Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
792
Einzelbild herunterladen

8

792²2

würde gezweifelt haben, daß ſie Vater und Tochter ſeien.

Der Graf ließ die Hand leicht über die und den ſeidenweichen

den gleiten, und die eigene Sorge verleugnete

Stirn

Beruhige Dich, meine liebe Jeannette, wir wer⸗ den einen Rath finden, wie wir uns in dieſer pein⸗ lichen Sache zu benehmen haben. Du haſt genug Beweiſe von meiner väterlichen Liebe, um nicht daran zweifeln zu dürfen, daß ich Dein Glück allen übrigen

Rückſichten, welcher Art ſie auch ſeien, ſtets voran⸗ ſtellen werde.

Ich weiß es, mein theurer Vater, erwiderte das junge Mädchen,und ich habe unbegrenztes

Vertrauen zu Ihnen. Beweiſe ich es Ihnen nicht noch ſo eben dadurch, daß ich Sie aus der Mitte der Geſellſchaft hierher bat, um mein übervolles Herz vor dem Ihrigen auszuſchütten? Aber noch kann ich nicht Herrin meiner Angſt werden, ich vermag die

Rückſichten, die wir zu nehmen gezwungen ſind, nicht

eine furchtbare die wir jenem

zu unterſchätzen, und ich ahne, daß Saat des Unglücks aus der Antwort, Manne geben müſſen, wenn wir dunſere Herzen frei ſprechen laſſen, aufſprießen wird. Ich las es in ſei nen leidenſchaftlichen Worten und ſah es in dem Bli⸗ ten ſeiner Augen, als er zu mir ſprach, daß Nichts im Stande ſein würde, ihn von der einmal gefaßten Idee abzubringen; Sie kennen ja ſeinen ſtolzen, un⸗ beugſamen und gewaltthätigen Charakter, mein Vater.

Ja, mein Kind, ich glaube ihn durchſchaut zu haben, und ich würde wohl Deine Zukunft in ſeine Hand legen können, müßte ich ihm auch nicht den Vorwurf machen, Heiligſte, was wir haben, ſein Vaterland verleugnet hat und noch heute im Dienſte unſerer größten Feinde verleugnet.

Der alte Herr ſprach die letzten Worte nur flü⸗ ſternd und warf dabei einen ſorgſam prüfenden, faſt ſcheu zu nennenden Blick auf die Thür. Man hörte

von draußen ber nur das harmloſe Gelächter der in

der Gallerie Promenirenden.

Wiederhole mir noch einmal, der Graf fort,was er Dir geſagt und wie Du Dich benommen haſt; ich muß geſtehen, daß mich D Eröffnung zu ſehrrLüberraſcht hat, obgleich ich ſchon längſt in banger Sorge fürchtete, daß es dahin kom⸗ men könne.

Warum haben Sie mich nicht gewarnt, Vater? klagte das junge Mädchen leiſe.Ich ſelbſt habe ihm vielleicht, unbewußt und ohne ſeine Gefühle zu verſtehen, Hoffnungen gegeben.

Novellen⸗

Scheitel der vor ihm Knieen⸗ ſich nicht in dem Tone, mit dem er tröſtend zu ihr ſagte:

mit ruhigem Herzen

daß er das

Jeannette, fuhr

Deine

mein

Zeitung.

Nein, meine Tochter; ich habe Dich ſcharf be⸗

pobachtet und in Deinem Benehmen Nichts gefunden

den fröhlichen Muthwillen eines unſchuldigen

des und das freundliche Entgegenkommen, das Du dem Gaſte des Hauſes ſchuldeteſt. Ich fürchtete ins⸗ geheim, daß die Huldigungen eines ſo ſchönen und eleganten Mannes, wie der General iſt, einen tiefe⸗ ren Eindruck auf Dich machen könnten, denn hätte ich mich überzeugen müſſen, daß Du ſeine Neigung erwiderteſt, ſo würde ich mich blutenden Herzens in Deine Wahl gefügt haben; eine Warnung, ein Wi⸗ derſpruch meinerſeits würde vielleicht erſt die ſchlum⸗ mernden Gefühle erweckt haben. Ich betrachtete die⸗ ſen Tag, an dem wir unſeren unwillkommenen Gäſten das Abſchiedsfeſt geben, als einen freudigen.

Ich ebenfalls, ſeufzte Jeannette;ich ahnte nicht, daß mich dieſer Abſchied noch bittere Thränen koſten könne. Ich glaubte vor Augſt in die Erde ſinken zu müſſen, als der General mich vorher mit ſo feierlicher und doch ſo unheilverkündender Miene um eine Unterredung unter vier Augen bat, eine un⸗

ſchaftlichen Worte an mein Ohr drangen, ſchoß mir das Blut in das Geſicht und eine eiſig kalte Hand ſchien ſich mir auf das Herz zu legen.

Er hat alſo förmlich um Deine Hand angehal⸗ tten, ſeine Abſicht ausgeſprochen, ſich ſofort öffentlich zu verloben?

Er drang ſtürmiſch auf meine Einwilligung.

C.

überhaupt noch zu jung ſei, ich weiß ſelbſt nicht mehr, welche Worte mir die Herzensangſt auspreßte. Ich wagte nicht, die Augen zu ihm außzuſchlagen, denn ich wußte, daß die ſeinigen in glühendem Feuer auf mir ruhten, ich entzog ihm nicht meine Hand, die er mit Küſſen bedeckte, während er zu mir von dem glänzenden Leben ſprach, das wir in Petersburg un am Hofe des Kaiſers führen würden; er ſagte

mir auch mit beſonderer Betonung, der Kaiſer wün⸗ ſche ausdrücklich dieſe Verbindung, welche eine der erſten polniſchen Familien an ſeine Getreuen feſſeln werde, er habe darüber Gewißheit. Ach, mein Va⸗ tter, ich ahnte, daß ich das Opfer kalter politiſcher Berechnung und der Leidenſchaft eines Mannes wer⸗ den müſſe, den ich nicht liebe!

as junge Mädchen legte das Geſicht auf ihre Saudd und ſchluchzte leiſe; der alte Herr, der zu⸗ ſammengezuckt war, als ſeine Tochter des Kaiſers er⸗ wähnte, blickte ſtarr und düſter vor ſich hin.

Du ſagteſt ihm dann, meinte er ſinnend,

daß er ſich mit ſeinem Antrage an mich wenden ſolle, daß Du für uns beide Bedenkzeit verlangteſt?

klare Ahnung durchzuckte mich, und als ſeine leiden⸗

Ich erwiderte ihm, daß ich zu ſehr überraſcht, daß ich

Jeannette Er wollte tte mich dau pen aufbrechen! zu uns; aurlicllle lt kunft vorher geſt Ges Werſprechen: à t wei nigem Stolze u daß ein ruſſiſch Hauſe eines pol zwange zu ſpre

ſEr3Hwn3L

inne

recht Nage. Du haſt ßigen, ſagte d wir haben ja Aber ich w ſeligen Mutter eine Verdindun ben vergiften mem Sinne, mich hier unten ihm in der mi⸗ Wunſche KRtſa Chre in ſeiner tteten; beruft Kaiſers, ſo w ter meines Ki 1d Gre z iugend O mein er vid einen wollen ſch für Iſt e Dich, Jeannet der Geſel ſellſch huit nict Auf