Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
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ſeine Vorſchläge eingehen wollten. Die Bauern wil⸗ ligten mit Freuden ein. Jetzt wurde aufgeräumt. Unter Anleitung eines bewährten Oekonomen, der zugleich Feldmeſſer war, den der Baron auf ſeine Koſten hatte kommen laſſen, wurden die Ländereien vorgenommen. Da wurden trockene Höhen eingeebnet, Tiefen ausgefüllt, Sümpfe und Moräſte ausgetrocknet, und weite Ebenen, die bisher höchſtens ſchlechtes Fut⸗ ter abgegeben hatten, in fruchtbaren Kornboden um⸗ geſchaffen. Aus naſſen Gegenden wurde das Waſſer abgeleitet und trockene Wieſen damit verbeſſert; kurz der Boden wurde durch alle erſinnliche Mittel dahin gebracht, das zu geben, was er zu liefern vermochte.

Herr v. Feldern ſtand mit den Ackerbaugeſell⸗ ſchaften in Eugland in Verbindung, und wo ſich eine Verbeſſerung auf ſeinen Gütern als zweckmäßig er⸗ wies, wurde ſie auf der Dorfländerei eingeführt.

Die Wege, die man bisher nur mit Lebensge⸗ fahr paſſireu konnte, wurden zu feſten Landſtraßen, mit Obſtbäumen beſetzt, umgeſchaffen; die ſchmutzi⸗ gen Wohnhäuſer der Bauern, denen vielfach noch die Schornſteine fehlten, wurden in anſpruchsloſe, aber freundliche luftige Wohnungen umgewandelt.

Das alles koſtete nun freilich viel Geld, aber doch nicht ſo viel, als die Landleute befürchtet hatten; denn man konnte ſich in den Jahren, in die meine Erzählung fällt, noch keinen Begriff machen, wie viel einmüthiges, beharrliches Zuſammenſtreben der vor⸗ handenen Kräfte auszuführen vermag. Der Baron war reich, und er glaubte von ſeinem baaren Capi⸗ tal keinen beſſeren Gebrauch machen zu können, als wenn er es zum Wohle ſeiner hülfsbedürftigen Mit⸗ menſchen anlegte.

Sein Plan beſchränkte ſich jedoch nicht blos da⸗ rauf das leibliche Wohl der Bauern zu verbeſſern; es war ſeine Abſicht, ſie auch in geiſtiger Hinſicht zu heben, damit ſie von dem ſich mehrenden Gut den rechten Gebrauch zu machen erlernten. Die Schule des Dorfes, wenig unterſtützt durch den alten Pfarr⸗ herrn, war im traurigſten Zuſtande. Gllücklicherweiſe ſtarb der bisherige unfähige Schullehrer um dieſe Zeit, und es gelang der eifrigen Verwendung des Barons, daß die Schule nicht wieder in ähnlichem Sinne, ſondern durch einen jungen, gebildeten Mann beſetzt wurde. Das war Viel, aber noch nicht Al⸗ les. Die eigentliche Schulzeit währte vom 5. bis zum 10. Jahre, um die Kinder aus dem Hauſe los zu werden; dann wurden ſie ſchon zu Geſchäften, zum Schafe⸗ und Kühehüten und Pferdetreiben ge⸗ braucht. Höchſtens im Winter beſuchten ſie wieder die Schule bis zur Confirmation. Da hatte denn der Lehrer genug zu thun, die gelernten Rohheiten zu

Novellen⸗Zeitung.

entfernen und einen Grund zu legen, um von Neuem

zu beginnen. Der Baron redete den Leuten zu, es doch mit den Kindern anders zu halten, aber verge⸗ bens.Wozu, ſagten ſieſollen die Jungen mehr lernen als Leſen und ein bischen Schreiben? Wir haben auch nicht mehr gelernt und kommen auch durch die Welt. Aber wie kommt ihr hindurch! dachte v. Feldern; doch ſah er ein, auf dieſe Weiſe ging's nicht.

Zum Glück war der Juſtitiarius ein wohlwol⸗ lender Mann, der vernünftigen Rathſchlägen gern Gehör gab. Mit dieſem alſo redete der Baron und brachte es dahin, daß er eine Aenderung vorzunehmen verſprach. Es erging von Amtswegen der Befehl, die Kinder vom 7. bis 15. Jahre ununterbrochen, mit Ausnahme einiger Sommerferien, und auch das nur mit Erlaubniß, wenn dringende Erntearbeiten eintraten, in die Schule zu ſchicken.

Dieſe Maßregel erregte großes Aufſehen im Dorfe. Einige meinten, die Kinder müßten durch zu vieles Sitzen zu Krüppeln werden, ſie lernten nicht arbeiten und taugten für's ganze Leben nicht. An⸗ dere meinten, ſie müßten zu armen Leuten werden, wenn ſie die Kinder bei der Arbeit entbehren ſollten. Nach vielem Hin- und Herreden beſchloſſen ſie Abge⸗ ordnete an den Juſtitiarius zu ſchicken, die um die Aufhebung der neuen Verordnung bitten ſollten. Die⸗ ſer aber war unerbittlich, und es blieb bei dem ge⸗ gebenen Geſetz.

Darüber untröſtlich verſammelten ſich die Dorf⸗ bewohner noch einmal bei dem Schulzen, um zu berathen, was unter ſolchen Umſtänden ferner zu thun ſei.

Die meiſten riethen zum Proceß gegen den Amt⸗ mann bei der Regierung; aber nun entſtand die Frage, wer die Sache vertreten und führen ſollte. Einſtimmig wählte man den adeligen Gutsbeſitzer, den man als reichen und klugen Mann ſchätzen ge⸗ lernt hatte.

Dieſer war nicht wenig erſtaunt, als der Schulze ihn mit dem Wunſche der Bauern bekannt machte. Er begab ſich in die Verſammlung und hörte ruhig ihre Beſchwerden an. Dann aber ſuchte er ihnen be⸗ greiflich zu machen, daß das neue Geſetz nicht zu ihrem Schaden, ſondern zu ihrem eigenen großen Nu⸗ tzen erlaſſen ſei; legte ihnen mit eindringlichen Wor⸗ ten das ungerechte Verfahren gegen ihre Kinder an's Herz und ſchloß mit den Worten:Glaubt ihr, meine Freunde, ihr werdet die Sache gegen den Amtmann gewinnen? In eurem Leben nicht! Es wird euch nur viel Geld und ſaure Wege zur Stadt koſten. Verſucht nur einmal, wie die Sache geht. Die Nach⸗

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