Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
763
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ihm eingeſchlagene Weg reſignirter Selbſtbeſchränkung und Simplicität der eines echten Künſtlers und be⸗ währt ihn als Schriftſteller von reinem, keuſchen Prin cip. Eine vorzügliche Führung des Dialogs geht mit dieſem kleinen Perſonal als Grundbedingung Hand in Hand. Eine vielſeitige Lebensbeobachtung und feine Menſchenkenntniß in jeder Scene erfreuen. Nicht minder muß ich es endlich gleichfalls eine Re⸗ ſignation nennen, daß Freytag ſeinen bisherigen Drang, ſich gern in der Zeichnung gewiſſer Lieblingscharak⸗ tere zu wiederholen, ſiegreich bekämpft hat. Von Saalfeld, Graf Woldemar, Bolz, Fink, dieſen ver⸗ ſchiedenen Varianten eines eben ſo höchſt ſpirituellen als angenehmen Schwerenöthers, wird ſelbſt der feinſte Reminiscenzenriecher in derverlornen Handſchrift keinen Doppelgänger finden. Freilich muß ich ein⸗ geſtehn, daß die Menſchen, welche dafür eingetreten ſind, von einer weniger originalen Palette gemalt wurden. Der Profeſſor Werner und Doctor Jahn ſind bei aller Wackerkeit gegen jene liebenswürdigen flotten Burſche woblerzogene Gemüther, die klug hin⸗ ter einer Brille ſitzen und ordnungsmäßig in die Welt hinaus ſehn. Daß ſich ein ſolches, bis zu einem gewiſſen Grade ohne ſein Verſchulden doch immerhin verdumpftes Blut mit der ſchönen Ilſe, dem jugend⸗ friſchen echt germaniſchen Sachſenmädchen, miſchen ſoll, dabei will unſerm poetiſchen Gefühl nicht recht Doch der Dichter wollte die alle Elemente verbindende und verſöhnende Kraft der neuen Culturperiode darſtellen, und wir haben abzuwar⸗ ten, wie ſein großes Talent dieſe Aufgabe löſen wird.

Jeuil

Ein neues Werk über Theater und dramatiſche Dichtung.

Da die Novellenzeitung es hier mit einem Werke zu thun hat, das ihren eigenen langjährigen Hauptmitarbeiter im äſthetiſchen Gebiete, Otto Banck, zum Verfaſſer hat, ſo iſt ſie in der Lage, ſich darüber alles kritiſchen Eingehens und alles ſpeciellen Lobes enthalten zu müſſen, was ihr um ſo leichter fällt, da es bei dem bekannten Namen des Autors, beſonders ihren eigenen geehrten Leſern gegenüber, einer Em⸗ pfehlung kaum bedürfen wird. Das ſo eben ausgegebene Buch bildet unter dem TitelAus der deutſchen Bühnen⸗ welt den erſten Band einer Edition, die den Geſammttitel Kritiſche Wanderungen in drei Kunſtgebieten führt und binnen Kurzen noch durch ihren zweiten und dritten Band Vom Literaturgeiſt unſerer Tage undIm Muſeum der bildenden Künſte vollendet werden wird. Es ſtellt ſich dem Publicum darin eine lang vorbereitete Arbeit dar, die hoch

..

Folge.

Der ſchwache Erbprinz und der Fürſt ſind auch keine imponirenden Geſtalten. Aber wollte uns nicht etwa der ironiſirende Dichter, ebenſo wie er Pfahl⸗ bürger ſtatt Weltbürger gab, auch hier nur jenen ge⸗ wöhnlichen Gattungsbegriff vorführen, mit welchem die Weltgeſchichte wie mit vergoldeten Schaumünzen, die an ſich keine Valuta haben, in die Summe der Völker hineindividirt? Es iſt bei ſolcher Schilderung eine unvermeidliche Zugabe, daß es nicht erfreulich ſein kann, Menſchen zu zeichen, die unter dem glän⸗ zenden Druck von ſchiefen Erziehungsſyſtemen und angeerbten Vorurtheilen ohne ihre directe Schuld verkommen ſind. Vielleicht beſtrebte ſich Freytag an einem gemäßigten harmloſen Exemplar doppelt klar zu zeigen, wie die Tradition die meiſten Auser⸗ wählten dahin abzurichten ſucht, daß ſie die ganze Menſchheit unbewußt als ein ihnen von Gott be⸗ ſcheertes Spielzeug betrachten, welches ihnen gelegent⸗ lich wieder geleimt oder erneut wird, wenn ſie etwas daran ruinirt haben, und daß ihnen alle köſtlichen geiſtigen und leiblichen Genüſſe dieſes irdiſchen Jam⸗ merthals nur deßhalb da zu ſein ſcheinen, damit es der Mühe werth ſei, ſie durch ihre angeſtammte Herr⸗ lichkeit gnädigſt hindurch paſſiren zu laſſen. Möchte die Poeſie nicht nur zeigen, wie dieſe alte virtuoſe Despotenkunſt, die Welt geſund zu verdauen, von conſtitutionellen Magenriemen zur liebenswürdigen Mäßigung beſchränkt iſt, ſondern nach den ſchönen

Ausnahmeerſcheinungen edlen Herrſchergeiſtes greifen

und der Wirklichkeit zeigen, wie wunderbar hoch ſolche Verdienſte zu ſchätzen ſind.

Ueton.

wichtige Fragen der Gegenwart den Leſern in einem anre⸗ genden Gewande vorzutragen verſucht. Ueberzeugt, daß dies Werk den Fachkennern ein unentbehrliches und den Laien eine feſte bequeme Brücke zur Erkenntniß des Zeitgeiſtes und der Kunſt und Literatur ſein wird, theilt die Redaction dieſer Blätter hier ohne jede Wahl ein kleines Probeſtück des erſten BandesAus der deutſchen Bühnenwelt mit.

Der Verfaſſer ſpricht darin über Moliére's Luſtſpiel Tar⸗ tüffe und knüpft daran eine Unterhaltung über die moderne Komödie, für die er dringende Wünſche äußert:

Niemals wird der Tartüffe, dieſe Schöpfung des großen Franzoſen ſagt Otto Banckganz von unſerer Bühne verſchwinden, mindeſtens ſo lange nicht, bis wir ein ebenſo unſterbliches Originalwerk beſitzen, was die Heuchelei eines ſcheinheiligen Frömmlers gleichermaßen, nur nationaler und im Einzelnen treffender, ſchildert. Dieſe Tartüffecharaktere ſchlichen und ſchleichen in allen größeren Städten Deutſch⸗