Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
691
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So war der Zuſtand der Dinge, als der Baron auf dem Sitze ſeiner Väter ankam. Bis auf den Hauptbau des Schloſſes, das vom Gutsherrn ſtets vorbehalten, ſah ſein Blick, wohin er ſich richtete, nur wenig Erfreuliches.

Die Bauern, die bis dahin noch unter dem alten Druck gelebt hatten, waren unwiſſend, daher roh und laſterhaft. Schule und Landwirthſchaft befanden ſich im traurigſen Zuſtande. Die Kirche beſucht. Der Prediger, ein ſchon hochbejahrter Mann,

war nicht im Stande den Sinn der Gemeinde zu ſchaft wecken, nachdem ihm ſchon in früheren Zeiten die denen Gabe abging, in chriſtlicher Weiſe überzeugend zu

lehren. Auf den Straßen und Feldwegen lief man Gefahr ſtecken zu bleiben. Selbſt der Teich, den man einen Feuerteich nannte, war eine grüne Froſchlache, deren Ausdünſtungen im Sommer die Luft verpeſteten. Die Zugänge zu den Höfen waren tiefe Sümpfe,

und manche Thorwege konnten nicht mehr verſchloſſen

werden, weil ſie zum Theil nur an einer Angel hin gen. Kurz ein wahres Thierleben umgab ihn, wie er es zuvor noch nicht gekannt hatte. Der Baron war feſt entſchloſſen, eine gänzliche 't allein mit ſeinem eigenen Gute, ſondern auch mit dem Dorfe und ſeinen Bewohnern vorzunehmen, und ließ bald nach ſeiner Ankunft die Bauern auf dem Schloßhofe zuſammenkommen. Er ſtellte ihnen in beredten Worten ihr geiſtiges und leibliches Elend vor, zeigte ihnen, wie ſie durch Ver⸗ beſſerung ihres Landweſens auch ihre Vermögens⸗ umſtände verbeſſern und glücklich leben könnten, und fo⸗dee so auf, mit ihm vereint eine Umgeſtaltung s zu beginnen.

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Er glaubte wie ein Generalſuperintendent ge⸗

ſprochen zu haben und erwartete daher Erfolg von ſeiner eindringlichen Rede; aber was geſchah? Die Bauern lachten ihm ins Angeſicht, und einige, darun⸗ ter der Ortsſchulze, traten vor und meinten ſie müßten es doch wohl beſſer verſtehen als ein vorneh⸗ mer Stadtherr, als ein Herr Officier, der von ihrem Leben gar nichts verſtände.Zeigen Ew. Gnaden doch erſt an Ihren eigenen Gütern, daß Ihre Vor⸗

ſchläge uns was nützen können, ſagte ein Kerl mit

ſtruppigem Haar;ſo lange die adeligen Ländereien um nicht viel beſſer ſind als die uuſerigen, muthen Sie uns Bauern nicht zu, daß wir Zeit und Kräfte an nutzloſe Verſuche verſchwenden!

Der Schloßherr wurde etwas beſtürzt über die⸗ ſen nicht erwarteten Einwurf, denn er wußte wohl, daß ſein Gut bei beſſerer Einrichtung mehr als das

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Doppelte aufbringen konnte. Er merkte ſich indeſſen die Lehre für ſein ganzes Leben, daß man dem Un⸗ gebildeten mit keiner Neuerung kommen müſſe, die nicht bewährt ſei. Erſt muß die gaffende Menge den Vortheil mit Händen greifen können, den die neue Sache gewährt; erſt muß ein Beiſpiel vorangehen, dann erſt tritt ſie wie die Schafe in die Fußtritte des Leithammels.

Herr v. Feldern ſah das ein, und gab daher

vorerſt ſeine für das Wohl der Dorfbewohner berech⸗ wurde wenig neten Verbeſſerungspläne auf, und fing um ſo eifri⸗ ger damit an, Verbeſſerungen, wie ſie die eigene Wirth⸗

verlangte, einzuführen. Die Grundſätze, auf die Landwirthſchaft beruht, kannte der Baron durch und durch; aber es iſt bekannt, daß die beſte Wiſſenſchaft von einer Sache in der Anwendung oft am unzweckmäßigſten ſich erweiſt. Das erfuhr auch Herr v. Feldern, als er ſeine neuen Einrichtungen anfing. Ein erfahrner Landwirth, den er auf Empfeh⸗ lung eines alten Univerſitätsfreundes als Inſpector an⸗ ſtellte, wußte bald Aushülfe zu finden. Wie aber immer der Geiſt den Sieg über die rohe Kraft da⸗ vonträgt, ſo konnte es nicht ausbleiben, daß bei des Barons Kenntniſſen ſeine Unternehmungen mit dem beſten Erfolge gekrönt wurden! Ehe ein Jahr ver⸗ ging, arbeitete er wie der beſte Verwalter und mit viel größerer Luſt, als er in ſeiner frühern Stellung als Officier und Hofjunker gethan hatte. Schon im zweiten Jahre fielen die Kornernten reichlicher als ſonſt aus. Das Vieh wurde im Sommer vom ſchön⸗ ſten Klee auf dem Stalle, und im Winter vom guten Heu der durch Abzugsgräben verbeſſerten Wieſen ge⸗ nährt.

In nicht allzulanger Zeit hatte Alles auf dem weitläufigen Gute eine andere Geſtalt angenommen. Da wurden die Bauern doch endlich aufmerkſam und glaubten beinahe, daß der Baron doch wohl Recht haben könte;aber ſetzten ſie auch hinzu, wenn ſie über eine glückliche Neuerung die Köpfe zuſammen⸗ ſtecktener hat auch das Beſte zu einem glückli⸗ chen Leben und zu den Unternehmungen wie er ſie anfängt, er hat was uns fehlt das Geld! Woher ſollen wir das nehmen in unſrer Armuth? ſagte einer von den Männern, der immer noch zu den Beſſeren in der Gemeinde gehört hatte, zum Schul⸗ zen, als ſie Sonntags aus der Schenke gingen. Dieſer aber ſchüttelte verdri eßlich den Kopf und ließ den Mann ſtehen, der ihm kleinmüthig nachſah.

Der Baron freute ſich, als ihm dies zu Ohren kam. Er ließ ſie wieder zu ſich auf den Hof kommen und that ihnen den Vorſchlag, ſie mit Geld, die Be⸗ dürftigſten ohne Zinſen, zu unterſtützen, wenn ſie in