Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
694
Einzelbild herunterladen

694

Es war um die Weihnachtszeit, als Winterfeld's Zuſage eintraf, und es wurde die Verabredung ge⸗ troffen, daß der Freund, nachdem die noch zu be⸗

obachtenden Formalitäten erledigt, am kommenden

Pfingſtfeſte die Antrittspredigt zu halten, in der vor⸗

angehenden Woche aber in Auguſtenau einziehen ſollte. Bis dahin ſollte auch ſtatt der alten bau

fälligen die neue Pfarrwohnung eingerichtet ſein. Der Baron hatte dazu die Wohnung des früheren Rentbeamten auserſehen, deſſen Geſchäfte in die Hände genommen. Es war ein anſtändiges Haus, das ſich wie ein Feenſchlößchen widerſpiegelte in den klaren Gewäſſern eines Weihers, der dem Parke mit ſeinen ſchönen alten Bäumen zum be⸗ ſondern Schmucke gereichte.

In dem Garten, der vom Gutsherrn der Pfarr⸗ wohnung beigegeben war, prangten die Obſtbäume in reichem Blüthenſchmuck. Das Frühlingslied der Nachtigallen ertönte aus den Gebüſchen am Weiher, als Feldern an einem Frühmorgen über die für den Freund getroffene häusliche Einrichtung die letzte Rundſchau hielt. Er war zufrieden mit dem, was geſchehen, und nach Winterfeld's ihm bekannten An ſichten über beſcheidene häusliche Einrichtung glaubte er zu deſſen Zufriedenheit gewaltet zu haben. Dann ſtieg er wie gewöhnlich zu Pferde, ritt durch die Flu ren und von dort in den Wald, und als er auch hier alles nach Wunſch gefunden, kehrte er gegen Mit⸗ tag auf den Wege zurück, der durch das Dorf zum Herrenhauſe führte. Auch da hatte er ſeine Freude. Alles war auf den Gehöften wohl geregelt. Da ſtanden die ungebrauchten Wagen, die vordem in wildem Durcheinander allem Wetter preisgegeben waren, unter feſten Schuppen geborgen. Die aus dem Felde heimkehrenden Bauern und Knechte fuh ren Pfluͤge und Eggen in Reihen geordnet im Hofe auf. Pferde und Geſchirr waren vom beſten Anſehen. Freundlich die Grüße der Landleute erwidernd, über⸗ all prüfend, ritt Feldern langſam durch die Gaſſen. Er freute ſich über alles Gute, was er ſah, und er durfte ſich ſagen, daß es mehr oder minder ſein Werk war, was er erblickte.

Unter den letzten Vorbereitungen zum Empfange des neuen Pfarrherrn war endlich die Pfingſtvor⸗ woche gekommen. Winterfeld kam, und mit ihm eine Schweſter, dem Bruder an Schönheit ähnlich, aber verklärt durch weibliche Anmuth. Der Freund hatte ihm wohl einmal erzählt von einer jüngeren Schweſter, die mit inniger Liebe an ihm hänge, aber nie hatte er von ihrem Aeußeren geſprochen. Ueber⸗ raſcht bei dem Anblick einer ſo ungewöhnlichen Schön⸗ heit, war Feldern der jungen Dame behülflich bei

.

Novellen⸗

er ſelbſt

4

Zeitung.

dem Ausſteigen aus dem Wagen, den er bis zur nächſten Station entgegen geſchickt. Faſt befangen erwiderte er die herzliche Anſprache des Freundes. Mit einer ihm ſonſt nicht eigenen Gemeſſenheit führte er das Geſchwiſterpaar in die neue Häuslichkeit ein. Die gewohnte Unbefangenheit fand Feldern erſt wieder, als Anna, wie ſeine ſchöne Begleiterin vom Bruder bei der Vorſtellung genannt wurde, auf der Wanderung durch alle Zimmer und Räume, die bei der Küche und einer reichlich verſehenen Speiſe⸗ kammer das Ende genommen, ſcherzend das Urtheil fällte, daß ſelbſt die erfahrenſte Hausfrau nicht beſ⸗ ſer geſorgt haben würde.Wie man das lernt, mein Fräulein, wenn man acht Jahr als Junggeſell ge⸗ wirthſchaftet hat, werden Sie ſpäter Gelegenheit ha⸗ ben in der Einrichtung meiner eigenen Häuslichkeit zu erkennen, und es wird mir zur Freude gereichen, auch da von Ihnen eine nicht ungünſtige Meinung zu hören, ſagte Feldern lachend, als man zu dem während der Beſichtigung von ſeiner Dienerſchaft ſervirten Frühſtück in die Wohnſtube zurückkehrte.

Schon während der erſten Tage nach der Aukunft, an denen Winterfeld und ſeine liebenswürdige Schwe⸗ ſter noch die Gäſte an des Gutsherrn Tiſche waren, lernte er die hohe geiſtige Begabtheit kennen, welche Anna zu einer Zierde ihres Geſchlechtes machte. Sie gereichte dem ſchönen Mädchen um ſo mehr zur Em⸗ pfehlung, als die im Laufe der Unterhaltung von Anna gefällten Urtheile mit derſelben Beſcheidenheit gegeben wurden, wie ſie dem Bruder eigen war. Bei Feldern's ſcharfer Beobachtungsgabe konnte es ihm nicht entgehen, daß Anna's geiſtige Bildung zum größ⸗ ten Theile das Werk des Bruders war, von dem ſie, wie an äußerer Schönheit, auch in Geſinnung das treue Ebenbild war.

Feierliches Frühgeläut verkündete den Morgen des Pfingſtfeſtes. Ueber dem freundlichen Dorfe dehnte ſich der blaue Himmel; nicht durch das kleinſte Wölk⸗ chen behindert ſandte die goldene Sonne ihre beleben⸗ den Strahlen auf die ſaat- und waldgrüne Umgegend. Maienbäume und Blumengehänge, mit denen wie die Kirche auch die Häͤuſer des Dorfes bis zur klein⸗ ſten Hütte geſchmückt waren, verbreiteten einen friſch belebenden Duft. In den Häuſern war es rege; Alt und Jung legten den beſten Feſtſtaat an. Manche ſtanden ſchon in den Thüren, das Geſangbuch unter dem Arm, in der Hand einen Blumenſtrauß, das Geläut zum Anfange des Gottesdienſtes erwartend.

Das andere Geläut hatte begonnen. Da trat der junge Pfarrherr im vollen Ornate, ihm zur Seite zwei ſeiner Amtsbrüder, aus der mit Blumen bekräuz⸗

ten Thür ſeiner Wohnung. Ihm folgten der Super⸗

.

ir R- holl hüüytel neigte dr det Kirche züne der ner aöbreich ver ihre Pläße. Leitung des Strophen, di von einem 6 waren, trat betrat die Ki Tagen hatten ſo tiefer fühl hboben käfti ſcmückten A ein Gebet ſi mit ſeinem! die er aufe funden. Ma derg digr. Selbſt Jahren voch ganged ald ſahen vor 1 bergen. Als die Vorſtände nach einande ruller die H tieſſten war azel ha elkennen, di a duiſe gegebene Be⸗ gangen war Mittag ſtatt. Auß ges, der nit dem Pfarrh nebſt dem; ter auch der deldern wg letten nrüf Vil, als ſeiner Schwe Lieber er dem lan