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Novellen
Die Gäſte waren verſammelt. Schon hatte Je⸗ der Feldern einen Glückwunſch zum Geburtstage dar⸗ gebracht, als der Schulze an der Spitze der Ortsvor⸗ ſtände vor ihn hintrat. Er war ein ganz anderer als vor neun Jahren, gleich ſeinen nicht viel jünge⸗ ren Collegen, bot er in ſauberer Kleidung, mit dem vollen weißen Haar, den dreieckigen Hut in der weiß behandſchuhten Rechten, eine Achtung erregende Er⸗ ſcheinung.„Herr Baron!“ nahm er das Wort— „Gott hat uns auch in dieſem Jahre wieder reich ge⸗ ſegnet durch unſere Ernte. Wir haben ihm gedankt heute in der Kirche. Aber wir danken jetzt auch Ihnen dafür, daß Sie uns auf den rechten Weg geleitet, den uns früher kein Menſch gezeigt hat. Gott der Herr laſſe Sie den heutigen Tag noch viele Jahre erleben, uns zum Segen und Ihnen zum Glück 5
das iſt der herzliche Wunſch der ganzen Gemeinde!“
Feldern dankte dem alten Manne in ſeiner herz⸗ gewinnenden Weiſe, dann nahm er deſſen Hand und führte ihn zu Anna's heutigem Geſchenk, dem er⸗ wähnten Oelgemälde, welches nach ſeiner Anordnung den Platz über dem Marmorgeſims des alterthüm⸗ lichen Kamines im Speiſeſaale erhalten hatte.
„Herr Schulze!“ ſprach Feldern,„betrachten Sie einmal das Bild da, ſehen Sie genau hin, wen er⸗ kennen Sie da?“
Der alte Mann betrachtete abwechſelnd bald das Bild, bald den lächelnd neben ihm ſtehenden Baron. Endlich machte er gegen dieſen eine letzte Wendung mit dem Ausrufe:„Das ſind ja der Herr Baron wie Sie leiben und leben!“
„Richtig, aber wen erkennen Sie weiter, lieber Schulze?“. b
„Nun,“ entgegnete der Gefragte nach einem neuen Blick auf das Bild,„unſer guter Herr Pfarrer iſt der Andereé, wer von uns ſollte denn auch nicht den lieben Herrn erkennen!“
„Jetzt betrachten Sie aber auch den dritten Mann, der da nicht weit vom Pfarrer hochaufgerich⸗ tet ſteht mit dem vollen Glaſe in der Hand 14
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Feldern zeigte noch mit dem Finger, als der Greis ausrief:„Ich glaube am Ende gar“— und zu einem der nähergetretenen Dorfälteſten ſich wendend— „Mathies! ſchau doch mal hin, das ſoll wohl gar ich ſelber ſein!“
Als nun aber Mathies nickte, fuhr der Schulze mit der Hand über die Augen und wandte ſich wie⸗ der zum Baron:„Aber ſprechen Sie doch, gnädiger Herr! wer das Alles ſo gar ſchön gemacht hat?. Ach! wenn das meine Alte erfährt— ſo viel Ehre mein
eigenes Abbild hier im herrſchaftlichen Staatszimmer! ach, meine Anne Baͤrbe ſie wird mir hochfährig vor
blühender Geſundheit, ſehen Sie die Künſtlerin an,
fehlte.
Zeitung.
Stolz, wenn ſie das gewahr wird. macht, Herr Baron?“ „Da ſteht die Künſtlerin lebendig vor Ihnen in
Aber, wer's ge⸗
ob Sie ſie kennen,“ und Feldern führte Anna dem alten Manne gegenüber.
„Das ſchöne Fräulchen da, lieber Gott! wer hätte daran gedacht, wenn es in der letzten Krank⸗ heit im Dorfe die Nothleidenden beſuchte mit dem Speiſekörbchen am Arme, und Hülfe brachte, wo es Wer hätte da daran gedacht, daß der Schutz⸗ engel da noch ſoviel mehr ausrichten könnte!“
„Und wiſſen Sie denn, lieber Schulze, wer die ſchöne Dame eigentlich iſt?“
„Nun, ich meine doch unſeres lieben Herrn Pfar⸗ Schweſter, Gott ſegne ſie!“
„Ja, das iſt ſie auch, aber ſie iſt jetzt noch et⸗ anderes, können Sie rathen?“
Der Schulze aber drehte ſich hin und her, und horchte hier und dorthin, ob nicht Jemand aus der Geſellſchaft ihm etwas zuflüſtern würde.
Da löſete ihm endlich Feldern das Räthſel, in⸗ dem er lächelnd ſagte:„Das ſchöne Fräulein Anna Winterfeld iſt meine verlobte Braut.“
Sprachlos wie der Greis ſtanden längere Zeit auch ſeine Amtsgenoſſen da, als ob ihnen Jemand eine Geſchichte erzählt hätte von einer bezauberten Prinzeſſin. Als jedoch Feldern und Anna unter einem freundlichen Kopfnicken dem Greiſe die Hand reichten, da hielt er ſie lange in der ſeinigen, bis ſich ſeinen Lippen die Worte entrangen:„Gott ſei gelobet und gedankt, daß unſer aller Wunſch ſich erfüllt hat. Seitdem das ſchöne Fräulein mit dem Herrn Bruder zu uns gekommen, haben wir immer gedacht und ge⸗ ſagt— das wäre die rechte Frau für unſeren Herrn Baron!“
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was
So war alſo die Verlobung öffentlich verkündigt,
die bisher außer dem Inſpector, Feldern's langjähri⸗ gem gediegenem Freunde, den Uebrigen noch ein Ge⸗
heimniß geblieben war.
Es verſtand ſich von ſelbſt, daß die ſchöne Braut den Schulzen zur Tafel fuüͤhrte, daß ſie auf dem Platze zwiſchen ihm und Feldern es ſich mit dieſem angelegen ſein ließ, dem alten Manne das Tafeln ſo angenehm und bequem als möglich zu machen.
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Es war um einen Monat ſpäter, als, wie das auf dem Lande Sitte iſt, auch Feldern's Vermählung an einem Sonntage in der Dorfkirche ſtattfand. Ohne Schaugepränge, ohne Staatskaroſſe und nachfolgende Equipagen, führte der Baron zu Fuß ſeine ſchöne
Braut zur Kirche. Das im Innern ganz neu herge⸗
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