel ſchien ſich nur ſchwer durch die Geſetze des An⸗ ſtandes und der Höflichkeit zügeln zu laſſen.

Herr Graf, erwiderte er, als dieſer geendet hatte,wenn Sie der Ungeduld meines Herzens nicht Gerechtigkeit angedeihen laſſen wollen, ſo glaubte ich doch wenigſtens hoffen zu dürfen, daß der Wunſch Seiner Majeſtät des Kaiſers für alle ſeine getreuen unterthanen ein Befehl ſein würde.

Der Ton dieſer Worte klang zurechtweiſend, ge⸗ bieteriſch, faſt drohend. Der Graf zog die Augen⸗ brauen zuſammen und heftete einen keineswegs freund⸗ lichen Blick auf den ihm gegenüber Sitzenden.

Mein Herr General, antwortete er,ich wiederhole, daß ich den Willen des Kaiſers ehre, weil das Schickſal mich und mein Haus ihm unter⸗ thänig gemacht hat; ich ſehe in den Worten Seiner Majeſtät aber eben nur einen hohen Wunſch, nicht einen Befehl; dem erſteren werde ich bemüht ſein, nachzukommen, ſo weit es in meinen Kräften liegt, den letzteren könnte ich in dieſem Falle nicht als un⸗ bedingt bindend anerkennen.

Der General fuhr heftig auf:

Herr Graf! Sie ſprechen nicht wie ein guter Unterthan!.

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