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ihren Tänzer, den Bräutigam, und ging mit poſſier⸗ lichen Gebehrden, ein angezündetes Licht in der Hand
haltend, im Saale umher, ihn zu finden, dabei rief Tragbahre legen, und während ſich Carl's Eltern, ne⸗
ſie mit komiſchem Pathos:„O, ach! Herr Doctor Carl Apelt hat mich ſitzen laſſen, wo iſt der wortbrü⸗ chige Mann?“
Die Umſtehenden lachten.
„Tanzen Sie lieber mit mir, Fräulein Thereſe,“ ſagte ein junger Forſtmann,„Apelt erhielt vor einer kleinen Weile ein Briefchen durch den alten Herrn, ich ſah ihn im Nebenzimmer fortgehen.“
„Dann gehört der Tanz Ihnen.“
Dem Tanze folgten andere, noch war der Bräu⸗ tigam nicht zurückgekehrt, ſeine Eltern, alle Gäſte ver⸗ mißten ihn und fragten einander vergebens, wo er ſei; auch Marianne war über ſeine lange Abweſenheit offenbar betroffen, ja geängſtigt.
Man rief im Hauſe und im Garten nach ihm, endlich ſagte der junge Forſtmann, welcher ſeine Stelle als Tänzer vertreten hatte, zu Carl's ſchönem Wind⸗ ſpiele, das im Nebenzimmer unter dem Ofen hervor⸗ kam:„Auf, Diana, auf, ſuche Deinen Herrn!“
Gehorſam ſprang der Hund davon, begleitet von dem Gelächter einiger jungen Leute, aber wer be⸗ ſchreibt den Schreck der bisher ſo fröhlichen Ver⸗ ſammlung, als nach einer Viertelſtunde der Hund abwechſelnd bellend und winſelnd, mit geſenkten Oh⸗ ren und Blutſpuren an der Schnauze zurückkehrte!
Eiligſt wurden Laternen angezündet, und, voran der Oberfoͤrſter Walter, bewegte ſich ein Zug von Gäſten, den der Hund anführte.
Sie brauchten nicht weit zu gehen: am Anfange des Waldes lag leblos und blutend der Bräutigam⸗
Mit lautem Jammerſchrei kniete ſeine Mutter bei ihm nieder, Marianne wurde bei dieſem Anblicke ohnmächtig, der Vater aber ſchrie mit dröhnender Stimme:„Verfolgt den Mörder, denn mein Sohn fiel durch Mörders Hand!“
„Nach dem werden Sie nicht weit zu ſuchen ha⸗ ben, Herr Apelt,“ ſprach, mitten aus der Gruppe hervortretend, der Bote,„es iſt kein Anderer als Herr Franz Reichel; ſah ich ihn doch heute, ehe es dunkel ward, unter dem großen Kaſtanienbaume mit der Braut ſprechen, hörte ich doch jedes Wort, wel⸗ ches er ſprach, beſchwören kann ich es, beſchwören!“
Der Juſtizdirector des Mildenauer Bezirks, ein umſichtiger Mann, befahl dem Boten mit feſter Stimme, an ſeiner Seite zu bleiben. V
Doctor Ringler, der den Verwundeten ſorgfältig unterſucht hatte, erklärte, es ſei noch Leben in ihm, und machte einen Verband, ſo gut es ſich thun ließ,
den Hut nehmen und ald 3e asse ſie war keine nervenſchwache Dame,
Novellen⸗Zeitung.
dann ließ er den vom Blutverluſte ſehr Erſchöpften auf eine ſchnell herbeigeſchaffte, mit Matratzen belegte
ben dem Sohne einhergehend, mit ihm und den Trä⸗ gern nach ihrem Hauſe begaben, ging der Juſtizdirec⸗ tor mit dem Boten und noch einigen Männern nach dem Gaſthofe des Dorfes, um Erkundigungen über Franz einzuziehen, den der Bote Abends um zehn Uhr im Gaſthofe geſehen zu haben behauptete.
Der Oberförſter Walter bemühte ſich, Mari⸗ annen aus ihrer Ohnmacht zu wecken, was ihm auch jondern ein lundes Landmädchen. Ohne ein Wort an ſie zu richten, nahm er ſie beim Arme und zog ſie mit ſich fort. Zu Hauſe angekommen, hieß er ſie
fen werde.
Es giebt Menſchen, welche vor innerer Aufre⸗ gung, nachdem ſie Bedeutendes erlebt, nicht einzu⸗ ſchlafen vermögen, während Andre durch heftige Ge⸗ müthsbewegungen ermüdet werden.
Franz war den Tag mehrere Stunden gegangen, bewegt von der ſeligen Hoffnung ſeine Marianne wiederzuſehn. Wie ein Blitz aus heiterm Himwet hatte ihn die Kunde von ihrer Verlobung Seine Unterredung mit ibr, die qualvollen und auf⸗ regenden Scenen, welche dieſer folgten, hatten ſo auf ihn gewirkt, daß er ſich erſchöpft auf ſein Lager ge⸗ worfen hatte und bald feſt eingeſchlafen war.
Während Doctor Ringler als thätiger intelligen⸗ ter Arzt am Bette des Verwundeten ſeine Kunſt aus⸗ fübte, und Marianne in ihrem ſtillen Gemache ihre weinenden Augen in den Händen barg, begaben ſich der Juſtizdirector und ſeine Begleiter nach dem Gaſt⸗ (hofe zur goldenen Sonne, in welchem ſich Franz auf⸗ halten ſollte. Sie fanden die Thüre noch offen, weil ſeben noch zur Nachtzeit ein reiſender Kaufmann mit
ſeinem Gefährt angekommen war. Der erſtaunten
(Wirthin Ruhe zuwinkend, ſchlich ſich der Juſiizdiree⸗ tor, ein Licht in der Hand haltend, leiſe die Treppe hinauf. Ihm lag daran, Franz zu überraſchen.
Behutſam öffnete er die Thüre ſeines Zimmers und trat geräuſchlos ein, geräuſchlos folgten ihm ſeine Begleiter.
Das helle Li s Vollmondes goß ſeinen Schimmer über Franzlaus„ deſſen Schlummer offen⸗ bar kein erkünſtelter war.
Lautlos kehrte der Juſtizdirector um und fragte die Wirthin, ob ihr Gaſt ſchon lange in dieſem Zim— mer ſei.
„Ich glaube nicht, er kam, ich kann nicht genau
auf ſein Zimmer gehen und dableiben, bis er ſie ru⸗
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