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ner faſt neunjährigen Wirkſamkeit. Dankbar aber er⸗ kannte er auch die gewiſſenhafte Mitwirkung ſeines treuen Inſpectors. Feldern’s Ritt hatte den Zweck, noch einmal zu prüfen, ob ſeine Schöpfung ein der Geliebten würdiges Geſchenk ſei.—
Endlich zeigte ihm die Uhr, daß er faſt vier Stunden unterwegs war. Da hielt er von einem Hügel in der Nähe des Dorfes, den er, mit einem Pavillon gekrönt, ſein„Belvedere“ nannte, die letzte Umſchau über ſein reiches Beſitzthum und wandte mit Genugthuung ſein Pferd zur Rückkehr. Es ſchlug 9 Uhr, als er den Schloßhof erreichte.
Nachdem er den beſtaubten Anzug mit einem andern vertauſcht, begab er ſich in das Speiſezim— mer, wo das Frühſtück ſeiner wartete. Er überflog dabei die unterdeſſen vom Poſtboten gebrachten Zei⸗ tungen, bis ihm die paſſende Stunde zu dem Gange gekommen ſchien, zu dem er ſich durch den Morgen⸗ ritt ſo ganz eigenthümlich vorbereitet hatte.
Mit Vertrauen im Herzen ſchritt er den vom Schloßgarten nach dem Pfarrhauſe ſich windenden Kiespfad hinab. Feldern war um manches Jahr älter als Anna, aber er war ein ſchöner Mann. Der Ernſt auf ſeiner hohen Stirn deutete darauf hin, daß jede ſeiner Handlungen die Frucht reiflicher Ueberlegung war, aber der wohlwollende Zug um den feingeſchnittenen Mund und der freundliche Blick ſeines großen, blauen Auges verrieth dem Menſchen⸗ kenner, daß nur edle Grundſätze bei ſeinen Unter⸗ nehmungen maßgebend waren. Er war überall gern geſehen, wo er früher in der vornehmen weiblichen Welt erſchien, und es würde ihm leicht geworden
ſein, bei ſeinem Vorzügen, eine Lebensgefährtin
in den höchſten und reichſten Häuſern der Reſidenz zu finden. Aber ſeine im Umgange mit der vor⸗ nehmen Welt gewonnenen Lebensanſichten hatten eine Richtung genommen, daß er bei den mit den Frauen ſeiner Bekanntſchaft angeſtellten Verglei⸗ chen mit wenigen Ausnahmen eine derſelben wie die andere fand. Wo er bei der einen dem Geiſte zeit— weilig gehuldigt, vermißte er das Gemüth, und wo er das letztere einmal erkannt hatte, da gebrach es wieder an jeglichen Begriffen über die eigentliche, über die hohe, edele Beſtimmung des Weibes. Wohl fühlte er das Bedürfniß der Liebe. War doch die Liebe bislang die Triebfeder aller ſeiner Handlungen geweſen. Aber das ihm vorſchwebende Ideal hatte er erſt in Anna gefunden. Nachdem er fie Monate lang täglich, oft ohne daß ſie eine Ahnung davon hatte, in ihrem geiſtigen und häuslichen Walten beobachtet, aus der Weiſe, wie ſie für Arbeit und Erholung
immer die rechte Zeit fand, den Grundton der Har⸗
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monie erkannt, aus welcher die zärtliche Liebe der Geſchwiſter ſtets neuen Zuwachs erhielt, da wurde Anna mehr und mehr der Gegenſtand ſeiner Sehn— ſucht; er fühlte, daß er nie eine Andere als Anna zur Gattin erwählen konnte.
Feldern’s Herz klopfte raſcher, als er jetzt den kleinen Blumengarten betrat, wo er ſo oft, wachend und in ſeinen Träumen, neben Anna verweilt. Die Thür des epheuumrankten Vorbaues ſtand offen, ſo auch die Thür des Wohnzimmers, welche nach der Haus⸗ flur führte. Er konnte nicht vorüber, ohne einen Blick hineinzuwerfen, aber er konnte auch nicht wei— tter gehen, denn im Hintergrunde des Zimmers, neben einem halbverhüllten Fenſter, ſaß Anna vor ihrer Staffelei; prüfend weilte ihr Auge auf der unter aorer Hand hervorgehenden Schöpfung. Sie hatte Feldern's Kommen nicht bemerkt. Auf ſeinen freund⸗ lichen Morgengruß warf ſie ein Tuch über den Rah⸗ men und erhob ſich raſch zu ſeinem Empfange.
„Darf ich wiſſen, Fräulein Anna, welcher Ge— danke Sie leitet bei dem Entwurf und der Ausfüh⸗ (rung des Werkes dort, welches nach dem äußeren Umfange von allen den ſchönen Bildern und Skiz⸗ zen, die ich bisher von Ihnen geſehen, eins der be⸗ deutendſten zu werden verſpricht?“
„Nicht heute, Herr v. Feldern! doch hier mein Hand zum Verſprechen, daß Sie nach der Vollendung
vorſtelle.“—
„Ich füge mich dieſem Ausſpruche, der ſo ehren voll für mich iſt;“ dabei behielt er die Hand, di Anna ihm zu entziehen nicht den Verſuch machte, und
mit leiſerer Stimme fuhr er fort:„Ich komme „Nein, Herr v. Feldern! Sie ſind ſchon da,“ unter⸗
brach ihn lächelnd das ſchöne Mädchen, betroffen von der faſt ſchüchternen Anrede im Tone einer Stimme,
die ſie am Baron nicht gewohnt war.
„Nun wohl, ich bin da, um Sie offen, wie es
einem redlichen Manne geziemt, zu fragen: ob ich die Hand, die ich jetzt halte, für immer mein eigen nen⸗
nen darf, ob Sie als meine Gattin das Leben mit mir theilen wollen mit Allem, was ich beſitze, was
ſonſt nur geringen Werth für mich behält?“
Manche Andere würde in Anna's Lage, bei die
ſem ſo überraſchenden Antrage, ausweichend, vielleicht mit der Bitte um Aufſchub der Entſcheidung, geant⸗ wortet haben, während doch das Jawort ſchon in ſchlagenden Herzen jubilirte. Anna ſah mit ihren reinen, klaren Blicke dem Baron in das glänzende Auge ohne ihm die Hand zu entziehen. Wohl kannte ſi längſt Feldern's Werth, während ſie auch den eignen nicht unterſchätzte. Ihr Auge weilte auf den Zügen
der Erſte ſein ſollen, dem ich es zur Beurtheilung


