Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
669
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Vierte

liches lag für die Bewohner der Colonien nicht darin, denn ſie kauften den afrikaniſchen Sclaven zu ihrem Feld- und Hausdienſt, empfingen ihn roh, heidniſch und thierähnlich, belehrten ihn in nützlichen Handarbeiten, gaben ihm die Er⸗ kenntniß der chriſtlichen Religion, mit einem Worte: ſie machten einen Menſchen aus ihm und lehrten ihn ſelbſt em⸗ pfinden, daß er Menſch ſei, ein Bewußtſein, welches er nie vorher gehabt hatte.

In Afrika war der Selave nicht mit dem Vieh, ſondern unter dem Vieh gehalten worden; ſein Kaufpreis war eine Flinte oder ein Tönnchen Branntwein, und er wußte recht gut, daß er mit noch ſechs oder acht Cameraden zuſammen erſt ſo viel werth war als ein Pferd. Als Selave geboren und aufgewachſen, mit ſeiner Lage vertraut und ohne Stre⸗ ben etwas anderes zu werden, ohne Nachdenken und ganz das verächtliche und verachtete Weſen gegen ſich ſelbſt, welches er gegen ſeine Umgebung war, hatte er ſeine Tage in thieriſcher Gedankenloſigkeit verbracht. Erſt ſeine Ueberſiedelung nach der neuen Welt brachte in ihm eine Veränderung zum Beſſe⸗ ren hervor. Er ſah ein, daß er wirklich etwas werth war, weil andre Völker, Weiße, geſchickte, kenntnißreiche Leute, von denen jeder Einzelne in des Afrikaners Augen ein Weltwei⸗ ſer oder Zauberer iſt, danach ſtrebten, ihn als Eigenthum zu erwerben. Freilich trat er mit geheimem Grauen die Reiſe an, denn an der Selavenküſte hat ſich die Idee verbreitet, daß die Sclaven nur darum von den Weißen über's Meer geführt würden, um wohlgenährt an Menſchenfreſſer verkauft zu werden. Welch ein Gefühl der eigenen Nichtswürdigkeit ſetzt

he Idee voraus, und wie ſchlecht muß ihre Behand⸗

Afrika ſein, wenn die Neger die Verproviantirung

andere Einrichtungen zur Ueberfahrt ſchon als Mittel

anſehen, ſie zu mäſten! Sie gehen daher ungern an's Schiff,

auch entſtehen aus dieſer Idee die meiſten der Revolten auf den Sclavenfahrzeugen.

Wenn die Sclaven in Amerika ankommen, ſind ſie wie Kinder oder wie Thiere; der intellectuelle Menſch iſt noch nicht in ihnen geweckt. Sie freuen ſich über den Anblick des Landes nach der Seereiſe, klettern wie Affen in dem Tau⸗ werk herauf, ſchwatzen und plaudern mit einander über die Neuigkeiten, welche ſich ihren Augen darbieten, und wechſeln lebhafte Grüße mit Landsleuten, die in Böten oder Canots an die Seite des Schiffes kommen. Noch darf Niemand vom Lande das Schiff betreten, denn es muß mit den darauf wefindlichen Negern erſt gereinigt werden. Nachdem dies ge⸗ ſchehen, die Kleidung und Decken der Neger über Bord ge⸗ worfen, Allen das Haar abraſirt iſt, und die Männer eine weiße Hoſe und ein Hemde, die Frauen Hemd und Rock von weißem Baumwollenzeug erhalten haben, werden die Geſun⸗ den an's Land in luftige Räume, und die Kranken in's Hos⸗ pital gebracht. In beiden Localen haben ſie Verkehr mit Landsleuten, die ſchon länger im Lande ſind, und die ihnen zur Pflege und zur Aufheiterung beigegeben werden. Dieſe erzählen ihnen von dem Schickſal, welches ihnen bevorſteht, malen ihnen in lebhaften Farben die Freuden des Sclaven⸗ lebens im Vergleich mit ihrer elenden Exiſtenz in Afrika; wie ſie ſich Sonntags und Feiertags beluſtigen dürfen, und wie manche Gelegenheit ihnen geboten iſt, etwas zu verdienen und ſich eine Freude zu machen. Der neuangekommene Afrikaner horcht aufmerkſam auf dieſe Schilderungen, die er kaum zu glauben wagt; aber das heitere Ausſehen des Erzäh⸗ lers, deſſen Wohlgenährtheit und netter Anzug ſind ihm Be lege für die Wahrheit ſeiner Ausſage, die nicht ſelten von dem Neuling durch Fragen unterbrochen werden.Sie kön⸗

Folge. 669 nen ſich nicht vorſtellen, ſagte mir einſt ein alter Neger, wie dumm ein ſolcher neuer(d. h. kürzlich angekommener) Congo⸗Neger iſt, und wie einfältig er noch fragen kann, nach⸗ dem ich ihm deutlich auseinandergeſetzt habe, wie ſehr er ſich freuen muß, hier zu ſein.Du biſt ja ſelbſt ein Congo, bemerkte ich ihm,warſt Du bei Deiner Ankunft nicht eben ſo dumm?Wahrſcheinlich,antwortete er mit Selbſtge⸗ fühl,aber jetzt bin ich ſchon ſo lange unter civiliſirten Leu⸗ ten geweſen, daß ich kaum mehr weiß, wie einem thieriſchen Barbaren zu Muthe iſt, wenn ich es nicht an dieſen Neulin⸗ gen ſähe.

Zahlreiche Unterredungen, welche ich mit afrikaniſchen Sclaven in Weſtindien und Braſilien hatte, ſowie ein drei⸗ jähriger Aufenthalt in einem Etabliſſement, welches ſelbſt 150 eigne Selaven von ſieben verſchiedenen afrikaniſchen Nationen beſaß, haben mir bewieſen, daß ſchon Mungo Park ganz Recht hatte, wenn er behauptete, daß ſehr ſelten ein nach Amerika verkaufter Neger in Afrika frei geweſen iſt, ſowie auch, daß die Fälle, wo ſich ein Sclave in Amerika nach dem Lande ſeiner Geburt zurückſehnt, zu den großen Seltenheiten gehören.

Was das Schickſal des Selaven in Amerika betrifft, ſo kann dies natürlich ein ſehr verſchiedenes ſein, je nachdem er ſich ſelbſt beſtrebt, die von ihm geforderten Dienſte zu erfül⸗ len; ob er ehrlich und aufmerkſam iſt oder nicht, ob ihn ſein Geſchick in die Hände eines Pflanzers oder eines Stadtbe⸗ wohners wirft und er beſtimmt iſt, ein Feldarbeiter oder ein Bergmann, ein Reitknecht oder ein Eſeltreiber, ein Kutſcher oder ein Handwerker, ein Schiffer oder ein Livreebedienter zu werden. Von ihm allein hängt es ab, ob er in irgend einer ſolchen Lage zufrieden und froh wird, ohne daß wir in Abrede ſtellen wollen, daß ſeine Erziehung, die eigentlich dann erſt ihren Anfang nimmt, auch weſentlich dazu beiträgt, wie dieſe ja das Schickſal jedes Menſchen im höchſten Grade beeinflußt. Er kann es ſich dann bequem und behaglich machen(ſorgenfrei lebt er ohnehin), er kann ſich etwas er⸗ ſparen und oft konnte er ſich freikaufen, aber er iſt ſelten ſo einfältig, dies zu thun. Er weiß recht gut, daß ſein Herr geſetzlich verpflichtet iſt, ihn zu ernähren, daß dieſer ihn cu⸗ riren und pflegen laſſen muß, wenn er krank wird, und daß, wenn er einſt alt und arbeitsunfähig iſt, er im Hauſe ſeines Herrn ſorglos ſeine Tage beſchließen kann. Sobald er ſich freikauft, muß er für ſich ſelbſt ſorgen, in Krankheitsfällen können ſeine Erſparniſſe, falls er welche hat, aufgezehrt wer⸗ den, und im Alter erwarten ihn Dürftigkeit und Noth. Ein ſparſamer Sclave kauft wohl zuweilen einer Sclavin die Freiheit, verheirathet ſich mit ihr und läßt ihr und den Kin⸗ dern, die auch freie Leute werden, alle ſeine Erſparniſſe zu⸗ fließen. Oft wohnt er ganz bei ſeiner Familie und bezahlt dann ſeinem Herrn ein unter beiden ſtipulirtes Tagegeld (diario), wogegen es ihm freiſteht zu arbeiten, wo und wie er will. Wenn er aber krank wird, ſo geht er zu ſeinem Herrn, das Tagegeld hört auf, bis er wieder hergeſtellt iſt, weshalb ſein Herr ihm möglichſt gute Pflege und ärztlichen Beiſtand zukommen läßt, um bald wieder Zinſen von ſeinem angelegten Capitale zu ziehen. Wenn der Seclave alt und invalide wird, ſo zieht er ganz zu ſeinem Herrn, um ſich von dieſem bis an ſein Ende ernähren zu laſſen. Dergleichen alte Erbſtücke findet man faſt auf allen älteren Plantagen, wo ſie von den übrigen Negerſeclaven als die Patriarchen der Gemeinde angeſehen werden und namentlich bei der jüngeren Generation in hohem Anſehen ſtehen. Ein ſolcher alter

Neger hat meiſtens ſeine feſte Stelle im Hofe, wo er die