Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
761
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iſt allerdings nden Fall kaun zur Förderung ernſten Auf⸗ lirergriſche Ge⸗ Scöpfung einer wollen. Und eine ſolche un⸗ ſende Anſicht in tomans deppelt erſt am Ende jetzt vorliegen, RE ins Le⸗ die Geſtaltung erſt zu erwarten in die Führung iſcheidende letzte noch unſichtbar dann über das Arbeit zu ſagen, ees, wollten wit e abgebrochenen über das Bild üben im Sinne

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und man Wahrnehmungen, Anſichten und Eindrücke nicht mit einer wirklichen Kritik verwechſelt, die nur für den ungründlichen Leichtſinn bereits an der Zeit ſein könnte. Es wird an ſolchen unberufenen, un⸗ paſſenden Worten zur unrechten Stunde nicht fehlen. Unſere literariſchen Zuſtände ſind ſehr merkwürdiger Art: Sie haben ſich oft mit mir darüber unterhalten oder vielmehr entrüſtet, wie gutherzig das deutſche Publicum die ordinärſten, ſchlechteſten Romane ent⸗ gegennimmt, und wie dieſe Leſefrüchte immer noch Käufer genug finden, um ihre Verfaſſer leider nicht kopfſcheu werden zu laſſen. Dagegen glaubt man ſricht, wie peinlich, wie mißlich, ja wie undankbar die Aufgabe iſt, für unſer Publicum mit dem Aufgebot aller Kräfte und alles männlichen Ernſtes wirkliche gute Romane zu ſchreiben oder dies wenigſtens an⸗ zuſtreben. Ganz abgeſehen von dem traurigen Zuſtand, daß in Deutſchland auch im günſtigſten Falle viel zu wenig Bücher gekauft werden, um dem Dichter einen teſpectabeln pecuniären Gewinn zu ſichern, der ihm doch unbedingt zu wünſchen iſt, da ihn ja auch der Handwerker, der Fabrikant, der Oekonom für weit weniger anſprechende Leiſtungen rechtmäßig fordert; abgeſehen ferner von dem viel beklagenswerthen Um⸗ ſtand, daß der Romandichter nur ſehr langſam ſeiner Nation bekannt wird und ſeine nur aus der Leih⸗ bibliothek zum Volke ſprechenden Schriften eigentlich niemals ſo recht geiſtiges Eigenthum deſſelben wer⸗ den, wie es in Fraukreich und in England der Fall iſt; abgeſehen von all dieſen Trübſalen hat der deutſche Romandichter, ja ich darf ſagen der deutſche Schriftſteller überhaupt, auch noch mit einem andern deprimirenden Umſtand zu kämpfen: es iſt die große Scrupuloſität jener gebildeten deutſchen Gemeinde, die ſich zuerſt um jede neue Erſcheinung bekümmert und ſowohl das geſchriebene, als das noch viel be⸗ Nohlichere geſprochene Urtheil darüber leitet.

Dieſe kleine Gemeinde beſteht wirklich aus in⸗

ſelligenten Kunſt⸗ und Literaturfreunden, aus ſchönen Geiſtern und ſchönen Seelen, welche für jedes neu niftauchende Talent empfänglich ſind und ihm in der deffentlichkeit einen Erfolg durchſetzen. Zu den Bücher⸗ fäufern gehört dieſe gebildete Loge keineswegs, wohl uber zu den eifrigen Beſuchern des Buchladens, der beſſern Leihbibliothek, des Theaters, der Concerte, der Kunſtausſtellung. Sie haben ihre Lieblinge un⸗ ſe den öffentlichen Producenten und ſind eifrig in der Verbreitung von deren Ruhm. Das iſt löblich und gut, denn die Geſellſchaft will überall zur Len⸗ kung und Feſtſtellung ihrer fragwürdigen Meinungen eine articulirte Stimme hören, deren Echo ſie bilden kann. Durchaus nicht freuen kann man ſich aber

verliere.

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darüber, daß dieſe kritiſch raiſonnirende Geſellſchaft, ſtatt im edeln Sinne des Wortes durch ernſte An⸗ forderungen an ihre Lieblinge rigoriſtiſch zu ſein, vielmehr peinlich gegen dieſelben verfährt und kein rechtes Vertrauen zur dauerhaften Entwickelung ihres Genius hat. Das Kunſtleben geht, wie das wirk liche, nicht wie eine mathematiſch angelegte Chauſſee empor, ſondern bergauf und bergab, und erſt die Ge⸗ ſammtſumme aller Bewegungen iſt maßgebend für die Erreichung des Ziels. So will denn auch die Wan⸗ derung im Großen und Ganzen betrachtet ſein; die Geſellſchaft aber verlangt, daß der ſtrebende Geiſt wie ein Maulthier ohne Verſchnaufen zu Berg ſteigt und ſich dabei jeden Augenblick größere Laſten auf ladet und doch weitere Schritte nimmt.

Sagt mir doch, lieben Leute, wie iſt es möglich, daß ihr Begeiſterung hegt für irgend einen Autor, der euch vielfach erfreut hat, und ihn doch fortwäh⸗ rend mit Peinlichkeit, ja mit Mißtrauen betrachtet? Wenun er ſich nicht beſtändig überarbeitet, ſo denkt ihr Alle, er habe ſeine Kraft verloren, und producirt er eifrig, ſo fürchtet ihr, daß er ſeine Gediegenheit Hat er ein Werk geſchrieben, das euch ent⸗ zückt, und das nächſte iſt von derſelben Gattung und Grundfärbung, ſo muß es eine immenſe Steigerung bieten, ſonſt klagt ihr über Wiederholung und Armuth an Erfindung; iſt es aber andern Genres, ſo bezweifelt ihr, daß es dem Autor mit dem Stoff, welcher gar nicht derſeinige ſei, gelingen werde. Thut ihr wohl recht, ſtatt erſt unbefangen zu genießen und dann zu urtheilen, erſt mit einer förmlich krankhaften Sucht

zu kritiſiren und euch dadurch den unbefangenen Ge⸗

nuß ziemlich in Frage zu ſtellen? Es wird nicht fehlen, daß unter dieſer. Methode,

die Literatur peinlich zu betrachten, gegenwärtig auch

Guſtav Freytag's neuer Roman zu leiden hat; aber es iſt auch klar, daß ſich dabei die Betheiligten viel Vergnügliches dieſer Lectüre verkürzen.

Ohne Zweifel hat Freytag in ſeinem bereits ein Decennium alten RomanSoll und Haben einen Erfolg und eine Höhe der Compoſition erreicht, bei denen nicht blos ſein bedeutendes Talent, ſondern auch das gute Glück mitwirkte; man hat das Letztere, wie die Leſer aus eigner Erfahrung am beſten wiſſen werden, nicht immer zur Hand, und es wäre daher ungerecht, von dem Autor eine Steigerung in ſeiner zweiten Production zu verlangen. Da es in der That den Anſchein hat, als obdie verlorene Hand⸗ ſchrift dieſe Steigerung nicht blos ſchuldig bleibt, ſondern ſogar in der Kunſtgeſtaltung und durch das Erfaſſen eines nicht ſo ausgiebigen und weniger an⸗ ſprechend lebensfähigen Stoffes einen merklichen Rück

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