Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
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fortwährend in Deutſchland umhergereiſt, hat ſich viel⸗

fach in der höheren und ſogenannten feinen Geſell⸗ ſchaft bewegt und ſtellt uns ſo in ſehr bunten Plau⸗ dereien, Anekdoten und Charakterzügen den gefälligen und diplomatiſch politiſchen Geiſt des Jahrhunderts dar.

Die Tendenz dieſes Buches iſt eine durchaus freiſinnige, doch ſie wirkt nach dieſer Richtung hin nur im Gewande der Ironie, indem ſie niemals direct oppoſitionell auftritt, ſondern ſich den Anſchein einer lächerlichen Schwärmerei für die vergangene Reaction giebt, wehmüthig dabei bedauernd, daß der gegen⸗ wärtigen nicht mehr ganz nach Wunſche die Fahrt nach Rückwärts glücken will.

Allerdings würde der Zweck dieſes Unternehmens vollkommen erreicht ſein, wenn jene Perſiflage ſich nicht zuweilen in einen unklar ausgeſprochenen Cha. rakter verlöre, und der Verfaſſer die ermüdende Breite vorſichtiger geſcheut hätte.

Uebrigens legt die Abfaſſung des Buches die Vermuthung nahe, die Anonymität des Autors durch den Namen Neugbauer zu erklären, denn man kann keine fünf Seiten leſen, ohne mehrere Male auf ir⸗ gend ein Werk von Herrn Neugbauer mit eiſerner Un⸗ befangenheit verwieſen zu werden; wobei man nur über die Zahl der Bücher, die unter dieſem Namen erſchienen ſind, aufrichtig erſtaunen muß.

In Wahrheit belehrt das Werk mehr über das Weſen früherer Zeitzuſtände, als es die meiſten wirk⸗ lichen Memoiren thun, und zwar ganz natürlich, denn der unbefangene Schreiber der letztern pflegt derglei⸗ chen als allgemein bekannt vorauszuſetzen und zu übergehen, während der tendenzielle Verfaſſer nach⸗ gemachter Memoiren immer bei denjenigen Dingen verweilen wird, die uns aus der Vergangenheit am meiſten intereſſiren.

Ganz beſonders ſind es die alten feudalen Adels⸗ zuſtände, welche hier eine oft recht erbauliche Schil⸗ derung finden; es kommen dabei Dinge zur Sprache, die eine ſehr ſpecielle Detailkenntniß verrathen und um ſo mehr in Erſtaunen ſetzen, da ſie zum Theil erſt dreißig oder fünfzig Jahre alt ſind, und doch ganz dazu angethan wären, um ein wirkliches Cha⸗ rakterbild zur Willkürherrſchaft des fünfzehnten Jahr⸗ hunderts zu geben.

Der alte Domherr ſpricht von ſeiner Jugendzeit und freut ſich mit ariſtokratiſcher Rührung, wie man damals trotz des Sturmes der franzöſiſchen Revolu⸗ tion noch die guten alten Adelsbräuche in Deutſch⸗ land, vorzüglich in Preußen und ganz vorzüglich in Schleſien, aufrecht erhalten und vor dem böſen Gift⸗ hauch der Aufklärung gewahrt hatte.

Novellen⸗Zeitung.

ſagt er,daß die hiſto⸗ der Geſellſchaft, ohn⸗ die in manchen Köpfen

Ich überzeugte mich, begründete Gliederung aller Umſturz⸗Ideen,

riſch erachtet

ſpukten, noch in friſcher Kraft von dem preußiſchen

achtzehnten

Adel gehandhabt wurde. Dazu kam noch beſonders

die Macht der Gewohnheit der untergeordneten Claſ⸗

ſen der Geſellſchaft. Dieſelbe Anerkennung fand ich

. C.. auch im Beamtenſtande, wo es freilich am naturge⸗

mäßeſten war; denn die Spitzen der Behörden waren natürlich dem Adel vorbehalten, der von Gottes Gnaden beſtimmt iſt, das göttliche Recht der Krone aufrecht zu erhalten. Selbſt der Kaufmann bei allem Reichthum hatte die gebührende Hochachtung vor der höhern Geburt und wagte ſich nicht in den adeligen Club, in die adelige Reſſource, in die rechte oder linke Seite der Logen im Theater, welche dem Adel vorbehalten waren; wagte bei allem Reichthum nicht, mit vier Pferden zu fahren, einen Läufer vorauszu⸗

ſenden oder einen Jäger auf den Wagen zu ſtellen. Wie ſehr man damals noch auf Ehre hielt,

konnte ich in einer Geſellſchaft der Baronin v. A. bemerken, welche einer ſie beſuchenden Gräfin von einem Balle in einer benachbarten Provinzialſtadt erzählte, und⸗

nachdem ſie alle denſelben verherrlichenden Nachba rinnen, Gräfinnen, Baroninnen und Edelfrauen, an⸗

geführt hatte, hinzufügte: ein Paar Steuerräthinnen waren auch noch gegenwärtig und ähnliches Geſchmeiß. Auf einer Reiſe durch Schleſien fand ich damals eine der erſten Chauſſeen in jenem halb polniſchen Lande im Baue begriffen, und die maßgebende Geſellſchaft darüber ſehr unzufrieden; man ſagte:»das geſchieht bloß zu Gunſten der Kaufleute, denn wahrſcheinlich hat unſer Miniſter, Graf von Hoym, Gefallen an einer hübſchen Kaufmannsfrau gefunden, und da wer⸗ den dergleichen Sachen leicht moͤglich gemacht, und müſſen wir unſere Bauern, ſtatt ſie auf unſern Do⸗ minialfeldern benutzen zu können, zu ſolchen Kreis⸗ arbeiten ſenden. Der Bürger wagte natürlich nicht, an zweifeln, denn ſeine Söhne waren zu gemeinen Sol⸗ daten geboren, die unter der Fuchtel und dem Stocke des adeligen Officiers ſtanden. Das gab natürlich dem Herrenſtande ein bedeutendes Uebergewicht, denn der Bürger konnte in jedem jungen Edelmannsſohne den künftigen Zuchtmeiſter ſeines Sohnes ſehen, achten und fürchten müſſen.

Bei dem Bauernſtande verſtand ſich damals noch

jene Unterwürfigkeit gegen den gnädigen Gutsherrn von ſelbſt. Der Bauer war in mehreren Provinzen Leibeigener, jedenfalls aber Guts⸗Unterthan, was eigentlich auf daſſelbe herauskam, nur daß der Guts⸗ herr den Bauer nicht ohne das Gut verkaufen konnte;

dem göttlichen Rechte der adeligen Geburt zu

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