Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
746
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waren thöricht genug, zur Schlichtung dieſer Strei⸗ tigkeiten Edward I. als Schiedsrichter anzurufen. Dieſer ergriff mit Eifer die Gelegenheit, ſeine kurz vorher geſcheiterten Abſichten auf das Nachbarreich in anderer Weiſe zu verwirklichen. Um das Ver⸗ mittleramt mit Nachdruck zu üben, erſchien er mit Heeresmacht an der ſchottiſchen Grenze, beſchied die Thronbewerber und die Barone zu einer Unterredung auf Northam und verlangte vor jeder andern Ver⸗ handlung, daß ſie ihm als Oberherrn Schottlands huldigen ſollten. Sein Recht zu ſolcher Würde be⸗ ruhte auf den allerhinfälligſten, zum Theil ſogar frech gefälſchten Titeln. Ueberraſchung, Uneinigkeit und Furcht aller Betheiligten aber bewirkte, daß ſie auf die ſchmähliche Bedingung eingingen. Jetzt ließ Ed⸗ ward vierzig Herren von Balliol und eben ſo viel von Bruce zur Abgabe des Schiedsrichterſpruches er⸗ nennen, denen er vierundzwanzig aus ſeinem eigenen Gefolge hinzufügte. Dieſe Verſammlung erkannte nach jahrelangen Verhandlungen(am November

1292) John Balliol als rechtmäßigen König von Schottland an. Balliol huldigt Edward und überliefert ihm

ſämmtliche feſte Plätze des Landes.

Fortan mußte Schottland und ſein neuer König ſich eine Reihe unerhörter Erniedrigungen gefallen laſſen. Balliol ſelbſt war gezwungen, mehrmals als Angeklagter vor dem engliſchen Parlamente zu erſchei⸗ nen, und ſah ſich in jeder Weiſe als ein Unterthan Edward's behandelt. Ein Aufſtand des gequälten Königs, der ſich auf Frankreichs Beiſtand ſtützte, en⸗ dete mit einer ſchimpflichen Niederlage(1296). Edward entführt den Königsſtein zu Scone, auf welchem die ſchottiſchen Herrſcher gekrönt zu werden pflegten, und der als Palladium des Reichs galt, nach England. Balliol ward im Tower eingekerkert und ſpäter nach Frankreich verbannt, Schottland als ein heimgefalle⸗ nes Lehn behandelt, Warenne zum Statthalter er⸗ nannt, alle bedeutenden Stellen mit Engländern be⸗ ſetzt. Jeder Grundeigenthümer ſoll den Huldigungs⸗ eid leiſten; die Renitenten werden verbannt.

Da erſchlug W. Wallace, ein Mann von nie— derm Adel, aber aus altem Geſchlecht, einen engli⸗ ſchen Bedienſteten, der ihn durch ungerechte Forderung empört hatte. Er flüchtete in die Wälder, ſammelte einen Haufen Geächteter um ſich und verſuchte einen Angriff auf Scone. Oresby, der dem erkrankten Warenne in der Statthalterſchaft gefolgt war, floh nach England, und der Adel erhob ſich zum zweiten Mal in Waffen gegen Edward(1297).

Aber Warenne ſammelt ein Heer von 40,000

Carron zurück.

Mann, Viele gehen zu ihm über. Wallace zieht ſich

Novellen⸗ZJeitung.

mit ſeiner Schaar auf Stirling zurück und nimmt eine vortheilhafte Stellung bei Cambus Kenneth.

Warenne läßt ſich durch Creſſingham zu einem über⸗ eilten Angriff verleiten und wird vollſtändig geſchla⸗

gen. Wallace, zum Regenten an des gefangenen Bal⸗ liol Statt ernannt, dringt, da Edward inzwiſchen durch ſeine flandriſchen Kriege beſchäftigt iſt, in das nördliche England ein. Auf ſolche Nachricht kehrt Edward unverweilt zurück und führt das ganze Reichsaufgebot(angeblich 100,000 Mann) gegen Nor⸗ den. Im ſchottiſchen Lager herrſcht Uneinigkeit. Wal⸗ lace, um die eiferſüchtigen Großen zu verſöhnen und für die vaterländiſche Sache zu vereinigen, entſagt

verwüſtend

der Regentſchaft und dem Oberbefehl des Heeres und

beſchränkt ſich auf die Führerſchaft einer ſich ihm frei⸗ willig anſchließenden Schaar. Die beiden anderen Abtheilungen des Heeres ſtehen unter dem Comman⸗

do Comyn's und Stuart's. Bei Falkirk kommt es zur Entſcheidungsſchlacht(1298). Robert Bruce, (der Sohn des früheren Prätendenten und der Held

unſrer Romanze) kämpft auf dieſem Schlachtfelde noch auf engliſcher Seite. Die Schotten erliegen, doch zieht ſich Wallace mit einem kleinen Haufen über den Hier ſoll er eine Unterredung mit dem jungen Bruce gepflogen haben, die in Letzterem den Entſchluß weckte, ſich zum Rächer und Erretter ſeines Landes aufzuwerfen.

Doch konnte diesmal Edward den Sieg nicht ſo verfolgen, wie er wünſchte. Der Norden Schottlands blieb unerobert. Der großen Armee ward der Man⸗ gel an Nahrungsmitteln empfindlich; ſie zog ſich zu— erſt nach dem Süden und dann über den Tweed zu⸗ rück. Comyn, zum Regenten ernannt(1302), eroberte auch die Lowlands wieder.

Ein vierter Feldzug endlich(1304), auf dem Edward das Landheer durch eine Flotte unterſtützen ließ, zwingt auch Comyn zur Unterwerfung. Edward wüthet nun rückſichtslos gegen alles Schottiſche in Geſetzen, Sitten und Gebräuchen, plündert die Ar⸗ chive und vernichtet Freibriefe und Urkunden, die Zeugniß für Schottlands Unabhängigkeit ablegen könnten. Wallace, der ſich mit den Seinigen noch in den Defilés des Hochlandes gehalten, wird verrathen, nach London geſchleppt und auf Towerhill hingerich⸗ tet(1305).

R. Bruce geht in Edward's Gefolge mit nach England, nachdem er zuvor Comyn ſeine Pläne zur Befreiung Schottlands mitgetheilt hat. Comyn ver⸗ räth, ihn. Aber Edward um Bruce's Brüder mit in das Garn zu Robert, von Freunden gewarnt, entflieht nach Schott⸗ land, ruft den Adel nach Dumfries zuſammen und

verſchiebt die Beſtrafung, locken.

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