Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
749
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aus verſchiedenen Fiſchen und Conchylien zuſammengeſetzten Gerichts fortfährt: Daß Jedes für ſich ſei, macht ſchon U n⸗ luſt, die verſchiedenen Geſchmäcke werden zu einem vereinigt. So darf man ſich auch nicht wundern, daß alle Reproductio⸗ nen der römiſchen feineren Küchenrecepte, wie ſie z. B. am Hofe Chriſtinens von Schweden ſtattfanden, der römiſchen Kochkunſt wenig Ehre eingebracht haben. Denn endlich kam es den vornehmen und reichen Leuten nur darauf an, das Seltenſte und Theuerſte auf den Tiſch zu bringen.Kaum werde ich es hindern können, ſchreibt Horaz,daß du dir lieber mit einem Pfau, als mit einem Huhn den Gaumen ki tzelſt, verführt durch den eiteln Schein, weil der ſeltene Vogel mit Gold aufgewogen wird und durch ſeinen bunten Schweif blendet, als ob dies im Geringſten zur Sache gehöre. Ißt du vielleicht jene Federn, die du lobſt? hat er gekocht noch dieſelbe Pracht? Wenn man ein Fäßchen Sardellen aus dem ſchwarzen Meere mit 180 Thalern bezahlte und für eine ſechspfündige Meerbarbe 580 Thaler ausgab, wenn der Tra⸗ göde Aeſop ſich eine Schüſſel voll gelernter Singvögel 100,000 Seſterzen koften ließ und deſſen Sohn, wie ſpäter Antonius, in Eſſig erweichte Perlen verſchluckte, wenn endlich die Kaiſer Mahlzeiten gaben, die Millionen koſteten, dann muß man mit Seneca ausrufen:O über die Elenden, de⸗ ren Gaum nur durch koſtſpielige Speiſen gereizt wird! Koſt⸗ ſpielig aber macht dieſelben nicht ein außerordentlicher Wohl⸗ geſchmack oder Gaumenkitzel, ſondern die Seltenheit und die Schwierigkeit der Herbeiſchaffung; dann begreift man auch, wie Apicius ſich das Leben nehmen konnte, als ſein Vermö⸗ gen auf die Kleinigkeit von 725,000 Thaler reducirt war! Das Abſtoßende der römiſchen Sitte, dem Geldſtolz ſo unſinnigen Einfluß auf die Küche einzuräumen, wird noch vermehrt durch die zur Gewohnheit gewordene Vieleſſerei und Magenüberladung. Wenn ſchon die griechiſchen Aerzte zu⸗ weilen ein Vomitiv anriethen, um die nachtheiligen Wirkun⸗ gen des Weingenuſſes aufzuheben, ſo leſen wir doch Nichts, was auf die in Rom bei den höheren Ständen ſo allgemeine

Unſitte hindeutete. Denn der bekannte Ausſpruch Seneca's:

Man vomirt nur, um zu eſſen; man ißt, um zu vomiren, wird nicht ſowohl durch die von den Autoren aufgezeichneten Anekdoten, als durch die darauf bezüglichen Rathſchläge der mediciniſchen Schriftſteller beſtätigt. Bereits in der Recept⸗ ſammlung des alten Cato findet ſich ein probates Mittel dazu.

Der Raum vekbietet uns, auf die einzelnen Materialien, aus denen die römiſchen Köche ihre Kunſtwerke producirten, linzugehen. Im Allgemeinen muß die Küche ſehr fett gewe ſen ſein. Es zeigt ſich dies in der Liebhaberei an gemäſteten Thieren aller Art, beſonders Geflügel. Varro lehrt, daß man durch die Zucht von Hühnern, Gänſen, Enten, Tauben und Krammetsvögeln den jährlichen Ertrag einer Villa in der Nähe der Hauptſtadt leicht auf 50,000 Seſterzen bringen konnte. Aufidius Lurco, der Erfinder der Pfauenmaſt, ſchaffte ſich dadurch eine jährliche Revenue von 60,000 Seſterzen (zu Varro's Zeit galt das Stück 40 Denare), und nichts ging dem Römer über die endlich zu bloßen Fettklumpen werdenden Feigenſchnepfen. Die beliebten Schnecken fütterte man mit Mehl und verdicktem Moſt fett und Haſel⸗ und Spitzmäuſen baute man beſondere Gehege, mäſtete ſie mit Kaſtanien und Eicheln und verſpeiſte ſie im Winter, wo ſie am feiſteſten waren. Auch die Gänſeleber ſtand bereits in hohen Ehren und das Amt des Gänſeſtopfers gehörte nicht zu den gering⸗ ſten Sclavendienſten. Endlich wird auch dieſe Beobachtung durch die bereits erwähnte Vorliebe für Schweinefleiſch be⸗ geugt, das ſeit Aurelian's Zeit ſogar der Plebs der Haupt⸗

Holge. 749 ſtadt unentgeltlich geliefert wurde! Die beſten Schinken lie⸗ ferte Gallien, man zog aber die Vorderſchinken den Keulen vor und machte eine Delicateſſe aus den Füßen, den Bauch⸗ lappen, dem Kopfe, der durch Feigenfütterung ſchmackhafter gewordenen Leber und vor Allem den Geburtstheilen der Mutterſchweine. Aber auch für die Würſte zeigte der Römer viel entſchiedenere Sympathie, als der Grieche. Man hatte Blutwürſte und aus den edlen Eingeweiden bereitete Brat⸗ würſte. Letztere wurden, wie bei uns, heiß gegeſſen und von den wegen ihrer gellenden Stimme berüchtigten Wurſthänd⸗ lern rauchend auf kleinen Blechöfen feil geboten. Geräu⸗ cherte Würſte wurden ebenfalls aus Gallien importirt, und auf einem das Innere einer Reſtauration darſtellen Pompe⸗ janiſchen Gemälde erblickt man an einem von der Decke her⸗ abhangenden Geſtelle neben Zwiebeln, Datteln und anderem trockenen Gemüſe auch Knackwürſtchen modernſter Geſtalt. Das Wildſchwein, an deſſen Fleiſch, wie Horaz erwähnt, die Römer von ehedem den haut goüt nicht verſchmäht hatten, errang ſich ſehr bald den erſten Platz unter allen Gerichten, ſo daß es allgemeindas Hauptgericht und von Juvenal ein der Gaſtgelage wegen wachſendes Thier genannt wurde. Ein Servilius Rullus verlieh ſeinem Namen Unſterblichkeit, indem er zuerſt den Einfall hatte, auf einer ungeheuren Schüſſel den ganzen Eber, gewöhnlich mit Würſtchen und anderen Delicateſſen gefüllt, auftragen zu laſſen, was freilich in Macedonien und Theſſalien längſt Sitte geweſen war. Ja, oft erſchienen mehrere zugleich und auf des Antonius Ta⸗ fel einmal acht hinter einander! Der Friand wollte auch bei dieſem Thiere das Vaterland genau nach dem Geſchmacke er⸗ kennen. Die Eber der umbriſchen und lucaniſchen Wälder waren am geſuchteſten; die fetteren laurentiniſchen und die tuskiſchen ſcheinen erſt in der Kaiſerperiode mehr Anklang gefunden zu haben. Uebrigens wird wohl der Wildſchwein⸗ braten ziemlich theuer zu ſtehen gekommen ſein, da zum Preiſe des Wildprets ſelbſt noch eine koſtſpielige Bereitung hinzu kam. Deshalb ſagt auch Martial halbbetrübt über einen ihm von Freundeshand zugekommenen Eber:Aber der Koch wird einen ungeheuren Haufen Pfeffer verbrauchen und Falernerwein miſchen zur theuerſten Fiſchlake. Kehre zu deinem Herrn zurück; unſer Küchenfeuer iſt für dich zu klein, Störenfried Eber! Wohlfeiler hungere ich!

Wit8e endlich unter den Vierfüßlern und Vögeln die zar⸗ teſten und feiſteſten dem römiſchen Gaumen am meiſten zu⸗ ſagten, ſo liebte man auch unter den Fiſchen außer den Schmeerbutten und Lippfiſchen die Aalarten, vorzüglich die bekannten Muränen, deren Züchtung in koſtſpieligen, künſt⸗ lichen Baſſins zu den faſhionabelſten Vergnügungen gehörte. Schon Cäſar brachte zu ſeinem Triumphalſchmauſe nicht we⸗ niger als 2000 ſolcher Meeraale; Hortenſius vergoß Thrä⸗ nen, als eine ſeiner Muränen mit Tode abgegangen war; Vedius fütterte die ſeinigen mit Menſchenfleiſch. Unter den Conchylien gab man den Meerigeln und vor allen den Auſtern den Vorzug, welche man ebenfalls bereits züchtete und welche Pliniusdie Palme der reichen Tafeln nennt.

Die Metamorphoſen, welche die Köche mit den zu Grunde gelegten einfachen Stoffen vornahmen, um ſie pi⸗ kant oder unkenntlich zu machen, wären natürlich nicht mög⸗ lich geweſen, wenn man zu den in Hellas üblichen Gewürzen und Küchenpflanzen nicht neue hinzugefügt hätte. Und wirk⸗ lich finden wir nun die macedoniſche Peterſilie und den ägyp⸗ tiſchen Majoran akklimatiſirt und indiſchen Pfeffer, Ingwer, Cardamom, Zimmt und die ſcharfen ſpaniſchen Fiſchſaucen und Salzlaken in Gebrauch. Unter den verſchiedenſten Käſe⸗