Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
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leichte Nebel, welcher ſich als der Mahner an die Vergänglichkeit aller irdiſchen Herrlichkeit verkündigt. Nach einer letzten Ermunterung zum Tanz lichteten ſich die geſchloſſenen Reihen in einzelne Gruppen; in den Prunkgemächern des Fürſtenſchloſſes wurde es ſtill und ſtiller, und bald hatte ſich die zahlreiche glänzende Geſellſchaft im Dunkel der nur noch matt erleuchteten Straßen nach allen Richtungen verloren. Das Rollen der letzten Karoſſen verkündete man⸗ chem Städter das Ende vom Feſte einer Nacht, zu deſſen Vorbereitungen viele Tage ſein Nachdenken in Anſpruch genommen.

An einem der Feldern's Abreiſe vorangehenden Tage wurde er vom Herzoge in einer beſonderen Audienz empfangen. Am Schluſſe der längeren Un⸗ terredung ſagte der Fürſt, ſich erhebend, mit dem wohlwollenden Tone, der ihm das Vertrauen aller derer ſicherte, zu denen er ſprach:Lieber Feldern, ich würde Ihnen meinen Hausorden verleihen, aber ich weiß von Ihnen ſelbſt und vom General v. Felseck, wie Sie früher über dergleichen Auszeichnungen ge⸗ urtheilt haben. Ein Orden muß verdient ſein! Sagten Sie nicht ſo?

Hoheit! ich leugne nicht meine Worte, er⸗ widerte Feldern ſich verbeugend, doch ohne ein Zei⸗ chen von Verlegenheit.

Ich ehre Ihre Anſichten, Herr von Feldern, er⸗ nenne Sie dafür aber zum Landrathe in Ihrem Kreiſe. Er iſt einer der größten im Lande. Ein ſchöner Wirkungskreis für einen thatkräftigen Mann in unſerer Beſſerung aller Zuſtände erheiſchenden Zeit. Ich rechne darauf, daß Sie in kürzeſter Zeit als Zeichen des Verdienſtes nicht ablehnen werden, was Sie als Gunſtbezeigung abzuweiſen jetzt vielleicht nicht Unrecht haben! Reiſen Sie glücklich. Ich höre von General v. Felseck, daß er ſeine liebens⸗ würdige Tochter Ihrer Gemahlin übergeben. Er konnte keine beſſere Wahl treffen, den kleinen Eigen⸗ ſinn, wie man die junge Gräfin hier nenut, der Welt fügſam zu machen. Die Herzogin liebt die junge Dame, weil ſie nach ihrer Anſicht ganz anders iſt als die gewöhnliche Nobleſſe. Aber ſie ſieht gleich mir mit andern Augen die Menſchen an, und er⸗ kennt die Schablone nicht zu Recht beſtehend an, wo⸗ nach man Einen wie den Andern zum Paradeſtück machen will. Grüßen Sie Ihren Schwager Winter⸗ feld. Ich denke ſeiner mit Liebe noch von Heidelberg. Er war ein ſchöner Mann, als er mit dem eiſernen Kreuze geſchmückt aus dem Feldzuge zurückkehrte. Es waren das gute Zeiten, wo man den Guten ge⸗ genüber ohne Rückhalt beweiſen konnte, daß der

Fürſt eben ſo fühlte wie ſie ſelbſt. Noch einmal,

Novellen⸗Zeitung.

reiſen Sie glücklich, lieber Feldern, meine beſten Wün⸗ ſche folgen Ihnen in Ihre ſchöne Heimath. Be⸗ wegt reichte der Herzog Feldern die Hand, als dieſer ſich zur Verabſchiedung ehrerbietig verbeugte.

Gleich dem Zugvogel, der ohne Trauer die Hei⸗ math mit einer andern vertauſcht, ſobald ihm die Ele⸗ mente zum Leben darin fehlen, hatte auch Bertha ſich in Auguſtenau bald zurecht gefunden, ohne Sehnen nach der verlaſſenen Reſidenzſtadt, die ihrem Herzen nicht gab, wonach es verlangte. Der kleine Familien⸗ kreis, in dem Winterfeld ſelbſtverſtändlich wie früher ſo jetzt eine Hauptperſon war, wurde ihre Welt; frei und ohne Anſtoß ſich darin bewegen zu können, war ihr Glück und ließ ſie mit richtigem Gefühl auch bald die Wege erkennen, auch die zu beglücken, die ihr mit ſo warmer Liebe entgegen kamen.

Im Genuß der reinſten Freuden waren den Be⸗ wohnern von Auguſtenau die erſten Sommermonate des Jahres 1830 ohne Störung vorübergegangen, als auch dort wie im übrigen Deutſchland der Hori⸗ zont unter bedrohlichen Anzeichen ſich zu trüben be⸗ gann. Die im Iuli in der franzöſiſchen Hauptſtadt hochauflodernde Revolutionsflamme ſandte ihre ſprü⸗ henden Funken weithin über den Rhein, und noch ehe der Herbſt herankam, hatten ſie bei dem vorhandenen Brennſtoff manches Landſtädtchen, manche Stadt, ja ſelbſt einige Reſidenzſtädte in Deutſchland zündend ergriffen. Revolution aber iſt dem deutſchen Volke ein Gräuel, es denkt ganz allerletzt daran in ſeinen größten Nöthen! Wohl raſſelten hie und da, wie im Königreiche Hannover, die ſchweren Geſchütze über die Heerſtraßen. Reiterei⸗ und Infanteriecolonnen nah⸗ men eine drohende Stellung gegen die Univerſitäts⸗ ſtadt Göttingen, wo die Anführer der hannoverſchen Bewegung, angefeuert durch die Vorgänge in der nahen heſſiſchen Hauptſtadt, ſich verſchanzt hatten. So gefährlich auch, aus der Ferne geſehen, an man⸗ chen Orten die Dinge zeitweilig erſchienen, ſo war der Landfriede doch nach wenigen Monaten durch Conceſſionen von oben und durch Nachlaſſen in den von den Völkern allzuhoe geſtellten Anforderungen faſt ohne Blutvergießen wieder hergeſtellt. Das Jahr 1830 hatte jedoch auch in Deutſchland die ernſte Lehre gegeben, daß, auch ohne von äußeren Feinden bedroht zu ſein, die Throne nicht feſtſtehen, die nicht auf des Volkes Liebe begründet ſind. In ſchimpflicher Flucht kehrte der entartete Nachkomme eines der älteſten und ruhm⸗ reichſten deutſchen Herrſchergeſchlechter ſeiner Haupt⸗ ſtadt den Rücken, unter dem Aufflammen des alten Vaterhauſes ſuchte er den Weg nach des Landes Grenze. Drei andere verließen die Throne, die ihrer bisherigen Machtvollkommenheit keine Sicherheit mehr

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