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nicht länger unterdrücken; dasſelbe klang ſehr muſi⸗ kaliſch, wurde aber krampfhaft, als ſie in ſein Auge blickte.
„Wenn ich fragen darf, Madame, was iſt die Veranlaſſung zu dieſem höchſt ſonderbaren—“
Roſamunde konnte ihm blos das Buch entgegen⸗ halten, das ſie in den Händen hielt.
Hugo nahm es und blickte auf den Titel. Zu ſeinem Erſtaunen ſah er, daß es Recepte für die Haus⸗ haltung waren, und ſofort warf er es wild mit den Worten hin:
„Ich bin der Meinung, daß ſich wieder ein hyſte⸗ V riſcher Anfall eingeſtellt hat.“
„Ich halte es ganz für möglich,“ ſagte Roſa⸗ munde, die ihre Lippen zuſammenbiß und ſich ſehr anſtrengte, die Muskeln ihres Geſichts zu beherrſchen.
Ich weiß, es war unartig von Roſamunden zu lachen; ſie konnte es aber wirklich nicht unterdrücken. Vielleicht war ſie wirklich hyſteriſch, wie Hugo es ſagte.
Er ſah ihre Anſtrengung, nach ihrem erſchütter⸗ ten und von neuem bedrohten Ernſte. Niemals ſeit ihrer Verheirathung hatte ſein Frau ſich erkühnt zu lächeln, wenn er ein ernſtes Geſicht zeigte. Und ihn auszulachen, vor Freude und Lachen zu berſten, weil er ſeine Naſe mit dem Pflaſter in Berührung ge⸗ bracht und er dasſelbe dafür geſtoßen hatte, das war eine Kühnheit, die jeden Glauben überſtieg. Er fühlte ſo etwas, was der alte Doctor, ſein Vater, einen ſeiner Tantrums zu nennen pflegte; und als ſich aus Roſamundens Munde, trotz aller ihrer An- ſtrengung, ein zweites kleines lautes Gelächter ver— nehmen ließ, hob er den Stuhl in die Höhe, auf deſſen Lehne ſeine erregten Hände geruht hatten, und fragte ſie erröthend, ob er ihn ihr an den Kopf oder durch das Fenſter werfen ſolle.
Eine plötzliche Weiße bedeckte das Geſicht der jungen Frau, die ganz blaß geworden war. Für ei⸗ nen Augenblick verlor ſie ihre Selbſtbeherrſchung, die
Rovellen⸗Zeitung.
weit geſündern Tone, als er ſich, ſeitdem er zu Hauſe
war, desſelben bedient hatte, indem er auf ſeine Nä⸗ gel biß und, während er ſprach, die um ihn her zer⸗
ſtreuten glänzenden Glastrümmer überſchaute.
Ein ſonderbarer Ton von oben zog plötzlch ſeine Aufmerkſamkeit auf ſich. Es ſchien das Echo
der eben von ihm aufgeführten wahnſinnigen Scene
zu ſein— ein Krach, dem ſofort Stücken Glas mit einem Stuhle in der Mitte folgten.
„Was der—“ Und Herr Calculus ſteckte ſei⸗ nem Kopf zum Fenſter hinaus, zog ihn aber gerade noch zur rechten Zeit zurück, um ihn nicht der Ge⸗
fahr ausgeſetzt zu ſehen, durch einen zweiten herab⸗
fallenden Stuhl zerſchlagen zu werden.
Herr Calculus ſprang in Sätzen, wo er auf ein⸗ mal ſechs Stufen überſprang, die Treppe hinauf und erreichte ſein eigenes Zimmer, eben als Roſamunde, weiß wie eine Leiche und mit funkelnden Augen, ei⸗ nen dritten Stuhl über ihrem Kopfe ſchwang. Als er ins Zimmer trat, ſchleuderte ſie ihn mit feſter Hand durch das Fenſter.
„Mein Gott!“ rief Herr Calculus ſeine Frau anſtarrend, während ein ganz neues Gefuͤhl in ihm ſich bemerkbar machte.
„O, ein köſtlicher Spaß! O, ein köſtlicher Spaß!“ ſchrie Roſamunde wild lachend, indem ſe aber ſehr hübſche und theure Toilette des Herrn Cal⸗ culus den Stühlen folgen ließ. Ein Aufſatz von Trink⸗ gefäßen von venetianiſchem Glaſe, auf den Herr Cal⸗ culus ebenfalls ſehr viel hielt, und eine porzellanene Vaſe, die ihm von ſeinem Club zum Geſchenk ge⸗ macht worden war, folgten der Toilette, ehe er über ſeine Gefühle ganz klar werden konnte.
Dann murmelnd:„Sie iſt wahnſinnig, ſie muß es ſein!“ fing er ſie in ſeinen Armen auf.
Sie machte ſchreiend und lachend einige Ver⸗ ſuche ſich loszureißen, war aber von einer ſolchen un⸗ natürlichen Anſtrengung erſchöpft und fiel ſofort wie jeine zerknickte Lilie auf ſeine Schulter. Hugo trug
11 gſine me uen,
ſie aber bald gebieteriſch zurückrief...
ſie ein ein andres Zimmer und ſchickte in größter
Sie hob ihren kleinen Kopf empor, blickte ganz. Ddb 84 5 pi emper, Janz Eile eine Dienerin fort, um ſeinen Vater zu holen.
ruhig nach dem Fenſter, das von geſchliffenem Glas und ſo ſolid und klar wie Kryſtall war, und ſagte dann mit einer graziöſen Verbeugung ganz mild:
„Durch das Fenſter, wenn es Ihnen ſo beliebt, mein Herr.“..
Und der Stuhl flog wirklich mit einem Krach durch das Fenſter.
Sich erhebend, verließ Roſamunde mit einer an⸗ dern graziöſen Verbeugung das Zimmer.
„Ich möchte wohl wiſſen, wohin ſie, zum Kuckuk, gegangen iſt,“ murmelte Hugo Calculus in einem
Doctor Calculus war zufällig zu Hauſe und A
kam ſofort.
Roſamunde lag bleich und keuchend auf dem Bett, und Hugo ſaß, ein Bild der Angſt und Be⸗ kümmerniß, neben ihr, mit einem Arme Roſamunden umfaßt haltend, und er wagte nicht aufzuſtehen, als ſein Vater eintrat.
„Was iſt das— was iſt das?“ rief Doctor Cal⸗ culus aus, als er nach dem Bett hinging,„willſt Du
mir nicht Platz machen, Hugo?“ 1
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bre runden d zu denſelben oftun Hum hören ließ⸗ einer Behauptun eine Dienerin N ſetzen, und dann f der ihm, olne Wi mer folgle „Nun, Sir, wie dad Aled ge aemen Lamme ge „Ich, Vater, kann verſichern— „Ja, Du he Du haſt ihr den
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