776 Novellen⸗ZJeitung.
machen. Er geräth dann in eine Wuth, daß ich Strömen, als Hugo Calculus dieſen Abend, bis auf beinah meinen Verſtand darüber verliere; und wenn die Haut durchnäßt— denn irgend Jemand hatte ich mir dann das Weinen nicht verwehren kann, ſo ſich ſeinen Regenſchirm angeeignet— im Dunkeln
nach Hauſe tappte, und daß er in nichts weniger als einer guten Laune war, errieth Roſamunde aus der Art, wie er die Hausthür zuwarf und wie er durch die Hausflur ſchritt.
Wenn irgend Etwas ſelbſt einem verdrießlichen Mann ein Lächeln abzugewinnen vermochte, ſo hätte es ſicher dieſes freundliche Wohnzimmer mit ſeinem flackernden Kamin, ſeinen weichen Fußteppichen, ſei⸗ ner zum Genuß einladenden Tafel, auf welcher Ro⸗ ſamunde für die Lieblingsgerichte ihres Gatten Sorge getragen hatte, und Roſamunden ſelbſt, der ſüßeſten kleinen Roſe, die je einem Manne blühete, ſein müſſen.
Hugo Calculus ſchien aber durch die Wärme und Helligkeit im Zimmer nur verſtimmter zu werden. Er 8 hatte in ſeinem Geſchäfte heute einen glücklichen Tag Treppe hinunterfliegt, und als ich dieſen Morgen, zur gehabt, er hatte eine ſchlechte Schuld bezahlt erhalten, Zeit, als er laut las, meinen Fingerhut fallen ließ, ein paar vortheilhafte Einkäufe gemacht. Er hatte ſo warf er ihn ins Feuer auf dem Heerde. Am ſchlimm- aber dem Schurken noch nicht vergeben, der ihm ſei⸗ ſten von Allem iſt es aber, wennn er ſich in ſeinem nen Regenſchirm geſtohlen hatte, und er dachte, Ro⸗ Zimmer einſchließt, mich nicht hinein läßt und nicht ſamunde brauche nicht ſo glücklich und lächelnd aus⸗ zu Tiſche herunter kommt.“ zuſehen, während er verdrießlich war, und ich bin ſehr
„Ah! Hungert lieber zu Tode, thut er das? Das beſorgt, daß er an der Galle oder ſchlechter Verdauung würde ihm nichts ſchaden, Roſamunde.“ oder an irgend einem andern Uebel litt.
„Ach, ich bringe ihm dann jedesmal von dem, Er erwiderte ihren Guten⸗Abend⸗Gruß nicht und was wir haben, hinauf und ſetze es ihm neben die ſtand noch mürriſch am Feuer, nachdem ſein hübſches Thür, wenn er mich, ſo ſehr ich ihn auch darum bitte, Weibchen ihren Platz am Tiſche ſchon lange einge⸗ nicht damit hineinlaſſen will.“ nommen hatte. Zu ſeinem großen Erſtaunen indeſſen
„Und ich vermuthe, es verſchwindet in nicht lan- begann Roſamunde,— anſtatt wie gewöhnlich ihn ger Zeit?“ ſchmeichelnd zu bitten, zu Tiſche zu kommen, und es
„Ja, mein Herr.“ zu verweigern, ſelbſt einen Biſſen zu genießen, wenn er
„Hum! Ich meine, ich würde einen ſolchen wun⸗ nicht mit ihr eſſe— nachdem ſie ihn einmal freund⸗ derlichen Burſchen, wie er iſt, dann faſten laſſen, bis lich eingeladen, aber keine Antwort erhalten hatte, er es ſelbſt überdrüſſig wäre.“
„Wie könnte ich? Es bricht mir das Herz, wie es iſt. Er würde vielleicht vor Hunger ſterben.“
„Pah, pah, liebes Kind, ſei ohne Sorgen; ich kenne ihn beſſer. Ja, ich habe ihn ſo wunderlich ge⸗ ſehen, daß er ſich ſogar über die Stühle und Tiſche ärgerte; und mürriſch?— nun ja, das will ich glau⸗ ben— er wurde vor Aerger zuweilen ganz ſchwarz im Geſichte. Es iſt das eine regelmäßige Krankheit, ein St. Veitstanz im⸗Gehirn.“ Der Doctor nahm
wieder eine Priſe.„Indeſſen glaube ich, wie ich es ſchon geſagt habe, daß er zu curiren iſt, wir müſſen aber ſehr kräftige Mittel brauchen und ſie mit feſter Hand zur Anwendung bringen. Und das mußt Du thun, mein Kind.“
„Ich?“ 3
Es war ſtockfinſter und der Regen ergoß ſich in
ſagt er, ich ſei hyſteriſch, und geht fort zu Ihnen, wie er dieſen Morgen gethan hat. Er ſcheint nie zu vermuthen, daß ich über etwas weinen kann, was er gethan hat.“
„Wunderlich, wie? Gegen Dich?“
„Ueber Alles, über die lächerlichſten Dinge. Als ich die vorige Woche Kopfweh hatte, und ihm viel daran lag, um mich her die größte Stille zu erhalten, fiel ganz zufällig die Feuerzange auf den Heerd nie⸗ der, und er nahm ſie mit beiden Händen auf und ſchüttelte ſie, wie er es mit einem ungezogenen Kna⸗ ben machen würde, und ſagte zwiſchen ſeinen Zähnen: „Iſt es möglich? iſt es möglich?“ und dann legte er ſie wieder an Ort und Stelle. Zuweilen ſtößt er den Stiefelknecht von ſich fort, daß er die ganze
ſehr wohl ſchmecken zu— laſſen, und nachher griff ſie nach einem kleinen intereſſanten Buche, das Doctor Calculus ihr empfohlen hatte, um in der Lectüre deſſelben fortzufahren.
Hugo war hungrig, konnte er aber in ſeiner jetzigen Laune gehen, um ſein Diner zu genießen, ohne wie gewöhnlich durch Liebkoſungen ſich dazu be⸗ ſtimmen zu laſſen? Die Idee war abgeſchmackt. In demſelben Augenblick trat eine Dienerin herein, um den Tiſch abzuräumen.
„Warte damit noch„“ ſagte Roſamunde,„Herr Calculus hat noch nicht gegeſſen.“.
„Nimm es weg!“ brüllte Hugo, und die Diene⸗ rin gehorchte.
Noch mehr verwunderte er ſich, als der Abend
mit einem bemerkenswerthen Appetit ſich ihr Diner
voranſchritt, ohne daß Roſamunde ihn bat, ihm etwas
—,—
immer⸗ ſellte Roſamunt Plah vddem ſi ben geleſen, Das war! ihn nicht, vns und ich bezweif weun ſie es get gens ein Mann
Kd
ging, ohne gegeſt Schlafzimmer. nadhdem ſie eing Kahl d Theil aufbewahrt wer doch das war b Als Hugo Roſamunde in ſcklaaetnche par-
uno Au h dor Kurz nach als das geſchah ſeiner Zimmerth was geſchehen m Ein leichte ſuchs Ke zu öff Alles. Vergebe ſich behutſam n ftüheren Gelege ſetzt worden war E nate d die Lerche nachah Haus ging, ud Lauzen Tag au mit Trüffeln ge Sardellenſauce lleinſte Stüͤck. daß ne d itki einen
in dem latte, bewies. lich in ſeinem Vanze Haus in die Küche beſu


