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der Herr v. Feldern ſelbſt geweſen, und nicht der Herr v. Trobiſch, der hier Verſprechungen macht, ſo wäre es ein Anderes, aber Sie kennen unſern gnädi⸗ gen Herrn und die Leute ſeiner Umgebung, ſo gut wie unſer einer. der Avantgarde nicht näher eingehen. Ich will es aber dem Anführer des Hauptcorps melden, das nicht weit abſteht.“
„Eine halbe Stunde gebe ich Euch Zeit, guter Mann, bedenkt aber zugleich, daß H— ſche gegen Euch im Anmarſche ſind.“
Dieſe mit Nachdruck vom Bürgermeiſter geſpro⸗ chenen Worte verfehlten die beabſichtigte Wirkung nicht. Schneller, als er gekommen, ging der Parla⸗ mentär zum feindlichen Lager zurück, welches anſchei⸗ nend durch Gebüſch gedeckt im Verſteck lag.
Die beſtimmte Zeit war kaum abgelaufen, als der feindliche Befehlshaber ſelbſt erſchien. Es ein verwegen genug ausſehender hochaufgeſchoſſener Geſell mit einem krauſen ſchwarzen Barte, vor dem das Geſicht kaum zu ſehen war. Eine alte Huſaren— uniform, die vom Körper nur die Rippen umſpannte, ein gewaltiger Schleppſäbel und ein erblindeter ehe⸗ maliger weſtphäliſcher Cuiraſſierhelm, der ſeinen Glanz vielleicht ſchon an der Bereſina verloren, wenn auch nicht zur Zierde des Mannes, doch gewiß ein Großes dazu bei, ihn in der Erinnerung an glor⸗ reich überſtandene Kriege zu hohem Anſehen bei ſeinen Genoſſen zu erheben. Auf die Meldung von dem Er⸗ ſcheinen des gegneriſchen Anführers ſprengte Feldern im knappen Jagdrock, ohne andere Waffe als den zierlichen Hirſchfänger an der Seite, auf den Platz. Sichtbar war der Eindruck, welchen die zu Pferde doppelt ſtattliche Figur des Schloßherrn auf den im⸗ proviſirten Feldherrn hervorbrachte. Doch ſah man
bald, daß von einer ſoldatiſchen Natur wirklich etwas
in ihm ſteckte. Ehrerbietig berührte er mit der Hand das Ueberbleibſel Napoleon'ſchen Kriegsruhms auf ſeinem Kopfe, als Feldern mit freundlicher Stimme Guten Tag bot.
„Nun Leute!“ wandte er ſich fragend an ſein Gegenüber,„was habt Ihr beſchloſſen? Um Euch noch lange zu beſinnen wegen des verlangten Ruhig⸗nach⸗ Hauſe⸗gehen, ſind die geſtellten guten Vorſchläge mei⸗ ner Meinung nach nicht angethan. Wollt Ihr mehr, als was Euer Landrath durch mich Euch verſichern läßt?“
„Was uns verſprochen wird, iſt genug, Herr Baron: etwas Brodkorn für die höchſte Noth, Arbeit bei richtigem Lohn, und etwas Land zu Kartoffeln für die Aermſten vom herrſchaftlichen Forſtgrunde. Aber wer verſpricht's? Unſer Herr Landrath. Sol⸗
Novellen⸗
Darauf können wir Männer von
Dragoner
war
trugen,
Zeitung.
len wir jetzt nach Hauſe gehen, müſſen wir was Schrift⸗ liches haben.“
V Jetzt erhob ſich Feldern hoch im Sattel und rief dem Sprecher mit ernſter Stimme entgegen:„Mein Wort dafür, daß Euer Landrath hält, was er mir für Euch verſprochen hat. Es giebt manche in Ihrem Trupp, die mich von früher her kennen; die werden es den Uebrigen ſagen, daß ich niemals ohne Grund mein Wort gegeben oder auch nicht gegeben habe. Und jetzt gehen Sie und theilen den Leuten meinen Beſcheid mit, ehe es zu ſpät wird für die Annahme meiner Vorſchläge.“
Der Anführer verſprach einen letzten Rath mit den Seinigen zu halten, grüßte militäriſch und nahm bei ſeinem Abgehen den großen Pallaſch unter den Arm, den er bei ſeinem Herannahen raſſelnd über den felſigen Boden hatte ſchleppen laſſen.
Eine halbe Stunde war abermals vergangen. Die Sonne neigte ſich dem Abend zu. Feldern’s Truppen ruheten Gewehr bei Fuß. Da ertönten plötzlich Hörner und Trommeln, und das geſammte Inſurgentencorps zog ihnen gegenüber im Geſchwind⸗ marſch heran. Der Bürgermeiſter ſprengte zu den V Schützen, Feldern commandirte:„Achtung, Gewehr
auf!“ Die drüben aber machten Halt, als ſie nur durch Flintenſchußweite von den Gegnern getrennt waren. Feldern, der einen feindſeligen Zuſammen⸗
ſtoß weder beabſichtigt, noch nach der gepflogenen Ver⸗ haudlung nachträglich erwartet hatte, ſuchte vergeblich nach dem Grunde dieſer plötzlichen Bewegung, als die Aufſtändiſchen die mit Tannenreiſern geſchmückten Hüte und Mützen auf ihre Waffen ſteckten und mit einem gewaltigen Hurrah! Herrn von Feldern und dem Bürgermeiſter von Frankenberg ein dreimaliges Hoch brachten
Die ſo vom Feinde gefeierten dieſſeitigen An⸗ führer ritten jetzt hinüber.„So iſt's recht, Kinder, Vertrauen um Vertrauen! Ich weiß, daß Ihr nicht Alle ſo bös ſeid, als Einzelne unter Euch ausſehen. (Was Euch gelobt, wird in Erfüllung gehen. Laßt jetzt Alles vorbei ſein, geht nach Hauſe und nährt Euch redlich. Da iſt ein Schutzbrief für Sie“— und er reichte dem Anführer ein Papier;„Sie dürften es vielleicht brauchen, als Leiter der Bewegung. Und Sie, Förſter Warnebold, als Zweiter im gegneriſchen Bunde, kommen mit mir, ich finde wohl eine Stellung für Sie mit beſſeren Ausſichten, als die, welche Sie
beuto ſich gedacht haben.“
Der alte Mann war ſo gerührt, daß er kaum
einige Worte zum Dank erwidern konnte. Auf ſeine ſchüchterne Frage, an wen ſich einſtweilen zu verwen⸗ den, deutete Feldern auf die rückwärts ſtehende
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