Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
712
Einzelbild herunterladen

71²

Da naht ein Sturm mit wilden Mähnen, Ein feſſelloſes, ſtolzes Roß,

Reckt jetzt das Meer die Wellenglieder, Wuthſchäumend hebt ſich der Koloß.

Und um das blühende Geſtade

Brüllt laut das wild empörte Meer, Und wälzt das mächt'ge Schaumgebirge Vernichtend rings darüber her.

Wo einſt im ſüßen Gottesfrieden

Das Eiland ſchwamm in Hoffnungsgrün, Da gähnt ein Schlund in ſeinen Tiefen Die Waſſer finſter murmelnd ziehn.

Vergehn, Vergehn, wohin ich blicke, Vernichtung, wo Entſtehung kaum, Spurlos, ſo wie ein Klang verzittert; Iſt Erdenglück denn nur ein Traum?

Doch Eines bleibt in Sternenbogen Baut ſich's durch's große Weltall fort: Das ſind die geiſt'gen Monumente, Des Denkers allgewaltig Wort!

Literariſche Briefe von Otto Banck.

Culturbilder aus Hellas und Rom. Von

Dr. Hermann Göll. Leipzig, bei Wiedemann.

Gewiß wird es Ihnen nicht aus dem Gedächt⸗ niß entſchwunden ſein, daß ich oft in Bezug auf Cul⸗

turfragen mit Bitterkeit mehrere Male darüber ge⸗

klagt habe, wie groß unſer literariſcher Mangel an

ſolchen populär gehaltenen Forſchungen iſt, welche

ſich über die ſpeciellen Lebenszuſtände, Sitten, Ge⸗ bräuche, Trachten, Handwerke, Staatseinrichtungen und was in bunter Reihe der Dinge mehr ſind

in Bezug auf die antiken und mittelalterlichen Zei⸗ ten anſchaulich verbreiten. Während in anderen lite⸗ rariſchen Gebieten ſo viel leeres Stroh zum Aerger⸗ niß der Oeffentlichkeit und aller guten Geiſter aber mals auf der Tenne armſeliger Speculation gedro⸗ ſchen worden iſt, hat man in den Aehren der alten Schriftſteller das Korn unangerührt gelaſſen, da es

freilich auch hier viel mehr Mühe macht, die Spreu

von dem Weizen zu ſcheiden; wer ſtatt deſſen nur

Spreu verkaufen kann, kommt allerdings mit mehr

Bequemlichkeit davon.

Die culturgeſchichtliche Ernte aus den alten

Schriftſtellern iſt uns zwar auf eine beklagenswerthe und niemals zu erſetzende Weiſe ſo ſchwierig oder

Novellen⸗Zeitung.

gar dürftig gemacht worden, daß man daran ver⸗ zweifeln könnte, gewiſſe Punkte aufzunehmen, gewiſſe Fragen zu erheben, und doch gehören gerade oft dieſe Fragen zu den alleralltäglichſten. Bei dem Brande der alexandriniſchen Bibliothek ſind eben ſo viel ſtaats⸗ ökonomiſche, hiſtoriſche, naturkundliche und, wenn man den Ausdruck geſtatten darf, antik⸗ſocialiſtiſche Werke ganz oder theilweiſe zu Grunde gegangen, daß wir die darin enthaltenen Facta nicht mehr aus den anderen übrig gebliebenen Fragmenten zu ergänzen im Stande ſind. Uebrigens bin ich, beiläufig bemerkt, der Ueberzeugung, daß ſich bei gründlicher Durchſuchung von Klöſtern, Privatbibliotheken und fürſtlichen Rum⸗ pelkammern im Morgenlande noch mancher Schatz finden wird, den wir noch nicht beſitzen und der in den erſten Jahrhunderten des orientaliſchen Kaiſer⸗ thums dorthin zerſtreut wurde. Ziemlich vergeblich ſind dagegen die Hoffnungen geweſen, welche man einſt auf die Ausgrabung Pompeji's ſetzte, und es iſt zu fürchten, daß es hinſichtlich Hereulanums ebenſo geht, wenn man wirklich den neuen Plan noch aus⸗ führen ſollte, mit Milliarden von Meißelſchlägen jene feſte Baſaltlage hinwegzuſchaffen, welche in die alte Stadt eingefloſſen und darin erbärtet iſt, wie die Bronze in die Thonform des Gießers.

Aus dem vorliegenden Werke Göll's erſehen Sie jedoch, daß auch ohne all' die wünſchenswerthen neuen Auffindungen von Schriftſtücken das vorhan⸗ dene Material der alten Proſaiker, Dichter und auch ganz beſonders das der Künſtler und Handwerker für den fleißigen Compilator von Geiſt und Umſicht eine ſehr ergiebige Ausbeute zu liefern vermag. Der Verfaſſer hat für alle Theile des Publicums ein Werk dargeboten, das jeder Gebildete auf das Wärmſte willkommen heißen muß. Er erörtert da⸗ rin die weſentlichſten Specialpunkte römiſcher wie griechiſcher Culturzuſtände. Seine Darſtellungen ha⸗ den den großen Vorzug, daß ſie nicht das Stigma jener krankhaften Schwindelei an ſich tragen, welche heutigen Tages Alles zu moderniſiren, pikant zu ma⸗ chen und mit einer Sauce einzukochen ſucht, die dem urſprünglichen Gericht allen eigenen Geſchmack raubt und das beſte Kraftſtück, den echten homeriſchen Naturbraten des am Spieße bereiteten ganzen Thie⸗ res, zu einem elenden ſüß⸗ſauren Ragout zerhackt und

für die degradirten Geſchmacksnerven mit ſerviler Coketterie anrichtet. Göll dagegen ſtellt einfach ge⸗ ſund und nach den Quellen dar; ich gebe Ihnen hier nur eine kleine Schmeckprobe von kurz zuſam⸗ mengezogenen Einzelheiten über das Gauklerweſen in der antiken Welt.

Betrachten wir, ſagt der Autor, die Leiſtungen

ſeine Stele tet Plinius N 200 Pfund be und 400 Pfan ufgetragent ha vibuten Athan do 500 Pfund ſchuhen uͤber d tong der Riei beu, und der ſtehlichen Gech an jedem Fi lIſurpator Fün die Bruſt ſetze ſhlagen, dn d gemacht hader Leibesſtäͤrke, eigt wurde. ebenfalls zur ren Gewichten ſtomos kann nicht verſage ſchreibt er, undeweglich Und diss iſt ſn nat we einandet ng ein andeter Stirne haͤlt

Auch di unerläßliche der Dichte auf den( de Gaukle An und m. wachſenden Spige n frei in de wieder au