Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
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Zuckerbäcker bis 100,000 Seſ

deuten jedoch darauf hin, daß die Römer ſchon lange vor der Bekanntſchaft mit dem Oriente gern viel und gut gegeſſen und von der ihnen ſo nahe wohnenden großgriechiſchen Koch⸗ kunſt Manches profitirt haben, und daß alſo die von Juvenal geſchilderte patriarchaliſche Einfachheit im Leben der vor⸗ nehmeren Bürger keineswegs weit über das vierte Jahr⸗ hundert v. Chr. hinausgereicht haben mag. Denn wenn man auch nicht allzuviel darauf geben kann, daß bei Plautus ſchon viel Sinn für leckere Speiſen herrſcht, weil man nicht weiß, wie weit bei ihm der Einfluß der griechiſchen Origi⸗ nale und der ſpäteren Redactionen geht, ſo weiſt doch das neben den theuren Seefiſchen niemals fehlende römiſch⸗ nati⸗ onale Schweinefleiſch⸗ und Speckgericht ganz ſicher auf lati⸗ niſchen Geſchmack hin. Man nehme nur dieGefangenen in die Hand und leſe, in welchem Enthuſiasmus der Paraſit über das jetzt ſo übel beleumundete Thier ſpricht, nachdem er kurz zuvor für Lamm⸗ und Hühnerfleiſch, für Muränen, Makrelen, Thunfiſche, Stachelrochen geſchwärmt hat!Un⸗ ſterbliche Götter, ruft er aus,wie will ich nun den Rücken⸗ ſtücken die Hälſe abſäbeln, welche Schwerenoth ſoll über die Schinken kommen, welche Schwindſucht über den Salzſpeck, welche Schmälerung über den Schmeerbauch, welche Schwä⸗ chung den Schwarten, welche Müdigkeit den Metzgern! Ich werde nun mein Amt antreten, um Recht zu ſprechen dem Specke und Hülfe zu bringen den ohne Urtheil gehängten Schinken. Ein ſicherer Beweis für das Alter des römi⸗ ſchen Hanges zu den Tafelgenüſſen liegt aber in der Mitte von Zweckeſſen und officiellen Schmäuſen, deren ſich die geiſt⸗ lichen Collegien und Prälaten und nach deren Vorbild die Innungen und Zünfte mit großem Eifer befleißigten. So ſind ſicher die Mahlzeiten des angeblich von Numa eingeführ⸗ ten Collegiums der Salier nicht erſt in ſpäterer Zeit ſprüch⸗ wörtlich geworden, und Mancher würde ehedem ſchon gern gethan haben, was ſich der Kaiſer Claudius erlaubte, der einſt auf einem Tribunale Recht ſprechend den Geruch eines delicaten Frühſtücks witterte, welches im nahen Marstempel den Saliern bereitet wurde, ſofort herabſtieg und ſich bei den geiſtlichen Herren zu Tiſche lud! Ebenſo berüchtigt waren von jeher die Mahlzeiten der Oberprieſter und Augurn, be⸗ ſonders die Antrittsſchmäuſe, die von den neu creirten gege⸗ ben werden mußten. Horaz und Martial beziehen ſich auf dieſelben, Varro erwähnt, daß die Preiſe des Fleiſchmarkts durch ſie in die Höhe getrieben wurden, und Seneca ſchreibt: Was iſt ſchändlicher, als eine koſtſpielige und das Vermö⸗ gen eines Ritters verſchlingende Mabhlzeit? Und doch ſind ſchon den ordentlichſten Männern ihre Antrittsſchmäuſe auf

30,000 Seſterzen zu ſtehen gekommen! Einer ſuchte den

Andern in Leckerbiſſen zu überbieten, und Plinius hat es nicht zu notiren vergeſſen, daß Hortenſius zuerſt den Pfau bei ſei⸗ nem Schmauſe auf die Tafel gebracht habe, der wenigſtens ein beſſeres Gericht abgab, als der Braten von jungen Hun⸗ den, der von grauer Zeit an mit auf dem Tiſche figuriren mußte! Auch bei dem Hauptfeſte der uralten 12 Arvalbrüder koſtete das Couvert zu Anfang der chriſtlichen Zeit 100 De⸗ nare= 29 Thaler. Auf den noch vorhandenen Speiſezettel einer im Jahre 63 v. Chr. gegebenen Pontiſicatsmahlzeit werden wir ſpäter zurückkommen. Im Jahre 169 v. Chr. wurde ſogar zur feierlichen Ausrichtung aller dieſer Schmäuſe das neue Prieſterthum der drei, ſpäter ſiebenSchmausher⸗ ren geſtiftet, denen man alle öffentliche Speiſungen der Col⸗ ligien und des Volkes übertrug. Daß aber dieſe Sitte der

Prieſter und religiöſen Brüderſchaften auch in alter Zeit ſchon

Manche Umſtände auf das Volk

4 der Stadtpfeifer, jährlich ein Feſtmahl im Tempel des ca 5

überging, ſieht man z. B. aus dem alten Rechte i⸗

oliniſchen Jupiters halten zu dürfen. Selbſt die Mitgl der Leichencommunen feierten den Tag ihrer Schutz hei und die Geburtstage edler Legatenſtifter durch Eſſen und Trinken. Endlich zeigen auch die aus alter Zeit herrühren⸗ den Luxusgeſetze, daß die Genußſucht früh herrſchend wurde. Angeblich ſchon Numa ſoll die Verwendung ſchuppenloſer Fiſche, wie z. B. des Scarus oder Papageifiſches verboten haben, um die Opferſchmäuſe billiger zu machen. Im Jahre 183 v. Chr. beſchränkte ein Geſetz die Zahl der Tiſchgäſte an Werkeltagen auf drei, an den Markttagen auf fünf. Zweiundzwanzig Jahre ſpäter befahl die Fanniſche Bill, nur 100 Aſſe(A ½ Sgr.) für die Mahlzeit an Feſttagen, 30 Aſſe zehnmal monatlich und nur zehn die übrigen Tage auf⸗ zuwenden. Beſonders verpönt war in dieſem wie in den andern Luxusgeſetzen der Genuß gemäſteter Hühner! Es ſollte überhaupt nur ein Huhn jedesmal auf den Tiſch kom⸗ men, nie mehr als täglich für 2 ½ Drachmen Zukoſt eingekauft werden und nicht mehr als 930 Pfd. geräuchertes Fle iſch fürs ganze Jahr. Zu Anfang des letzten Jahrhunderts er⸗ neuerte das Liciniſche Geſetz dieſe Beſtimmungen mit eini⸗ gen Zuſätzen. Aber weder dieſes, noch das Sullaniſche, noch das Aemiliſche hatten einen beſſeren Erfog, als das Fanni⸗ ſche, von dem Athenäus erzählt, daß es unter allen vorneh⸗ men Römern nur drei, nämlich Mucius Scävola, Nutilius Rufus und Aelius Tubero genau eingehalten hätten, und auch dieſe nur, weil ſie Anhänger der ſtoiſchen Philoſophie geweſen wären. Ebenſo wenig richtete Cäſar aus, der die verbotenen Gegenſtände auf dem Markte confisciren und ſo⸗ gar noch von den Tiſchen der Speiſenden wegnehmen ließ. Die römiſche Küche in der Zeit der Ueberfeinerung und Schwelgerei trug keinen originellen Charakter. Einen Haupttriumph ſuchte der graduirte Koch nicht in dem Wohl geſchmacke der Speiſen, ſondern darin, daß er den urſprüng⸗ lichen Geſchmack der Dinge zu vertilgen und mit jedem er⸗ ſcheinenden Gerichte den Gäſten ein neues Räthſel aufzuge⸗ ben verſuchte. Schon die verſchiedenen den Tafelluxus be⸗ treffenden Geſetze führten zu ſolchen Verkünſtelungen, und da die vegetabiliſchen Nahrungsmittel keine Beſchränkung erlit⸗ ten, ſo verwendete man beſonderen Scharfſinn auf ihre Zu bereitung. Selbſt Cicero rühmt den Geſchmack der ſo dreſ⸗ ſirten Malven, Rüben und Schwämme, holte ſich aber auf einem Augurſchmauſe, wo er ihnen fleißig zuſprach, die Dyſ⸗ ſenterie. Bei Martial findet ſich ein Epigramm auf einen Cäcilius, dem es Spaß machte, aus Kürbis allerlei Gerichte, ſelbſt Fiſche und Würſte für ſeine Gäſte fertigen zu laſſen, und Petron's Trimalchio ſagt, als eine gemäſtete Gans und um ſie herum Fiſche und Vögel von allen Arten aufgeſetzt worden waren:Alles dies hat mein Koch aus Schweine⸗ fleiſch gemacht. Es kann keinen prächtigeren Menſchen ge⸗ ben: verlangt man's, ſo macht er aus einer Sautaſche einen Fiſch, aus Speck eine Taube, aus einem Schinken eine Tur teltaube, aus Ochſenfüßen eine Henne. Plinius bemerkt, daß man dem Schweinefleiſch wohl fünfzigerlei Geſchmack ab⸗ gewonnen habe. Auch Horaz ſagt in der Beſchreibung des Gaſtmahls bei Naſidienus: Schalthiere, Vögel, die einen dem bekannten ganz widerſpre⸗ chenden Geſchmack in ſich bargen, und ein Recept im Koch⸗

Wir anderen ſpeiſten Fiſche,

buche des berüchtigten Gourmand Apicius ſchließt mit den

Worten:Wenn du das Gericht auf die Tafel bringſt, wird Niemand erkennen, was er zwiſchen den Zähnen hat. Dies

meint Seneca ebenfalls, wenn er nach Beſchreibung eines

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