Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
679
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Alſo er iſt frei, lieber Vater? ſprach Frau Lin⸗ dau, und ein Lächeln flog über ihr ſanftes Geſicht.

Frei, aber noch nicht gerechtfertigt. Was mich betrifft, ſo glaube ich feſt, daß er es war, der Apelt jenen Stich verſetzte und ihn auch zu Boden geſchla⸗ gen hat. Wegen dieſes Stichs könnte ihm unſern Geſetzen nach nicht viel geſchehn, es vergeht ja ſelten ein Feſttag, wo es nicht im Kretſcham Schläge und Stiche unter den jungen Burſchen giebt, und daß er mit Carl Apelt Deinetwegen Händel begann, das, Marianne, ſetzte ihn in meinen Augen nicht ſo herab als ſein feiges Leugnen. chen, wird dort, wie ich höre, ſein Auskommen haben, Profeſſor, Hofmaler oder dergleichen titulirt, aber deßhalb bekommt er Dich dennoch nicht, denn er hat in meinen Augen und in den Augen der ganzen Ge⸗ gend ſeine Ehre verloren, wegen feigen Mordverſuchs, denn Apelt war ohne Waffen.

Ich habe Dich angehört, Großvater, ſagte das

Mädchen und blickte den alten Mann feſt an,jetzt höre mich. Ich bin von Franzens Unſchuld überzeugt, eben weil er nicht feige iſt; da meine Unterredung mit ihm doch bekannt wurde, würde er auch die That eingeſtanden haben. Meine Verbindung mit Apelt iſt gelöſt, dafür danke ich Gott, ich werde niemals 1 ine Einwilligung heirathen, theurer Groß⸗

, aber niemals mich zu einer Ehe zwingen laſſen.

Habe ich Dich zur Heirath mit Apelt gezwun⸗ gen?

Ja, moraliſch! Dein Vorurtheil hat es gethan. Apelt ſagte mir, als er zum erſten Male unter vier Augen mit mir ſprach, er wolle meine Hand nicht ohne mein Herz, aber er fürchte, wenn ich durch

rung ſeinen Vater beleidige, würde die⸗

ſer etwas ſagen, was meines Vaters Grab beſchimpfte,

und obgleich ich meinen Vater nicht verdamme, ſon⸗ dern nur beklage, weil er ſich ſelbſt das Leben nahm, ſo kenne ich doch Deine Geſinnungen, Großvater, Du hältſt es nun einmal für Schande, was doch nur ein Unglück iſt; aber ich ehrte Deine Vorurtheile und opferte für die Ruhe Deines Alters mein ganzes Herzensglück. Alles, was ich dafür von Dir begehre, iſt, daß Du Franz nicht ſchmähſt, und mich zu keiner Ehe zwingſt.

Das nenn' ich wacker geſprochen, wie eine Walter, obſchon ich Schande nenne, was in Deinen jungen Augen Unglück iſt. Dein Wille ſoll geſchehn, und ſollte ſich ſpäter Franzens Unſchuld herausſtellen, ſoll es mich freuen um Deinetwillen.

Er reiſt morgen nach Mün⸗

Folge. 679

Franz hatte, ohne Marianne ſehen zu können, Mildenau verlaſſen, aber einen Brief von ihm hatte

ihr Steinberger überbracht und ihre Antwort mitge⸗

nommen. Sie war feſt entſchloſſen, hierin dem Groß⸗ vater nicht zu gehorchen.

Von München aus kam öfters Nachricht von Franz, er ſandte der Geliebten nicht nur Briefe und Zeitungen; auch ſein Bild, von ihm ſelbſt gemalt, prächtig getroffen, hatte ſie erhalten. Das Gerede über den Maler und Boͤſewicht hörte endlich auf, neue, höchſt beſprechungswerthe Vorgänge ſchoben Franz in den Hintergrund. Der junge Apelt war wieder geneſen, er zeigte wieder ſo viel oder ſo wenig Gelehrſamkeit und Kenntniſſe, als vor ſeiner Krank⸗ heit; daß er ſich noch immer nicht erinnern konnte, wer ihn damals im Walde verwundet hatte, da er doch nicht im Rücken getroffen worden war, ſchien auch dem Oberförſter und dem Juſtizdirector wunder⸗ bar. Herr Apelt nebſt Gattin hatten einen Beſuch im Forſthauſe gemacht, zur großen Verwunderung der ſanften Frau Lindau. Der Grund davon wurde dem alten Walter bald klar, ſie hatten dieſen Beſuch nur gemacht, um mit Anſtand bald einen zweiten folgen laſſen zu können; bei dieſem erzählten ſie ſehr weit⸗

ſchweifig und vergnügt, daß ihr Sohn ſich mit der jungen, ſchönen, liebenswürdigen Tochter eines adeli⸗ gen Officiers verlobt habe, und nächſtens mit der Baroneſſe getraut werden würde. Daß die junge Dame etwas einfältig war und wohl noch vier ledige Schweſtern, aber keinen Heller im Vermögen beſaß, hielten ſie nicht für erwähnenswerth.

Die zweite Neuigkeit war, daß der Revierförſter Curt in der Lotterie das große Loos gewonnen hatte. Er legte ſeine Stelle nieder und ging auf Reiſen. Sein Nachfolger wurde Reinhold.

Das Auffallendſte begab ſich aber erſt im Spät⸗ herbſt, als die Felder öde und leer waren und Nie⸗ mand mehr im Freien verweilte, der nicht eben mußte.

An einem naßkalten, windigen Octobertage wurde Doctor Ringler durch einen Boten zu Emerentia be⸗ ſtellt, die, wie der Bote verſicherte, im Sterben läge. Eine alte, taube Magd, welche ihr diente, hatte ihn abgeſchickt, und obgleich Ringler ſelbſt nicht wohl auf war und offenbar den Weg nicht gern antrat, ſo hielt ſer es doch für pflichtwidrig, die Kranke ohne Hülfe zu laſſen. Er machte ſich alſo, nachdem er ſeiner Frau Lebewohl geſagt hatte, auf die Reiſe, denn von ſeiner Wohnung aus bis zu dem zwiſchen Felſen ver⸗ ſteckten Häuschen Emerentia's brauchte der kränkliche Mann drei Stunden, da mit dem Wagen noch ſchlecht

fortzukommen war; da der Weg grundlos, beſtieg er hein Pferd. Seine Frau ſah ihm mit Beſorgniß nach,

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