Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
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dem Juſtizdirector:Der Böſewicht, der Mosje Rei⸗ chel, wird doch jedenfalls für ſeine Schandth at zwan zig Jahre in das Zuchthaus ſpazieren?

Lieber Apelt, Sie ſprechen von Ihrem Stand⸗

punkte als Vater, überzeugt von Reichel's Schuld; ich als Juriſt ſage Ihnen jedoch, ſo weit geht es nicht. Wäre Ihr Sohn ermordet, müßte ich Kreisgericht berichten; da dies Gott Fall iſt, und obendrein die Verwundung an ſich nicht gefährlich, ſo bleibt mir dieſe Sache auf dem Halſe, und ehe nicht Ihr Herr Sohn ſelbſt verhört worden iſt, kann in der Sache nichts weiter geſchehen. Ich rathe Ihnen übrigens noch einen andern Arzt aus der Stadt rufen zu laſſen; Ringler iſt zwar ein tüch⸗ tiger Mann in ſeinem Fuuße allein ſeit einigen Mo naten bemerke ich an ihm, daß er oft ſehr zerſtreut iſt, auch kränkelt er, der Mann verfällt ſichtlich, kann alſo vielleicht beim beſten Willen nicht immer zur Hand ſein; geſtern that er freilich ſeine Schuldigkeit, aber beſſer iſt beſſer! Schönen Dank für den Rath, Herr Juſtizdirec⸗ ich werde ihn befolgen. Der Ringler hätte Witt⸗ wer bleiben ſollen, zu was heirathete er wieder, und ein ſo junges Mädchen! Was für Maiblümchen wohl die Frau Doctorin geſtern Abend im Walde geſucht haben mag? ha ha ha! man ſagt, der Revierförſter Curt hilft ihr zuweilen ſuchen.

darüber an das

Lob nicht der

tor,

Einige Wochen waren vergangen; da in einem ſtillen Oertchen wie Mildenau wenig vorgeht, ſo

Novellen⸗Zeitung.

director, ein

der der Angelegenheit des biedern einen

wurde noch immer zum großen Verdruſſe des Ober⸗

förſters viel von dem unterbrochenen Hochzeitfeſte ge⸗ redet, von der blaſſen, niedergeſchlagenen Exbraut, von dem Maler, welchem der Juſtizdirector zwei an⸗ ſtändige Zimmer im Amthauſe eingeräumt hatte. Er erlaubte ihm in ſeinem großen Hausgarten zu ſpa zieren, auch ließ ſich Franz Malertuch und Farben ſchicken und beſchäftigte ſich ſtundenlang mit ſeiner geliebten Kunſt.

Daß der junge Apelt noch lebe, wußte Franz längſt, er war offenbar ſehr froh darüber und dauerte nur, daß ſein Zuſtand noch immer von der Art war, daß der Juſtizdirector ihn nicht verhören konnte.

Die Wunde war längſt geheilt, allein Carl's Gedächtniß noch ganz ſchwach, ſein Kopf hatte offen⸗ bar gelitten, er redete zu Zeiten ſo verworren, daß kein gewiſſenhafter Richter ſeinen Ausſagen Werth beilegen konnte, und Apelt konnte endlich für den

Sohn nichts Beſſeres thun, als ihn einer Heilanſtalt nicht auf eine Art, die ich ehrenvoll nenne,

übergeben.

be⸗

1

Daß ihn ein Mann überfallen habe im Walde, hatte Carl mehr als einmal in klaren Augenblicken erzählt, aber wie er ausgeſehn habe, wußte er nicht genau anzugeben, nur das Eine behauptete er ſtets, es ſei ein großer, noch junger Mann in ſtädtiſcher Kleidung geweſen.

Franz ſah Mariannen gar nicht, ſie verließ Haus und Garten faſt nie, deunoch hatte es für ihn etwas Tröſtliches zuweilen von ihr zu hören, da der Iuſtiz⸗ wahrhaft humaner Mann, dem Lehrer des Dorfs erlaubte, Franz zu beſuchen.

Dieſer hatte nicht den geringſten Zweifel an ſeines ehemaligen Schülers Unſchuld, er war auch feſt überzeugt, daß ſich bald Alles zu Franzens Vortheil aufklären müſſe, ſchrieb aber dennoch an einen der berühmteſten Rechtsgelehrten in der Reſidenz, welchen er oberflächlich kannte, und fragte bei ihm an, ob ſich nichts für Franz thun laſſe, welcher auf einen bloßen Verdacht hin doch nicht vielleicht Jahre lang ſein junges Leben im Amthauſe zu Mildenau vertrauern. könne.

Der Rechtsgelehrte ließ lange auf Antwort war⸗ ten, ſchon wollte ſich der wackre Freund des Malers an einen andern Anwalt wenden, als eines Tages der Rechtsanwalt überraſchend bei ihm eintrat. Er hatte in Familienangelegenheiten eine Reiſe gemacht, und da ihn ſein Weg über Mildenau führte, opferte Steinberger gern

war ihm doch der Name des jungen den König Ludwig I. von Bayern ſeiner Protection werth hielt, kein unbekannter. Er beſuchte auch den Juſtizdirector, ſprach mit ihm über den Fall und hielt in deſſen Beiſein eine Zwieſprache mit dem Gefangnen, gab dieſem auch einige Rathſchläge, gegen welche der Juſtizdirector nichts einwenden konnte, ja die ihm vielleicht ſogar erwünſcht waren, denn er wußte nicht, ſollte

Tag, Künſtlers,

Wieder waren einige Wochen vergangen, ſchon fingen die Herbſtzwetſchen an ſich blau zu färben, da trat eines Tages der Oberförſter in das Wohnzimmer, wo Frau Lindau und Marianne ſaßen, Beide mit weiblicher Handarbeit beſchäftigt.

Marianne, ſagte der alte Herr,ich will Dir etwas Neues erzählen, Herr Reichel hat ſich in einer Eingabe an das Kreisgericht glaube ich über widerrechtliche Haft beklagt, er behauptet ſeine Un⸗ ſchuld und, verlangt vollſtändige ehrenvolle Frei⸗ ſprechung. Nun, freigeſprochen iſt er worden, aber ſondern

aus Mangel an hinreichendem Verdacht.

was er mit dem Gefangenen beginnenn

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in 1 meinen: geud ſeine 1 denu Apelt! Ich ha Mädchen un böre wich. eben weil mit ihm do eingeſtanden iſt gelöſt, d

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Apelt ſ ſage Augen mit obne mein

ſer ete und obgleich dern aur be ſo kenne ich hältſt d n Ungläck iſ opferte fu Herzensgl iſt, daß T El he zwine

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Walter,

jungen An und ſollte ſoll es mi