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eingerichteten Schloſſe ſo fröhlich verle ben wollte wie den Sommer. Da brachen plötzlich im October die Unruhen aus, die trotz ihrer kurzen Dauer das Jahr 1830 als ein in der vaterländiſchen Geſchichte der Deutſchen ſo bedeutſames bezeichnet haben.
Auf den erſten Bericht, den Feldern an die höchſte Behörde über die Vorfälle an der Grenze er⸗ ſtattet hatte, eilte General v. Felseck in Sorge um ſein theures einziges Kind nach Auguſtenau, um es für etwa noch kommende Dinge in die größere Sicher— heit gewährende Reſidenz mit ſich zurückzunehmen. So groß die Freude war, womit Bertha den Vater be⸗ grüßte, ſo wurde ſie doch merklich getrübt über die Veranlaſſung ſeiner unerwarteten Ankunft. Aber es wurde ihr leichter dem Wunſche des Vaters nachzu⸗ kommen, in dem ſie ja einen neuen Beweis ſeiner Liebe erkannte, als er ſie mit dem Verſprechen trö⸗ ſtete, bei erhaltenem Landfrieden ſchon in den erſten Frühlingsmonaten zu ihren Freunden zurückkehren zu dürfen. Da die von allen Seiten einlaufenden Nachrichten keine neue plötzliche Störung in Ausſicht ſtellten, ließ Graf v. Felseck ſich bewegen einige Tage in Auguſtenau zu verweilen. Dadurch erhielt er nicht allein Gelegenheit den blühenden Zuſtand von Fel⸗ dern's Beſitzthum, ſondern in Frau v. Feldern und dem Pfarrer Winterfeld das edele Geſchwiſterpaar näher kennen zu lernen, deren Einfluß Bertha die
im Stillen von ihm bewunderte gänzliche Verände⸗
rung ihres Weſens zu verdanken hatte. Noch im letzten Augenblick des Scheidens nahm
der General Feldern an die Seite und ſagte:„Lie⸗
ber Feldern, Ihr Schwager gefällt mir, den kleidet das eiſerne Kreuz auf der Bruſt ſo recht, als ob es dahin gehört. Auch Bertha ſcheint große Stücke auf ihn zu halten; das gute Kind wird nicht müde mir zu erzählen, was ſie ihm Alles verdankt. Wir ſind da⸗ durch beide die Schuldner Ihres Hauſes geworden. Aber wo iſt er denn, der gute Winterfeld? Ah, da kommt er eben um den See; immer zur rechten Zeit, wie er als ehemaliger braver Lützower es ſtets ge⸗ wohnt iſt.“
Der General ſagte dem jetzt herantretenden Pfarr⸗
Zeitung.
kaum hörbar, als ſie nach einem langen Blick in ſein großes treues Auge zum Vater in den Wagen ſtieg.
Das Rollen deſſelben war kaum verhallt, als Winterfeld raſchen Schrittes durch den Park ging und eine Anhöhe im Walde erſtieg, wo er zum letzten Male mit Bertha und Anna verweilt, um ſich der weiten maleriſchen Fernſicht während eines klaren Sonnenunterganges zu erfreuen. Seine Ahnung hatte ihn nicht getäuſcht. Bei einer Biegung um die Wald⸗ ecke fuhr des Generals Wagen langſam bergan, und Bertha, deren ſcharfes Auge den einſamen Beobachter auf der bekannten Warte erkannt hatte, wehete ihm
mit dem Tuche ein nochmaliges Lebewohl. Winter⸗
feld erwiderte das ſympathiſche Zeichen, bis der Wagen
von der Höhe in's jenſeitige Thal hinabfuhr, bis
nur eine leichte Staubwolke als letzte Spur von ihm übrig blieb. Es war Mittag, als er zu ſeiner Woh⸗ nung zurückkehrte, wo Feldern im Garten bereits auf
ſeine Ankunft gewartet hatte.
Feldern hörte auf mit ſeinem Stocke Kreiſe im Sande des Weges zu beſchreiben, als Winterfeld durch die Pforte trat.„Bertha’s Abreiſe geht Dir an's Herz,“ begann er raſch ſich erhebend;„leugne
es nicht, lieber Bruder, daß Du mir heute in ähn⸗
licher Lage gegenüberſtehſt, als ich Dir vor nahe zwei Jahren. Ich weiß eben ſo wohl wie Anna, u
jetzt fehlt, und wir wollen beide in geſchwiſte Liebe dazu thun, daß der Verluſt, den Du vor Allen erlitten, kein dauernder bleibt.“
„Ich fühle, daß ich Bertha, die fröhliche und doch ſo verſtändige, in der erſten Zeit ſehr vermiſſen werde,“ erwiderte Winterfeld. 1
„Um ſie ſpäter wohl zu vergeſſen,“ ſagte Feldern, dem Schwager lächelnd in's Auge ſehend.
„Du weißt, daß ich Niemand vergeſſe, der mir einmal lieb geworden iſt, und ſo gehört auch die Gräfin Felseck zu denen, welche mir immer theuer bleiben werden.“
„Hermann!“ entgegnete Feldern,„Deine Stunde iſt gekommen. Du haſt ein Herz gefunden, e da⸗ nach zu ſuchen. Erinnerſt Du Dich dieſer Worte, die Du ſcherzend ausſprachſt in der Stunde, als ich
herrn viel Verbindliches und dankte wiederholt für mich mit Anna verlobte?“
die um ſeine Tochter übernommene Bemühung.„Doch
da iſt ſie ſelbſt und wird in ſchönern Worten danken, erſt heute, wo mich der Gedanke an das Schwere,
als ich es vermag.“ Bertha aber warf ſich wieder was mir bevorſteht,
ſo ernſtlich beſchäftigt. Wie
und wieder an Anna's Bruſt; es war als könne ſie dürfte ich es wagen Anſprüche an die Hand einer
ſich von der einzigen Freundin nicht trennen. ſonſt ſo Fröhliche war kaum eines Wortes mächtig
Als ſie Winterfeld erblickte, reichte ſie ihm die Hand. „Tauſend Dank, mein theurer Lehrer und Freund,
Die Gräfin Felseck zu machen, nachdem ein Freiherr die
Schweſter eines Landpfarrers zur Gattin erwählt! Die Welt würde mit Verachtung auf mich blicken, einen Glücksritter in mir ſehen, der ſich das günſtige
tauſend Lebewohl bis zum Wiederſehn!“ flüſterte ſie Geſchick der Schweſter zur Nachahmung dienen läßt.
„Wohl denke ich daran, doch iſt es eben nicht
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