Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
632
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632 Auf zu des Himmels lichtem Kreuzeszeichen Hebt dankend ſie den thränenvollen Blick. Sie eilt zum Sarg: Entſetzen ohne Gleichen! Stumm ſteht ſie da, ſie ſchauet ihr Geſchick. Jetzt, wie die Löwin in entſetztem Jammer,

Wenn ihr die Jungen all' entriſſen ſind, Schreit auf ſie in der ſtillen Todtenkammer:

Wo iſt mein Kind? Wo iſt mein armes Kind?

Sie ſtürmt auf das Verdeck, die Haare flattern, Das Auge rollt in fieberhafter Gluth:

Sie weiſen ſchweigend rückwärts in die Fluth. Ich darf am Land, am Land es ja begraben! Holt es mir wieder aus dem Fluthenſchooß!

Ich muß mein kleines Mädchen wieder haben: Ich will zu meinem Kinde! Laßt mich los!

Sie will hinunter, will aus den Gewalten Des Abgrunds ihren Erdenſchatz befrei'n; Feſt von der Männer ſtarkem Arm gehalten, Sinkt ſie zurück mit grauſenhaftem Schrei'n. Sie ſtreckt die Arme zitternd nach dem Orte, Wo tief der kleine Sarg im Abgrund ruht; Sie ruft ihr Kind mit jedem Liebesworte: Antwort giebt rauſchend nur die düſtre Fluth.

Da löſt in Thränen ſich der Schmerz der Armen, Sie knieet nieder dicht am Schiffesbord, Still wird's in ihrer Bruſt, der liebewarmen, Stumm blickt ſie in die Fluthen fort und fort. Auf jene Stelle, wo ihr Glück verſunken, Bleibt wandellos der feuchte Blick gebannt; Dorthin, ach dorthin ſtreckt ſie wehmuthstrunken Von Zeit zu Zeit die müde, welke Hand.

Raſtlos getrieben ſtets von friſchern Winden, Verfolgt das Schiff geflügelt ſeinen Lauf.

Amerika! ſo hallt in ſtolzer Wonne

* Es himmelan aus jedes Seglers Bruſt: Beleuchtet von der erſten Morgenſonne, Erglänzt das Land der Freiheit und der Luſt.

Vor unſern Augen liegt das goldne Glück!

Der Gatte ruft's, er ſinkt entſetzt zurück. Ihr Kindchen hat bei Nacht in Engelsklarheit Sie heimgeholt, da's ihre Thränen ſah;

Im ſchönern, himmliſchen Amerika.

v

Wo iſt mein Kind? ruft wild ſie den Beſtattern,

ſ Die Nacht entweicht, die Himmelslichter ſchwinden; Frei wird der Blick, der Morgen ſteigt herauf.

Wach' auf, mein Weib, vergiß den herben Kummer;

Ha, was iſt das? Du ſchweigſt? Der Todesſchlummer 15

Sie wohnt im Land der Liebe und der Wahrheit,

Novellen⸗Zeilung.

Literariſche Briefe von Otto Banck.

Sicilien und Neapel, von Franz Löher.

München, Fleiſchmann's Buchhandlung. 1864. Sie können keinen Autor finden, der mit mehr Lebendigkeit, Erkenntniß und gründlichen Vorſtudien Land und Leute betrachtet, als Franz Löher, der noch immer unerreichte amerikaniſche Touriſt und Charak⸗ terſchilderer. Aber auch mit poetiſchem Auge betrach⸗ ttet er in Italien Natur und Leben und nimmt in anziehenden Darſtellungen, die wache reale Träume⸗ reien genannt werden könnten, Rückſicht auf hiſtoriſche Erinnerungen. Man begleitet ihn gern auf all ſeinen Fahrten; verſuchen wir es. Von der Inſel Procida

V erzählt er:

Von Proeida fuhren wir zum Cap Miſeno. Das 4 das ſchönſte Modell eines Vorgebirgs, ein rieſiger

V

Felſendom, der in Prachtgeſtalt den Stürmen trotzt. Von Kirſchen und anderm köſtlichen Obſte, das in Procida wie ausgeſchüttet lag, hatten wir eine kleine Ladung mitgenommen, und während wir uns daran u Gute thaten, lachten und riefen uns die Leute zu, die auf volkbedeckten Marktſchiffen vorüberzogen. Wir fuhren rings um die Steilhöhe des Vorgebirges, und ſahen auch eine ungeheure Grotte, welche dicht über der Fluth hineingebrochen war. Welche Maſſent von Menſchenkräften ſchaarte einſt auf dieſer Stätte der Commandoruf, Römer, Griechen, Spanier, Nu⸗ midier, eine toſende buntfarbige Matroſen⸗ und Sol⸗ datenwelt! Wie oft erflehte auf der luftigen Cap höhe der römiſche Admiral Heil und Sieg und glück⸗ liche Rückkehr! Das Bischen Holz und Eiſen und Hanftau, aus welchem die römiſchen Galeeren beſtan⸗

te es die brauſenden Stürme beſtehen.

den, ſchwer mochte Mit ſtolzen Segeln zogen von hier die länderbezwin⸗ wenn aber der

genden Flotten ins Mittelmeer; Himmel ſich verfinſterte und die Brandung haushoch an die felſigen Küſten donnerte, dann vermochten ſie das hohe Meer zu gewinnen, und zerſplit⸗ Jetzt iſt Alles ſtill am miſe⸗ Natur den Römern ein run⸗

niſchen Cap. Wo die des Becken geformt hatte, daß ſie dort ihren größten

Kriegshafen anlegten, da zeigten ſich jetzt nur ein paar ärmliche Fiſcherboote am Strande, und braunes Segeltuch darüber zum Schutze vor der Sonne. Steinige glühende Oede und todte Gewäſſer nichts Anderes ſieht man mehr, und doch müßte Jedem, guch wenn er nichts von Geſchichte wüßte, die nackte Stätte den Eindruck machen, als ſei hier ein gro⸗ ßes Völkerleben zergangen: denn kein Steinchen und tein Erdkrümchen ſieht noch aus wie unverbraucht.

Die anſehnliche Höhe des Caps iſt mühſelig zu

8 nicht, terten zu Hunderten.

zahlloſe Geſteirdeltenn Inſeln, an berge, dort

ſen reinen 8 mels niederfi wie mit nol in die Aethel wieder nieder auf den Stra häͤuſerbedeckte binauf, und innern Buch großen Golf von Neapel, a dieſem in den um es ganz ve kleiner Landſee drige Landeng ſind die Herr ſen Fuße auc und darin ein

Nun köng Seltſamkeiten einem Pracht Felsgrund au⸗ ſer und fette räthſelhaften

ielleicht Scla hehälter waren wo Frau We hunderte lan gen ließ, un daten tromm Fuſaro⸗See, ſliſcher Wüſt giebt es no den aahlloſel rumäͤiſchen gothen ihre ides Neuo un men wan no eiße Waſſer