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„Wir wollen dieſe Zeichen fürſtlicher Huld zu verdienen bemüht ſein, raſtlos fortgehen auf der im innigen Verein von uns betretenen Bahn,“ ſprach Fel⸗ dern bewegt, und küßte ſeiner ſchönen Gattin die Thränen hinweg, die unaufhaltſam ihren Augen ent⸗ perlten.„Gott wird uns ferner helfen, er wird uns Allen helfen,“ ſagte er Bertha die Hand reichend, die keines Wortes mächtig Zeuge gewe⸗ ſen war.
„Und der Vater?“ wagte ſie endlich kaum hör— bar zu fragen.
„Er iſt wohl auf, grüßt Sie herzlich und wünſcht, daß es Ihnen noch ferner bei uns gefalle. Er freut ſich immer, wenn er von Ihnen und uns Andern gute Nachrichten hört.“
Bertha nickte und lächelte faſt auch unter Thrä⸗ nen, dann verließ ſie das Zimmer, ſie mußte allein mit ſich ſein.
Später theilte Feldern Anna und Winterfeld die
dieſer Scene
Gründe mit, die ihn nach der mit dem Generale ge⸗
habten Unterredung zu den ſchönſten Hoffnungen für die Liebenden berechtigten.—
Die Antwort, welche Winterfeld an einem der nächſten Tage vom Grafen Felseck erhielt, beſagte kurz, daß er mit Herrn v. Feldern geſprochen, und
jetzt wegen einer Entſcheidung mit ſich zu Rath gehe.
Am Schluſſe hieß es:„Bitte jedoch Ew. Hochehr⸗ würden nicht zu viel davon zu hoffen, damit bei Ihren Erwartungen etwaige Täuſchung nicht um ſo bitterer wird! Es bleibt noch Vieles zu erledigen, ehe ich reiſen kann. Aber ich komme bald, um Ihnen perſönlich zu ſagen, daß ich mit aller Hochachtung ſtets bleiben werde Ihr ergebener Graf W. v. Felseck.“
Graf Felseck war ein gerader, rechtſchaffner Herr,
ein tüchtiger General ſeiner Zeit und mit manchen guten Eigenſchaften begabt. Mit Glücksgütern aber war er vom Schickſal um ſo ſpärlicher bedacht. Als jüngerer Sohn einer zahlreichen Familie mußte er ſich begnügen mit einer geringen jährlichen Apanage, die jetzt neben der Generalsgage eben hinreichte, die
Ehre ſeines Standes und Hauſes aufrecht zu erhal⸗
ten. Ein begüterter Adel war nur ſpärlich im Lande vertreten. Schon gehörte es nicht mehr zu den Sel⸗
tenheiten, daß adelige Beamte und Officiere nach
reichen Erbinnen bürgerlichen Herkommens ausſahen, um den Anforderungen des Standes und des in der häuslichen Einrichtung zunehmenden Luxus genügen zu können. Von den ſeinzelnen Standesgenoſſen, welche ſich als Bewerber um Bertha's Hand präſen⸗ tirt hatten, war ihr der Eine zu alt und zu gecken⸗
neral allmählich wohl ein,
Novellen⸗Zeitung.
haft, der Andere ſo hochfahrend und dünkelhaft auf die eben erlangte Hofcharge vorgekommen, daß Graf Felseck in Uebereinſtimmung mit ſeinem Liebling, der nicht geneigt war, den ſtolzen Nacken ſo ohne Weiteres dem Ehejoche zu beugen, in den aller⸗ höflichſten Worten die ferneren Bemühungen dex Freier verbat. Beim Vater zu bleiben war ihr ein
ziger Wunſch, und es war deshalb nicht ſelten, daß ſie ſich in ihrem Muthwillen ſelbſt in größern Geſell⸗
ſchaften verleiten ließ, dem Eheſtand für alle Zeiten
den Krieg zu erklären.
Daß das nicht ſo fortgehen durfte, ſah der Ge⸗ mit Freuden ergriff er daher das Anerbieten der Frau v. Feldern, Bertha auf längere Zeit mit ſich zu nehmen.. Er hatte bald
erkannt, daß, wenn nicht Feldern's Gattin in ihrer
geiſtigen Ueberlegenheit, keine andere je im Stande
ſein würde, den Gedanken ſeines verhätſchelten Lieb⸗
lingskindes eine andere Richtung zu geben.
Bertha war gegen Ende des verfloſſenen Jahres mit ihm in die Reſidenz zurückgekehrt. Aus dem muthwilligen Mädchen war eine ernſte, verſtändige Dame geworden, die durch ihre ſinnige Unterhaltung überall gefiel. War es ein Wunder, wenn der Vater mehr als je ſeine Freude hatte an der äußerlich ſo chönen, aber auch in ihrem innern Weſen ſo ver⸗
T edelten Tochter? Eben ſo wenig aber könte es dem
alten Herrn auffallen, wenn nach den Vorgängen der letzten Tage ſeine Begriffe ſich oft verwirrten, ſobald er darüber nachdachte, daß ſeine Bertha, die zwar immer noch Heitere, dabei aber über alle Verhältniſſe des Lebens ſo ruhig Urtheilende, mit einem Herzen zurückgekehrt war, das von innigſter Liebe zu einem Manne erfüllt war, der eben nur ein Landprediger war; daß ſie kein anderes Glück auf Erden begehrte, als ſeine Gattin zu werden. Winterfeld, im kräftig⸗ ſten Mannesalter, war ein ſchöner Mann, davon hatte ihn der Augenſchein überzeugt. Daß er ein guter, ein gelehrter Mann war, hatte er aus der geiſtigen Ausbildung erkannt, die ihm Bertha verdankte. Daß die Stelle eines Pfarrherrn wegen des hinzugekom⸗ menen Filials, bei eigenem Vermögen, eine mehr als ausreichende Einnahme gewähre, hatte er von Fel⸗ dern erfahren. Bertha liebte Winterfeld, und der Vater— wollte ſein einziges Kind glücklich ſehen⸗ Aber— Winterfeld war ein Landprediger, gehörte einem Stande an, deſſen Anſichten mit denen des Kriegerſtandes faſt immer im Widerſpruch ſtehen. Das und viel Anderes ging dem alten Herrn im Kopfe herum, wenn er ſich Tage lang über den zu faſſenden Entſchluß abquälte. Dabei ſchwebte ihm wieder auch Winterfeld's Name vor, an den großen Feldherrn
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Tages vo Audienz zurück ahlegte, erthen Befehl, alles R anzutretenden Winterfeld ließ Erſuchen eigehel, letzten Loffkalie erwartell,„Die fnd leſonderer? Rre a, dhe durch meine un ttaunen ſetze.“ Vergebens ſceen Inhalt di konnte den Zeile noch das Gegen wenl erhaltenen blieb er(ängers er ſich fuͤr das durch einen Be⸗ geben. Anter d ſeiner Filialdörf geſchah, fuhr er Tage geraden; Es war ur hauſe vorfuhr. an den Schlag. „Sieh da, d datan erkenut me neral ihm die fuhr er fort,„ für ſich?“ Nachdem W er den Führer Vasſicht in den Nuszeit im w „das iſt manenh end, naͤgichſ zu Hauſe haben, n 3u den diedich, ſete
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