Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
633
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to Laut.

Franz Läher 1864.

der mit mehr den Vorſtudien idn, der noch it wnd Charak⸗ in Auge drach⸗ und nimmt d e reale Traͤume⸗ dt auf biſtoriſche

Nauf all ſeinen

A

t Inſel Woeida » Miſeno. Das , ein rieſiger Stuͤrmen trott

Obſte, das in vir eine kleine dvir uns dran nn die Leute zu,

doräberzogen. des Vorgebirges, te, welche dicht

Wälche Maſſen auf dieſer Stätte n, Spanier, Nu⸗ troſen⸗ und Sol⸗ r luftigen Cap⸗ dSieg und glück⸗

und Eiſen und Galeeren beſtan⸗

Vierte

erſteigen, doch war der Weg wenigſtens ſchattig. Er wand ſich empor in einem tiefen Rinnſal des Sturzregens, das jetzt trocken war und überhängt von Kraut und Stauden. Die Luft ſtockte faſt in Honiggerüchen, die unzählige gelbe Blüthen ausſtreu⸗

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ren gelbem Krater ziſchend die heißen Schwefeldämpfe hervorbrechen, während im Randgebüſch die Nachti⸗ gall flötet. Dieſes und noch viel Anderes, was höchſt merkwürdig und höchſt ſeltſam, findet ſich in der Um⸗ gegend des miſeniſchen Caps. Allein man ermüdet,

ten. Endlich kamen wir oben in's Freie, nun, es aufzuſuchen, weil Alles, was noch da iſt, doch gar

dies Cap übertrifft Capri, Ischia und Procida, dieſe höchſt herrliche Ausſicht ſteht der Camaldolenſer völ⸗ lig gleich, ſie iſt weniger lebhaft, aber noch erhabener. Zahlloſe ſchimmernde Golfe, umzackt und umragt von Geſteinketten und Bergzügen, hochgipflige lachende. Inſeln, an beiden Enden des Golfes zwei Pracht⸗ berge, dort die edle Kegelform des Veſuvs, an deſ⸗ ſen reinen Linien der Lichtglanz des ſüdlichen Him⸗ mels niederfließt, hier der alpenhäuptige Epomeo, der wie mit nordiſchem Trotz ſeine gewaltige Schönheit in die Aetherbläue emporhebt. Und ſinkt das Auge wieder nieder, ſo irrt es umher zwiſchen den Inſeln auf den Straßen zum offenen Meer, über Procida's häuſerbedeckten Grünanger hin die italieniſche Küſte hinauf, und wieder zurück um die Vorgebirge in die innern Buchten. Alles iſt hier golfig: aus dem großen Golf des Mittelmeeres geht es in den Golf von Neapel, aus dieſem in den Golf von Bajä, aus dieſem in den Golf von Miſeno, und hinter dieſem,

Qum es ganz vollſtändig zu machen, zeigt ſich noch ein kleiner Landſee, getrennt blos durch eine ſchmale nie

drige Landenge. Nicht zu ſagen und nicht zu ſchildern ſind die Herrlichkeiten des miſeniſchen Caps, an deſ⸗ ſen Fuße auch ein paar unanſehnliche Hütten liegen und darin eine Fülle guten kühlen Weins.

Nun könnte ich noch viel erzählen von all' den Seltſamkeiten der Umgegend, von den Piscinen, einem Prachtdom mit vielen Pfeilern, der tief im

zu dürftig und elend iſt gegen das, was war. Es

blieben nur ein paar abgeriſſene und zerſtreute Countnllln liſſenſtücke zurück von einer grauenvoll zerſtörten Welt

bühne, wie die Geſchichte keine zweite wieder geſehen. Wenn Macaulay's berühmter Neuſeeländer einſt wirklich auf dem letzten Pfeiler der Londonbrücke ſitzen und die Trümmer der Zweimillionenſtadt über ſchauen ſollte, ſo wäre das ungefähr ein Plätzchen, wo er ſich Betrachtungen hingeben könnte, wie ſie die kleine Halbinſelſpitze erweckt, welche der Sorren⸗ tiner gegenüber den Golf von Neapel einfaßt.

Denn hier, wo ſchon im grauen Alterthum Cumä

und ſpäter Puteoli als reiche Stätten des Welthan⸗ dels blüheten, wo die üppige Pracht und Wonne der

Stürme beſtehen. die länderbezwin⸗ wenn aber der randung haushoch un vermochten ſe nen, und gerſplit es ſtill am miſe⸗ Römern ein run⸗ dort ihren größten ſicch jetzt nur eln und braunes Sonne.

Felsgrund ausgeweitet wurde, blos um kühles Waſ⸗ ſer und fette Fiſche darin zu hegen, von den räthſelhaften hundert Kammern in der Nähe, die dielleicht Sclavengefängniſſe, vielleicht auch nur Fiſch⸗ behälter waren, von Bajä's armſeligen Trümmern, wo Frau Venus einſt Tag und Nacht und Jahr⸗ hunderte lang die Menſchenkinder ſich zu Tode ſchwel gen ließ, und wo jetzt auf einſamem Fort die Sol⸗ daten trommeln, von dem Averner⸗, Lucriner und Fuſaro⸗See, deren braunen Rand ein Hauch afrika⸗ niſcher Wüſte umwittert, in der feuchten Tiefe aber giebt es noch immer die ſchönſten Auſtern, von den zahlloſen Grotten im Innern des Berges der eumäiſchen Sibylle, in deſſen Irrgängen die Oſt⸗ gothen ihre Goldſchätze hüteten, von den Bädern des Nero und dem lehrreichen Serapistempel, in de⸗ ein Steinchen Wd hen man noch in den antiken Badekammern daſſelbe

ande, vor der 3 Gewäſſer nichte cch müßte Jedem, wüßte, die nackte ſei hier ein gr⸗

t unretrunh eiße Waſſer benützt, von der Solfatara, aus de⸗ s iſt mühſelig zu

Natur und ihre warme Heilquellen zahlloſe Beſucher anlockten, wo die Weltherrſcherin Rom ihre Tauſen⸗ de von beutefrohen Seeſoldaten häufte, hier ver⸗ zehrte an glanzvollen Tagen die antike Welt das Erbe der Vorfahren. Die römiſche Kaiſerzeit hatte die Schätze, die Kunſtwerke, die Sänger und Flö⸗ tenſpieler, die ſchönſten Weiber und Knaben aus allen Ländern des Mittelmeers hier zuſammenge⸗ ſchleppt, und hier ſchwelgte man darin und entnervte ſich, bis alles Gut vergeudet und das Mark aus den Knochen war. Seit der kundige Meiſter Lucullus dieſe Gegend für die wonnigſte erklärt hatte, wäre jeder römiſche Modenarr unglücklich geweſen, hätte er von ſeinem Landgute nicht das miſeniſche Berg⸗ haupt ſehen können. Du mußte er Scipio den Afri⸗ kaner und den Großredner Cicero nachahmen, die hier aus den unſterblichen Griechen die Geiſtesblüthen

efleißig ausſchnitten, um damit die römiſche derbe

Nacktheit etwas aufzuſchmücken. Rings um den Golf von Bajä ſtand Luſthaus an Luſthaus, und als am Ufer kein Platz mehr war, baute man ſie weit in's Waſſer hinein. Jeden ſchönen Abend gaukelten zahl⸗ loſe Gondeln voll ſingender und jubelnder Menſchen auf dem Lucriner See, die Zecher und die Mädchen riſſen ſich im Taumel der Luſt die Blumenkränze aus dem Haar, und andern Morgens ſah der See aus, als hätte es Roſenblätter geſchneit. Auf ſeinem mi⸗ ſeniſchen Landgut wurde Tiber, als der alte Grim⸗ mige noch immer nicht ſterben wollte, mit Kiſſen und Kleidern überdeckt, bis er völlig erſtickt war. Mit⸗ ten über den Golf von Bajä fuhr im Viergeſpann der tolle Caligula, umjauchzt vom ſtrahlenden Ge⸗