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Novellen⸗Zeitung.
Schmach zu befreien, in die Reihen der Heere einge⸗ die Leute erſt Augen; manche zeigten auf die Stirn, treten waren, die mit dem Wahlſpruche:„Mit Gott andere wandten bedauernd den Rücken.
für das Vaterland!“ muthvoll in den Kampf gingen. Die Jahre der ſchweren Prüfung hatten andere Le⸗ bensanſichten in ihnen erweckt, als wie ſie früher gangbar waren in der nach Rang und Stand ſo ſcharf geſonderten deutſchen Nation. Waren doch Deutſchlands erſten Männern damals Alle gleich, Bauer wie Edelmaun waren von ihnen gleich hoch⸗ gehalten, wenn ſie nur das rechte Herz hatten für des Vaterlandes Noth. Dieſe jungen Männer, velche die Begeiſterung für das Vaterland, die ſie von zahl⸗ loſen Schlachtfeldern mit in die Heimath gebracht, auch in den neuen Lebensberuf übertrugen— ſie wa⸗
ren es, unter denen Baron v. Feldern am liebſten er auch bei
ſeinen Umgang ſuchte. Darum hatte ſeiner Rückkehr in die eigene Heimath andere Lebens⸗ pläne entworfen, als ſie heut zu Tage von vielen ſei— ner Standesgenoſſen bei dem Eintritt in die Welt gemacht zu werden pflegen. Baron v. Feldern würde ſie ſofort zur Ausführung gebracht haben, wenn er nicht aus Liebe zu ſeiner Mutter, die bei ſonſtigen vielen guten Eigenſchaften doch noch ziemlich feſt am alten Herkommen hielt, verſprochen hätte, vorher noch die Hoflaufbahn durchzumachen.
Aber auch hier wollte er ſchon in den geſell— ſchaftlichen Zuſtänden der höheren Welt beſſern und anders geſtalten, in der Weiſe, wie ſich die Freunde auf der Univerſität das Wort gegeben hatten. Er wollte ſeinen Standesgenoſſen begreiflich machen, daß ſie nicht blos des Eſſens und Trinkens, des Spie⸗ lens, Reitens und Wettens wegen auf der Welt wä— ren, und daß es noch etwas Beſſeres für einen vor⸗ nehmen, wirklich gebildeten Mann gehe, als Par⸗ forcejagen oder Liebeln mit den Hofdamen und mit denen vom Theater. Ja, Baron v. Feldern ging ſo weit, der vornehmen Welt ins Geſicht zu ſagen, daß man ſelbſt etwas thun müſſe, wenn man eine beſſere Welt haben wollte, als die, worüber man ſich immer⸗ fort von vielen Seiten ſo bitter beſchwerte.
Nun kann man ſich ſchon denken, wie die Leute aufhorchten, wie eine gewiſſe Welt, die Welt, die ſo ihre eignen Grundſätze hat, darüber ſpöttelte, und wenn ſie dem Baron nicht geradezu ins Geſicht lachte, ſo that ſie's heimlich und zuckte in ſeiner Gegenwart die Schultern, wenn er noch mit andern Anſichten herausrückte. Als er, der ſchöne junge Mann, ſogar auf einem Balle erklärte, daß es doch ein recht trau⸗ riges, langweiliges Leben ſei, ſo jahraus jahrein in der Reſidenz zu leben, ohne allen Nutzen und Zweck, daß ſich eine Woche abwickele wie die andere, gleich dem Knäuel eines Strickzeuges,— da machten
Das Ende von der Sache war, daß man ſich immer mehr von dem Baron zurückzog. Bisher hatte man ihn ſelbſt, d. h. ſein Geld und ſeine Pferde, für unübertrefflich gehalten. Als er aber ſpärlicher mit dem Gelde und dem Champagner herausrückte, und den meiſten ſeiner Bekannten dieſe Quellen verſtopfte, da hielt man ſeine Pläne für Hirngeſpinſte, und ihn ſelbſt— nun, Ihr wißt ſchon, was ich meine.— Die feinen Dämchen aber rümpften die Näschen und dachten an den Kuhſtall, wenn der Baron ſo lebhaft die Freuden des Landlebens lobte und von dem Gu⸗ ten ſprach, was man draußen ſtiften könnte, wenn
man die Landleute wohlmeinend in dem unterrichtete,
was ihnen zum beſſeren Fortkommen noch fehlte. Kurz, man verſtand Herrn v. Feldern nicht oder wollte ihn nicht verſtehen, und ſo kam es, daß er ſich immer mehr aus den hohen Kreiſen zurückzog, daß man ihn ſelten anders erblickte als auf der Parade, oder wenn er als Kammerjunker am Hofe erſcheinen mußte. Er lebte faſt immer zu Hauſe unter ſeinen Büchern und Zeichnungen, und als die vornehme Welt zuletzt nichts mehr erfuhr, als daß er Pläne machte, ſo ließ ſie den Unverbeſſerlichen ſeinen Gang gehen.
Als er es in dieſer Weiſe noch einige Zeit fort⸗ getrieben hatte, ohne daß er dadurch in der Gunſt ſeines Fürſten höher geſtiegen wäre, nahm er ſeinen Abſchied, worauf ſich ſchon Viele im voraus gefreut hatten, und zog auf ein weit von der Reſidenz ent⸗ legenes Gut, das zwar groß und romantiſch gelegen,
aber nicht eben in beſter Beſchaffenheit ihm von ſei⸗
nem Vater hinterlaſſen war, der ſtets im Style des romantiſchen Ritterthums zu leben gewohnt war.
Dem alten Herrn war, wie ſo vielen ſeiner Standesgenoſſen, immer darum zu thun geweſen, das höchſte Pachtgeld herauszunehmen, um es zur Füh⸗ rung eines höchſt ſtandesgemäßen Haushaltes wie in der Hauptſtadt ſo auf dem Lande zu verwenden. Da⸗ gegen hielten die Pächter darauf, beſonders aus den beträchtlichen Forſten, den beſtmöglichſten Nutzen zu ziehen; nicht alleiu um zum Pachtgelde zu kommen, ſondern um auch alljährlich bedeutende Summen zum gelegentlichen Ankauf eines Gutes in Meklenburg zu hinterlegen, um in ſpäteren Tagen ſtatt des Pächters den Ritter zu ſpielen.
So hatte es namentlich der Letzte gemacht, als er durch den Rentmeiſter, der ſich beſſer mit dem Pächter als mit dem Gutsherrn ſtand, einen Wink bekam, daß der junge Baron ſelbſt mit der Bewirth⸗ ſchaftung des Gutes den Verſuch machen wollte. Da eben Branntwein und Spiritus hoch ſtanden, hatte
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