Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
730
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Ausſichten ſind bis jetzt unbeſtimmt und dunkel ge blieben; nunmehr fangen ſie an, theil zu verändern. Ich werde mit jeder Anſtren⸗ gung meines Geiſtes dem gewiſſen Ziele entgegen gehen. Urtheilen Sie ſelbſt, ob ich es erreichen kann, wenn der angenehmſte Wunſch meines Herzens mei⸗ nen Eifer unterſtützen wird. Noch zwei Jahre, und mein ganzes Glück wird entſchieden ſein. Ich fühle es, wie viel ich begehre, wie kühn und mit wie wenig Recht ich es begehre. Ein Jahr ſchon iſt es, daß dieſer Gedanke meine Seele beſchäftigte; aber meine Hochachtung für Sie und Ihre vortreffliche Tochter war zu groß, als daß ich meinem Wunſche hätte Raum geben ſollen, den ich damals durch nichts un⸗ terſtützen konnte. Ich legte mir die Pflicht auf, Ihr Haus ſeltner zu beſuchen und in der Entfernung Zer⸗ ſtreuung zu finden! Aber dieſer armſelige Kunſtgriff gelang meinem Herzen nicht. Ich ſetze nichts mehr hinzu, als die Verſicherung, daß vielleicht hundert An⸗ dere Ihrer guten Tochter ein glänzenderes Schickſal verſchaffen können, als ich in dieſem Augenblicke ihr verſchaffen kann; aber ich leugne, daß eines Andern Herz ihrer würdiger ſein wird. Von Ihrer Entſchei⸗ dung, der ich mit Ungeduld und furchtſamer Erwar⸗ tung entgegen ſehe, hängt es ab, ob ich es wagen darf, ſelbſt an Ihre Tochter zu ſchreiben.

ſich zu meinem Vor⸗

In Bezug auf dieſen Brief berichten uns Körner und Caroline von Wolzogen, Schwan habe ohne Vor⸗ wiſſen Margarethens Schiller eine ablehnende Ant⸗ wort ertheilt und dieſe durch die Bemerkung zu mil dern geſucht, ſeine Tochter eigne ſich wegen der Ei⸗ genthümlichkeit ihres Charakters nicht für Schiller. Allein erweislich verhält die Sache ſich anders. Dem Briefe Schiller's, der ſich noch im Beſitze der Schwan' ſchen Familie befindet, und in Götz'Geliebten Schatten im Facſimile abgedruckt iſt, hat Schwan die Notiz beigeſchrieben:Laura und Schiller's Re⸗ ſignation iſt Niemand anders als meine älteſte Tochter. Ich gab derſelben dieſen Brief zu leſen und ſagte Schillern, er möchte ſich an meine Tochter wenden. Warum aus der Sache nichts geworden, iſt mir ein Räthſel geblieben. Die erſtere Behauptung iſt ein Irrthum, wozu Schwan verleitet wurde, weil er auf Schiller's Worte hin, die doch nur eine etwas

ſophiſtiſche Entſchuldigung ſeines früheren Beneh⸗ mens ſind, an eine jahrelang genährte und gewalt⸗ ſam bekämpfte Leidenſchaft glauben mochte. Dem,

der die Gedichte an Laura, zumal in ihrer älteſten Geſtalt, geleſen hat, braucht man das nicht erſt zu beweiſen; was hat wohl das unſchuldige Mädchen mit derEntzückung oder demGeheimniß der Remi⸗ niscenz oder gar mit einerFreigeiſterei der Leiden⸗

ſehr wehe (recht,

Novellen⸗Zeitung.

ſchaft zu ſchaffen? An Margarethe hat Schiller nie⸗

mals geſchrieben.

Sie fühlte jedoch eine warme Zu⸗

neigung für ihn und hat deſſen gegen ihre Vertrau⸗

ten kein Hehl gehabt, daß ihr gethan hat. Schiller wenn er einige Jahre ſpäter, Schwan's einen Gruß der Tochter enthielt, die Worte erwidert:Alſo ſtehe ich doch noch bei ihr in eini⸗ gem Andenken? In der That, ich muß erröthen, daß ich es durch mein langes Si

diene.

als ein Brief

Als er im Jahre 1793 in ſeine Heimath reiſte, beſuchte Margarethe ihn und ſeine Gattin; dieſe fand ſie ſehr liebenswürdig und erzählte ihrer Schweſter,

Margarethe ſowohl als Schiller ſeien beim Wieder⸗ ſehen ſehr bewegt geweſen. verheirathete ſich dater und ſtarb im 36. Jahre au den Folgen einer Niederkunft. In Schiller's Dichtungen iſt ihre Spur nicht zu finden, und von einervereitelten Liebes⸗

Sie

und Lebenshoffnung kann alſo gar nicht die Rede ſein.

Das Räthſel dürfte indeß ganz einfach zu löſen Der Brief war eine Uebereilung. Es noch rathlos hin und her ſchwankenden Jüng

ſein. dem

ling mit ſeiner Bewerbung ebenſo wenig Ernſt, wie

mit der Wiederaufnahme der medieciniſchen Studien; es war keine Herzensſache. Er ſehnte ſich jedoch nach einer unabhängigen, ſorgenfreien Exiſtenz, und in dem Briefe an Schwan liegt die Erwartung ver⸗ ſchleiert ausgeſprochen, daß dieſer ihm mit der Ein⸗ willigung in ein Verlöbniß dazu auf eine reellere Weiſe die Hand bieten möge, als deſſen Antwort⸗ ſchreiben hoffen ließ. Daher ſein Schweigen auf Schwan's Vorſchlag, weil die Freundſchaft mit Kör⸗ ner ihm über Erwarten alles das gewährte, was er wünſchte, ſorgenloſe Muße zum Dichten, zum freien geiſtigen Schaffen. In dieſem einzigen, höchſten Ver⸗ langen vereinigt ſich Alles, was Schiller vom irdi⸗ ſchen Daſein begehrt. Nur dann iſt er unglücklich, wenn ihm die Befriedigung deſſelben durch die Schran⸗ ken des Irdiſchen, durch den Druck der Lebensver⸗ hältniſſe verkümmert wird. Frauenliebe nahm, bis er ſie durch ſeine Braut und Gattin ken nen lernte, in der Scala ſeiner Wünſche eine ſo untergeordnete Stellung ein, daß er nicht lange vor ſeiner Verlo⸗ bung noch an ſeinen Körner das offenherzige Be⸗ kenntuiß ausſprach: nes Jahres eine Frau von 1200 Thalern verſchaffen, mit der ich leben, an die ich mich attachiren könnte, ſo wollte ich Dir in fünf Jahren eine Fridericiade, eine claſſiſche Tragödie und ein halbes Dutzend ſchẽ⸗ ner Oden liefern.

Das glückliche Geſchick, welches Schiller's Leben

war

Schiller's Schweigen ſelbſt fühlte ſein Un⸗

illſchweigen ſo wenig ver⸗

Könnteſt Du mir innerhalb ei⸗

zuſamer erfimm

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