Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
636
Einzelbild herunterladen

-ͤͤͤ

es.

darauf gehen, ſich Stufen Stürme wüthen. Die Unſinnigen klimmen noch immer weiter. Die Luf mehren ſich auf allen Seiten. Einige fallen. Andere bleiben ſtehen und kehren um; ſie ermüdeten. Die Muthigen gehen weiter; die Auserwählten harren aus. Der furchtbare Hang richt unter ihnen zuſammen und ſucht ſie mit ſich hinabzu⸗ keißen; der Ruhm übt Verrath. Die Adler betrachten ſie,

die Blitze betaſten ſie. Der Sturm wüthet. Gleichviel; ſie

dauern aus; ſie ſteigen höher. Der, welcher auf dem Gi⸗ pfel anlangt, iſt Dir gleich, Homer.

Man überblicke die Namen, die wir genannt haben, und die, welche wir hätten hinzufügen können. Unter ihnen zu wählen, iſt unmöglich. Die Wage zwiſchen dem Einen und dem Andern kann durch kein Mittel niedergezogen werden.

Will man ſich nur auf die Schriftſteller und Dichter be⸗ ſchränken, ſo prüfe man Einen nach dem Andern. Wer iſt der größte? Alle ſind es.

Der Eine, Homer,

Vogel dieſes Tagesbeginns. Er hat die heilige Klarheit des Morgens und kennt faſt das Dunkel nicht. Das Chaos, die Erde, Geo und Ceto,Jupiter der Gott der Götter, Agamemnon der König der Könige, die Völker Heerden von Anfang an, die Tempel, die Städte, die Ernten und der Ocean; der kämpfende Diomedes und der umirrende Odyſſeus, die Irrfahrten eines Schiffes, das die Heimath ſucht; die Cyclopen und die Pygmäen; eine Welt⸗ karte mit einem Kranz von Göttern auf dem Olymp und hier und da Ofenlöcher, durch die man den Erebus ſieht, die Prieſter, die Jungfrauen, die Mütter, die kleinen Kinder, die ſich fürchten, der Hund, der ſich erinnert, große Worte, die von weißen Bärteu fallen, die Freundſchaften und Feindſchaf⸗ ten, Vulcan als Ziel des Spottes im Himmel wie Therſites auf der Erde, die beiden Seiten der Ehe für alle Jahrhun⸗ derte im Voraus dargeſtellt in Helena und Penelope; der Styr, das Fatum und die Ferſe Achill's, ohne welche das Fa⸗ tum durch den Styr beſiegt ſein würde; die Ungeheuer, die Heroen, die Menſchen, die tauſend Durchſichten in dem Ne⸗ bel der antiken Welt, dieſe Unermeßlichkeit iſt Homer. Zuerſt das Verlangen nach Troja, dann die Sehnſucht nach Ithaka. Homer iſt der Krieg und die Reiſe, die beiden uran⸗ fänglichen Wege, auf denen die Menſchen ſich begegnen. Das Zelt greift den Thurm an und das Schiff prüft das Un⸗ bekannte, was ebenfalls ein Angriff iſt. Um den Krieg her⸗ um alle Leidenſchaften, wie um die Reiſe alle Abenteuer. Das Ganze zwei rieſige Gruppen: die erſte, blutige, heißt . Jlias, die zweite, leuchtende, Odyſſee. Homer giebt den Menſchen übernatürliche Größe; ſie werfen einander mit Felsblöcken, die zwölf Joch Ochſen nicht von der Stelle bewe⸗ gen würden; die Götter ſelbſt haben nicht gern mit ihnen zu thun. Minerva faßt den Achill an den Haaren; er dreht ſich zornig um und fragt: was willſt Du von mir, Göttin? Uebrigens iſt nicht etwa Einförmigkeit unter dieſen mächtigen Geſtalten. Dieſe Rieſen ſind wohl unterſchieden. Wenn Homer einen Heros gebildet hat, zerbricht er die Form. Ajax, der Sohn des Oileus, iſt minder groß als Ajax, der Sohn Telamon's. Homer gehört zu den Genies, welche das ſchöne, vielleicht das ſchönſte Problem der Kunſt löſen: die wahre

636. Novellen⸗Zeitung.

ſteil und beſchwerlich. Jeden Schritt erwartet eine Wand, Darſtellung der Menſchheit durch Vergrößerung des Men⸗ eine Fährlichkeit. Je höher man ſteigt, um ſo kälter wird ſchen, d. h. die Erſchaffung des Wirklichen in dem Idealen. Sie müſſen ſich Stufen machen, das Eis zerhauen und Fabel und Geſchichte, Hypotheſe und Sage, Chimäre und Wiſ⸗ hauen in den Haß. Die V ſenſchaft daraus beſteht Homer. Er iſt ohne Grund und

5 er iſt klar und heiter. Alle Tiefen der alten Zeiten bewegen t iſt nicht mehr athembar. Die Abgründe ſich, ſtrahlend leuchtend, in der ungeheuren Bläue dieſes Geiſtes. Lykurg, der grillige Weiſe, halb Solon und halb Drako, wurde durch Homer überwunden. Auf einer Reiſe ging er von ſeinem Wege ab, um in dem Hauſe Kleophil's in den Dichtungen Homer's zu leſen, die da zum Gedächtniß der Gaſtfreundſchaft niedergelegt waren, welche Homer einſt, wie es hieß, in dieſem Hauſe empfangen hatte. Für die Grie⸗ chen war Homer ein Gott; er hatte Prieſter, die Homeriden. Als ein Rhetor ſich rühmte, er leſe Homer niemals, gab ihm Alcibiades eine Ohrfeige. Die Göttlichkeit Homer's über⸗ lebte das Heidenthum. Michel Angelo ſagte:Wenn ich Homer leſe, ſehe ich mich an, ob ich nicht zwanzig Fuß groß bin. Nach der Sage ſoll der erſte Vers der Ilias ein Vers von Orpheus ſein, was in Griechenland die Verehrung Ho⸗

mer's erhöhete. Der Schild des Achilles(18. Buch der Ilias) wurde in den Tempeln durch Danko, die Tochter des Pythagoras, erläutert. Auch hat Homer, wie die Sonne,

iſt ein Rieſe, ein Dichter und ein Planeten. Virgil, der die Aeneis ſchrieb, Lucan mit ſeiner Kind. Die Welt entſteht und Homer ſingt. Er iſt der Pharſalia, Taſſo mit ſeinem Jeruſalem, Arioſt mit ſeinem

Reland, Milton mit ſeinem verlorenen Paradieſe, Camoëns

mit ſeinen Luſiaden, Klopſtock mit ſeiner Meſſiade, Voltaire

mit der Henriade, kreiſen in ungleichen Abſtänden um Homer und ſenden ſein verſchieden gebrochenes Licht wiederum ihren

Monden zu. Das iſt Homer. Das iſt der Beginn des Epos. .

Ein Anderer, Hiob, beginnt das Drama, und dieſer Embryo iſt ein Koloß. Hiob beginnt, vor vierzig Jahrhun⸗ derten, das Drama durch die Vorführung Jehovah's und Sa⸗

tan's. Das Böſe fordert das Gute heraus, und die Hand⸗

lung iſt eingeleitet. Die Erde iſt der Schauplatz und der Menſch der Gegenſtand des Kampfes; die Leiden ſind die Perſonen. Eine ſchauerliche Großartigkeit dieſes Gedichtes liegt darin, daß die Sonne da düſter iſt. Bei Hiob iſt die Sonne aufgegangen, wie bei Homer; aber es iſt nicht mehr Morgen, ſondern Mittag. Die tatic Erftn unter den ehernen Strahlen, die gerade her nuterfallen auf die

Wüſte, erfüllt dieſes glühheiße Gedicht. Hiob liegt im unter ihm ſelbſt verſteckt wie die Schlange unter dem Steine.

ſeinem Haupte hat er die ſchreckliche arabiſche Sonne, die Erzeugerin von Ungeheuren, welche die Leiden in das Uner⸗

Schweiße auf ſeinem Miſte. Sein Schatten iſt klein und

Die tropiſchen Fliegen ſummen um ſeine Wunden. Ueber

Noth des Uu die erkälten er lächelt aue ihm ſind El neugieriger d wie auf einen demüthig und Fürſten der E er ihr Grabme solitudinem unter der ſch geht ſeine An warum läſ ſchlinge? L ſelben Zeit vi derah feinen ge helt, gräbt Hio fein Thierkreis Er deeht ſcch Hiob nur die Ein ſolcher D denken. Der Mann vom 6 ein Seher. leidet und Der Schmerz Nachdem er de Grund der Ph Wahnſinn der der Ergebung Miſlager Hiot

trägliche ſteigert, die Katze in den Tiger, die Eidechſe in da

Krokodil, das Schwein in das Flußpferd, den Aal in die Boa, die Neſſel in den Cactus, den Wind in den Samum, das Mi⸗ asma in die Peſt verwandelt. Hiob lebt vor Moſes. Weit in den Zeiten zurück, gleichzeitig mit Abraham, dem jüdiſchen Pa⸗ triarchen, lebt Hiob, der arabiſche Patriarch. Bevor er verſucht wurde, war er glücklich geweſen; er war herrlicher denn Alle, die gen Morgen wohnen, ſagt das Gedicht. Er war der Acker⸗

Die l

Am näc

er Prinz⸗Ge irde, doch um und leb s zeigt ſich

bauer⸗Fürſt und übte das gewaltige Prieſterthum der Einſam⸗ noc fortwähre

keit. Er opferte und heiligte. Jeden Abend ſegnete er das Land. Er war gelehrt; er kannte den Rhythmus. Sein Gedichte deſſen arabiſcher Text verloren gegangen, war in Verſen ge⸗ ſchrieben, ſicherlich wenigſtens vom dritten Verſe des dritten Capitels an bis an das Ende. Er war gutherzig. Nie b

gegnete er einem armen Kinde, ohne ihm eine kleine Galt zu reichen; er wardes Blinden Augen und des Lahmen

hringen di

die m guch für uns T llben wit ber ſais Ja C iſt un Zug aus einen