Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
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ſelben auch das Romantiſche, was es von jetzt für

uns intereſſant macht.

Als Eugen Devine zwanzig Jahr alt war, be⸗ gleitete er ſeinen Stiefvater nach Rouen, wo derſelbe der Hinrichtung der Madame d'Eſtrées beiwohnen wollte. Die Geſchichte dieſer Dame iſt höchſt merk würdig und das ihr drohende Geſchick war ein ſchreck liches. Sie hatte als ein junges, ſchönes, bezaubern⸗ des Mädchen einen alten, reichen Mann, den könig⸗ lichen Generalpächter, Herrn d'Eſtrées, geheirathet. Sie wurde zu dieſer Verbindung von ihrem Vater Marin, der ſich in einer ſehr bedrängten Lage fand, gezwungen, wie ja ſo oft arme Eltern eine ſchöne Tochter dem Reichthum zum Opfer bringen. Zwei Monate nach dieſer Vermählung des häßlichen Al

ters mit der jugendlichen Schönheit erkrankte Herr

d'Eſtrées nach dem Genuſſe einer ſehr bedenklichen Weiſe. Aerztliche Hülfe ver⸗ mochte nichts gegen ſein Uebel. Mit dem Ausruf: Ma femme, ma femme m'a empoisonné le café le café! der ſeine junge Gattin ſeines Mordes anklagte, athmete der Greis ſeinen letzten Hauch aus. Madame d'Eſtrées betheuerte ihre Un ſchuld, doch ſie wurde ſofort verhaftet und ins Ge⸗ fängniß geſetzt, und es folgte darauf eine lange Un⸗ terſuchung, um über dieſen Vorfall Licht zu verbrei⸗ ten. Die angeklagte Wittwe war die einzige Perſon, die mit ihrem Gatten das Frühſtück genoſſen hatte und die ein geſchmackloſes Gift in ſeinen Kaffee ge⸗ miſcht haben konnte. Ein gewiſſer Eduard Cazo war in den letzten Tagen vor dem Morde öfters geſehen worden, wie er ſich in der Nähe des Hauſes herum- trieb, doch Niemand hatte geſehen, daß Madame d'Eſtrées ſich je mit dieſem Manne unterhalten hatte. Das Dienſtmädchen Fanchette Le Blanc hatte das Frühſtück ſervirt. Auf dieſe war indeſſen kein Ver⸗ dacht gefallen und das umſoweniger, weil ſie die per⸗ ſönliche Dienerin der Madame war, welche ſie aus Havre⸗ de⸗Grace, ihrem Geburtsorte, mitgebracht hatte.

ſeines Frühſtücks in

Es ſtellte ſich indeſſen heraus, daß Fanchette und Cazo ein Liebespaar waren, und obgleich es Nie mandem in den Sinn kam, ihnen die Vergiftung ſchuld zu geben, ſo faßte Eugen Devine doch gegen ſie Verdacht, ja, er fühlte ſich ſogar mit einer ſeltſa⸗ men Gewißheit von ihrer Schuld überzeugt. Eugen Devine hatte Madame d'Eſtrées als Mädchen ge kannt und ſie leidenſchaftlich geliebt. Ihr grauſames Geſchick ging ihm daher doppelt zu Herzen. Er hatte einſt einem gewiſſen Arzte, Namens Courtrai, der am franzöſiſchen Hofe prakticirte, das Leben gerettet, und dieſer, um ſeinem Lebensretter, deſſen vorzügliche

Novellen⸗Zeitung.

Geiſtesanlagen er kennen lernte, ſeine Dankbarkeit zu be⸗ weiſen, ließ ihn auf ſeine Koſten in der Ecole de Medecine in Paris Medicin ſtudiren, wo der junge

Mann ſo reißende Fortſchritte machte, daß ſeine Pro⸗ feſſoren ihm die größten Lobſprüche ertheilten und ihm eine glänzende Zukunft vorher ſagten. Der Stu⸗ dent der Arzneikunde verliebte ſich ſterblich in Fräu lein Joſephine Marin, die ſpätre Madame d'Eſtrées, und dachte an nichts mehr als an ſie. Je mehr er über die gegen ſie gerichtete Anklage nachdachte, deſto ſtärker wurde ſein Glaube an ihre Unſchuld, und in ſeiner vollen Ueberzeugung davon faßte er den Vorſatz, Alles aufzubieten, um vielleicht ihre Un⸗ ſchuld an den Tag bringen zu können.

Die Geſchichte ſeiner wiederholten Anſtrengun⸗ gen, die ſich ſchließlich als erfolgreich herausſtellten, gleicht einer höchſt anziehenden Novelle. Zuerſt knüpfte er mit den Aerzten, welche den Fall kannten, Be⸗ kanntſchaft an und er bemühte ſich, ſie von ſeiner Ab⸗ ſicht zu überzeugen, daß kein andres Gift gebraucht ſein könnte, als das damals ſehr bekannte und ge⸗ fürchtete ſogenanntepoudre de succession, das aber nur in Paris und auch dort nur beit zwei Perſonen zu erlangen war. Es war durchaus nicht wahrſchein⸗ lich, daß Madame d'Eſtrées ſich in den Beſitz dieſer Subſtanz hatte ſetzen können. Devine nicht, die Aerzte zu ſeiner eigenen Ueberzeu⸗ gung zu bekehren. Ein zufälliges Zuſammentreffen mit Fanchette, die ihm gegenüber in große Verwir⸗ rung kam, beſtärkte ihn in ſeinem Glauben an die Schuld dieſes Mädchens. Sie war nach ſeiner An⸗ ſicht von Cazo, mit dem Joſephine Marin als armes Mädchen verlobt geweſen war, beſtochen worden, in die Taſſe des Herrn d'Eſtrées das Gift zu thun, ohne Zweifel weil Cazo auf dieſe Art in den Beſitz des Reichthums und der Wittwe des Generalpäch⸗ ters zu gelangen hoffte. Da es indeſſen Devine nicht gelang, den Beweis für die Unſchuld der Ma⸗ dame d'Eſtrées herbeizuſchaffen, ſo wandte er ſich zu⸗ letzt an ſeinen Wohlthäter, den Doctor Courtrai, um ihn zu beſtimmen, ſeinen Einfluß am Hofe geltend zu machen und die Begnadigung der zum Tode Ver⸗ urtheilten zu bewirken. Wir laſſen nun Eugen De⸗ vine ſelbſt ſprechen..

Der Tag, an dem die Hinrichtung feſtgeſetzt war, dämmerte. Herr Tricard und ich, die an dem vorhergehenden Abend in Rouen angekommen waren, ſtiegen frühzeitig auf. Bedarf es wohl der Erwäh⸗ nung, daß ich ſeit der Abreiſe des Herrn Courtrai nach Paris nicht mehr geſchlafen hatte? Doch ſo frühzeitig wir auch aufſtiegen, ſo war die Bevöl⸗ kerung von Rouen doch eben ſo früh munter, und

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Es gelang indeſſen

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