Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
646
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der ältere Mariannen mit den Wortengute Nacht, mein Töchterchen, wohlgefällig auf die Wange, und Carl flüſterte ihr zu:ich komme bald wieder, Fräu⸗

heiter ausſehen machen.

Es war des Oberförſters Weiſe, nichts aufzu⸗ ſchieben, deßhalb ſagte er Jedem, was er zu ſagen hatte, auf der Stelle. Als ſich die Forſtgehülfen und Ernſt entfernt hatten, und Tochter und Enkelin ihm gute Nacht wünſchen wollten, rief er in ſeinem ſtren⸗ gen Tone:Bleibt da!

Beide ſtanden ſtill.

Vergangenes kommt nicht wieder, Geſchehenes läßt ſich nicht ungeſchehen machen. Ich ließ Dir, meiner einzigen Tochter, freie Wahl bei der Heirath; obgleich ich eine entſchiedene Abneigung gegen Dei⸗ nes Mannes Stand und Weſen hatte, ich fügte mich Deinen Wünſchen. Ein hübſches, geſundes, frohes Mädchen von kaum zwanzig Jahren ſah ich aus dem Hauſe gehn, eine Wittwe, blaß, gebrochenen Herzens, kam nach vier Jahren zum Vater zurück, ihr ganzer Reichthum war ein zweijähriges Töchterchen, das Muttererbe, die väterliche Mitgabe hatte der ſtolze, große, berühmte Künſtler verbraucht. Gott mußte ich danken, daß mein graues Haar nicht noch be⸗ ſchimpft wurde, denn grau wurde es, als ich meine Tochter ſah Gott danken, daß Niemand erfuhr, wie mein Eidam geendet hat, denn für eine ehrenwerthe Familie iſt es hart, einen Selbſtmörder unter ihren Mitgliedern zu haben!

Es ahnt es Niemand, Vater, der Arme galt in der ganzen Gegend für verunglückt, ſagte Frau Lindau.

Ich würde ihn auch dafür gehalten haben, allein da mußte er erſt noch einen Brief ſchreiben, nun, laſſen wir das!

Eine lange Pauſe trat ein, die beiden Frauen wußten nicht, ob ſie bleiben oder gehen ſollten; jetzt begann der Oberförſter in etwas milderem Tone:Was ich an der Tochter erlebte, will ich an der Enkelin nicht erfahren. Apelt hat um Dich für ſeinen Sohn geworben, Marianne, das heißt, er hat bei mir an⸗ gefragt, ob ſich der Herr Doctor Carl Apelt um Deine Neigung und Hand bemühen dürfe, und ich habe ihm dazu Erlaubniß gegeben. Der Vater Apelt i*ſt reich, ſolid, gutmüthig und, ſeine Neigung zu Titeln und Auszeichnungen abgerechnet, ganz vernünftig; na, ich bin auch kein Republilaner; ſein Sohn iſt jung, thätig, gebildet, nicht das Genie welches ſeine Eltern in ihm ſehn, aber von der Landwirthſchaft verſteht er ſein gutes Theil. Er findet Dich bübſch, hat Dich

Novellen⸗Zeitung.

welche alle des Bräutigams harren. lein Mariannchen, dann dürfen Sie mich aber nicht ſo ernſt anſehn, ich will Ihr liebliches Geſicht ſchon

offenbar ſehr gern, denn er fragt nach keiner Mitgift und hat die Wahl unter den Tauſenden von Mädchen, Er wird nicht an einem Tage zu irgend einem romantiſch ſein ſol⸗ lenden Feſte über dreihundert Gulden für Blumen ausgeben, und zwei Tage ſpäter den Schuhmacher nicht bezahlen können, er wird nicht eine Zeitung herausgeben, wo er ſich ſelbſt lobt, und das Silber der Frau auf das Pfandhaus ſchicken, aber Du wirſt jeden Tag ſorgenlos und behaglich, leben können, und eine angeſehene Frau ſein, deren Glück nicht himmelſtürmend, jedoch dauerhaft ſein wird!

Sie haben, lieber Vater, ſagte Frau Lindau ſchüchtern,Mariannens Hand dem jungen Apelt noch nicht feſt verſprochen, ſondern ihm erſt erlaubt ſich um ihre Neigung zu bemühen, Sie haben ſich alſo noch gar nicht gebunden?

Sollteſt mich beſſer kennen, Thereſe. Meinſt Du, ich würde dem jungen Apelt erlauben, um Ma⸗ riannen herum zu ſcherwenzeln, oder ihr, ihn da und dort zu ſehn, ohne ernſthaften Zweck? Sollen etwa die Leute hinterher ſagen:»der junge Apelt iſt ein miſerabler Menſch, er hat Marianne Lindau ſitzen

laſſen, oder: sdieſe Marianne iſt eine Kokette, ſie

hat ſelbſt den reichen Apelt an der Naſe herum ge⸗ führt, ihrem herumziehenden Maler zu Liebe⸗?

Ich meinte nur, weil

Etwa, weil ich nicht gleich Ja und Amen ge⸗ ſagt habe? Das wäre das Letzte, was der alte Wal⸗ ter thäte, Herr Apelt senior ſoll durchaus nicht glau⸗ ben, daß ich ſein Geld und ſeine hohe Perſon der⸗ maßen reſpectire, daß ich Gott danke, wenn Marianne ſeine Schwiegertochter werden kann, und Herr Apelt

junior ſoll erfahren, daß ein junges Mädchen aus:

guter Familie, welches auf ſich hält, nicht auf die erſte Werbung ſich ſofort den Verlobungsring an den Finger ſtecken läßt. Herr Apelt muß ein Jahr warten, Du biſt neunzehn, er iſt vierundzwanzig Jahre, alſo übers Jahr Hochzeit.

Frau Lindau ſchwieg, Marianne jedoch näherte ſich dem Großvater und ſprach mit feſter Stimme: Ich ehre und liebe Sie, Großpapa, ich weiß es daß ich Ihnen Dank und Gehorſam ſchuldig bin, aber das Herz jedes Menſchen liegt in Gottes Hand, und ihm kann nur Er gebieten. Ich habe meine Treue einem Andern gelobt und werde ſie ihm halten!

Das wagſt Du mir zu ſagen, Du, Du? rief der Oberförſter blaß vor Zorn mit funkelnden Augen.

Ja, Großvater, ich bin ja doch ein ſelbſtſtän⸗ diges Weſen

Du ſelbſtſtändig?

Vater ähl es wäͤre g rill Feſtigt ſie iſt, wie Marig dem Alter doch er hi

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Weib biſt dach wen itt wir C 7 eidenſche bra. J nicht! Al ſich ſor an den D 33 noch me Hande nem Frau, willſt Dir!

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