Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
642
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doch ohne Leidenſchaft, ſpäter mit tiefer, uns bewuß⸗ ter Liebe. Du biſt ein Stück von meinem Herzen, Marianne, ohne Dich wäre meine Jugendzeit grau und leer geweſen, ohne Dich kann ich mir keine Zu⸗ kunft denken.

Auch ich nicht, Franz; doch jetzt muß ich fort. Niemand zu Hauſe darf mich vermiſſen, und Du weißt, Franz, mein Großvater ſteht früh auf. Lebe

wohl, und Gott ſei mit Dir!

Gott ſegne Dich, geliebte Marianne, heute über zwei Jahre bin ich wieder hier und hole Dich zu mir, als mein geliebtes Weib.

Er umarmte das weinende Mädchen und küßte es zärtlich, Marianne weinte bitterlich. Franz nahm ſein Taſchentuch und trocknete ihr damit die Thränen, ſie behielt es in der Hand, er nahm das ihre und wiſchte ſich damit die feuchten Augen. Noch ein Händedruck, dann wandten ſie ſich von einander ab, Franz ging mit ſeinem Ränzchen auf dem Rücken und dem Wanderſtabe in der Hand auf den Wald zu, das Mädchen ſchlug den Weg nach dem Forſthauſe ein. Ungeſehn, wie Marianne glaubte, ſchlüpfte ſie in das Haus und in ihr kleines Schlafgemach. Das

Taſchentuch mit den verſchlungenen Buchſtaben F. E. R.

bezeichnet, Aegte ſie zu der Bibel und ihrem goldnen Kettchen, dem einzigen Erbtheile von ihrem Vater. Dann badete ſie ihre braunen Augen in friſchem Waſſer und ſchlich leiſe hinab in die große Unter⸗ ſtube, den Tiſch für das Frühmahl zu decken und innerlich beruhigt, daß ſie von Niemand beobachtet worden war.

Aber Marianne war beobachtet worden.

Carl Apelt, der einzige Sohn des reichſten Man⸗ nes in der Umgegend, war ebenfalls, vielleicht noch früher als Marianne, aufgeſtanden.

Er wollte in Geſchäften nach der nächſten größe⸗ ren Stadt, und als Freund von Fußtouren zog er es vor zu gehen, obgleich er ein ſchönes Reitpferd und zwei Wagenpferde zur Dispoſition hatte.

Da ſein Weg an dem Forſthauſe vorüberführte, war es kein Wunder, daß er Mariannen aus demſel⸗ ben herauskommen ſah; daß ſie allein ſo früh in den Wald ging, fiel ihm auf, er ſchlich in Schlangen⸗ wegen, damit Marianne ihn nicht gewahren möge, ihr nach und ſah, wie ſie mit Franz vertraulich ſprach, doch wagte er ſich nicht ſo nahe, um ihre Worte ver⸗ ſtehen zu können.

Als ſich das Liebespaar getrennt hatte, trat er hinter dem Gebüſch hervor, und bei dem Marienbilde, ein Viertelſtündchen vom Dorfe entfernt, holte er⸗ Franzz ein und wurde von dieſem bemerkt.

Carl war kein böſer Menſch, aber ein einge⸗

Novellen⸗ZJeitung.

fleiſchter Egoiſt; von Kindheit an waren ihm alle Wünſche erfüllt worden, denn er war das einzige Kind reicher Eltern, die ihn vergötterten. Da ſein Vater durch ſeinen Reichthum viel Einfluß in der Gegend hatte, wie ſeine Mutter durch Wohlthätigkeit wirklich die Dankbarkeit und Achtung des ganzen

Dorfes beſaß, ſo wurde Carl, aus Rückſicht für ſeine Eltern, von Vettern und Baſen, von Lehrern und Nachbarn vorgezogen und bewundert, obgleich er eben nichts weiter war, als ein gewöhnlich ausſehen⸗ der junger Mann mit geſundem Menſchenverſtande, ohne irgend ein Talent oder eine Eigenſchaft von be⸗ ſonderer Liebenswürdigkeit.

Seinem Vater gehörte ein großes ſtattliches Haus, an welches ein ſchöngepflanzter Obſt- und Blumen⸗ garten ſtieß, links vom Hauſe lagen die Ställe und Scheuern wohlgefüllt, und ſo weit man ſehen konnte, waren Wieſen und Kornfelder, brüche und Obſtalleen des reichen Apelt Eigenthum.

Herr Apelt ſelbſt war kein Bauernſohn, und 1 hatte auch mehr Bildung und Kenntniſſe als ein

Bauer, er hatte die Welt geſehn und hielt viel auf betitelte oder adelige Herren; ſeine Frau. ſchätzte er ſehr, weil ihr Vater den in Deutſchfasr

ſeltenen Titel Muſikdirector gehabt i weil ihr Bruder als Secretär eines kleinen Fürſten Hof⸗ rath angeredet wurde. Carl Apelt mußte auf das Gymnaſium der nächſten Stadt, weil er aber durch⸗ aus kein Talent für die alten Sprachen hatte, nahm ihn ſein Vater wieder zu ſich und hielt ihm einen Hofmeiſter; mit dieſem beſuchte er die Univerſität, und ihm hatte es Herr Apelt wohl hauptſächlich zu danken, daß Carl, nachdem er vier Jahre in Berlin, Leipzig, Bonn und Heidelberg ſtudirt hatte, mit dem Titel Doctor der Philoſophie zurückkam.

Seit Carl dieſen Gradus erhalten hatte, war ſein Vater entzückt von ihm, und obgleich es dem Alten ſelbſt nicht recht paſſend vorkam, daß ſein Sohn ſich viel um die Landwirthſchaft kümmerte, ſo ließ er es doch zu, denn es war eben Carl's Vergnügen, und er ſah daraus, daß derſelbe dereinſt ſein Erbtheil nicht verſchwenden würde.

Wenn Franz einen Gegenſtand, welcher für Carl Werth gehabt hätte, ihm hätte wegkaufen wollen, würde der Sohn des Reichen darüber gelacht haben, aber daß Franz der Unbemittelte, Titelloſe, der es vielleicht niemals dahin brachte einem Mädchen von Mariannens Anſprüchen die Hand bieten zu können, ſich Carl in den Weg ſtellte, das reizte ihn auf das Heftigſte, und hätte er nur einigermaßen Grund gefun⸗ den, er würde Händel geſucht und ihn niedergeſchla⸗

gen haben.

Fiſchteiche, Stein⸗

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