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—
Soldatenpflich
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Vierte Folge.
und theilte endlich mit, daß er ſich mit der großen Armee auf dem Wege nach Rußland befände, in deſ⸗ ſen endloſen Steppen Napoleon durch Unterjochung des alten Czarenreichs ſeine Herrſchaft über das Feſt⸗ land Europas krönen wollte. Erſt jetzt auf dieſem Marſche ſei ihm erlaubt worden, einen Brief zu ſchrei⸗ ben und abzuſenden. Der Brief ſchloß mit den Ver⸗ ſicherungen ſteter treuer Liebe und forderte das Mäd⸗ chen zu dem Gleichen auf.
„Was ſagen Sie nun, gnädige Frau, zu dieſer Liebe eines echten Cavaliers?“ frug Richard, der ſich etwas erlauben durfte.
Aber Frau von Holzau ſchien ihn nicht zu ver⸗ ſtehen, ſondern ſagte:
„So hat Dumont Wort gehalten! Warum mag er es mir nicht geſchrieben haben, ſo daß ich wußte, woran ich war? Er mag gedacht haben, daß ich zu weichherzig wäre, um den Gedanken zu ertragen, daß es nach Rußland gehen ſollte!... Bah, Rußland iſt weit, und ehe die große Armee von ihren Siegen am Nordpol zurückkehrt, wird das Mädchen unſchädlich zu machen ſein.“
Faſt in demſelben Agenblicke wurde Maria der Frau von Holzau gemeldet.
Sie trat bleich und mit verweinten Augen ein, die letzten Tage der Sorge und Angſt hatten in der
ieblichen Jugendfriſche des ſchönen Mädchens ſchlimme
Verwüſtungen angerichtet. Sie hatte gehofft und geharrt mit treuem Sinn, als aber Woche auf Woche verging und keine Nachricht von dem Geliebten brachte, da war die furchtbare Angſt wieder über ſie gekommen und hatte ſie nicht mehr losgelaſſen.
Sie konnte nun kaum mehr anders glauben, als daß Oskar geſtorben ſei, und in ihrer Seelenangſt war ſie endlich heute zur Frau von Holzau geeilt, um bei dieſer nach dem Grafen zu fragen.
Sie that es unter ſchwerem Kampfe und ſtand tief erröthend, aber in dieſer Verwirrung auch wun⸗ derbar ſchön vor der Dame, welche die Geſtändniſſe und bangen Befürchtungen des jungen Mädchens mit kühlem Lächeln anhörte.
„Ich bedaure Sie, liebes Mädchen,“ erwiderte ſie endlich auf die bangen Fragen Maria’'s,„doch ich empfing ſoeben ſelbſtaerſt die Nachricht, der Graf iſt in den Krieg 1a8 gßßund gezogen und kehrt wohl ſobald nicht wieder.“
„In den Krieg nach Rußland— o mein Gott, dann iſt er verloren!“ ſtöhnte das erſchrockene Mäd⸗
chen und brach ſchluchzend zuſammen. (Schluß folgt.)
615 Matthiſſon's Adelaide.
Es war an einem ſchönen Maitage 1858, als
ich in den Frühſtunden nach Moſigkau, einem großen
Dorfe bei Deſſau, wanderte, um einer Trauerfeier⸗ lichkeit beiguwohnen. Im hohen Alter war nämlich Matthiſſon's Adelaide(Fräulein Annette v. G.....) als Aebtiſſin der„Moſigkauer Stiftung für adelige Fräulein“*) geſtorben. Sie hatte dieſes Amt länger als zwanzig Jahre mit Segen verwaltet und war länger als ein halbes Jahrhundert„Stiftsdame“ ge⸗ weſen. Da ich früher mehrere Jahre hindurch bei ihr das Amt eines Vorleſers verwaltet und in ihr eine mütterliche Freundin hochſchätzen gelernt hatte, ſo konnte ich es mir nicht verſagen, ſie zur Gruft zu geleiten.
Unfern der Gruft ihres geiſtesverwandten Freun⸗ des Wilhelm Müller, des bekannten Dichters der Griechenlieder, wurde ſie beigeſetzt. Grabrede und Geſang beſchloß die Feier.
Die Gruft ward mit einer ſchwarzen Marmor⸗ platte verſchloſſen, welche die Inſchrift trägt:
„Hier ruhet in Gott Annette v. G....., Aebtiſſin zu Moſigkau. Geb. 3. Oct. 1778, geſt. 4. Mai 1858.“
„Dieſer Zeit Leiden ſind nicht werth der Herr⸗ lichkeit, die an uns ſoll geoffenbaret werden.“
Wir laſſen noch einige Mittheilungen über die Lebensumſtände der Adelaide Matthiſſon's folgen.
Die geiſtreiche Fürſtin Louiſe, Gemahlin des bekannten Fürſten Franz von Deſſau, war oft auf Reiſen. In ihrem Gefolge befand ſich Matthiſſon, der ſeine Lehrerſtelle in dem bekannten Baſedow'ſchen Philanthropin aufgegeben und bei ihr das Amt eines Vorleſers und Reiſegeſchäftsbeſorgers übernommen hatte. Unter ihren Hofdamen war auch, als ſie einſt Süddeutſchland und die Schweiz bereiſete, ein blut⸗ junges aber geiſtreiches Fräulein, Annette v. G.... Mit dieſer jungen Dame knüpfte Matthiſſon auf die⸗ ſer Reiſe ein Verhältniß an, obwohl er damals un⸗ gefähr noch einmal ſo alt war, als ſie. Dieſes Ver⸗ hältniß hat auf ſein ganzes Leben, wie auch auf ſeine literariſche Thätigkeit eutſchiedenen Einfluß gehabt. So manches Gedicht, das er in dieſer Zeit ſchrieb, ging aus dieſem Verhältniß hervor und war ſeiner Geliebten bekannt, ehe es in den damals erſcheinen⸗ den„Horen und Kenien“ veröffentlicht wurde. Von vielen an ſie gerichteten Gedichten hatte ſie noch in
**) Dieſe Stiftung wurde gegründet von Prinzeſſin Wilhel⸗ mine von Anhalt, einer Tochter des berühmten Fürſten Leopold, des alten Deſſauers, wie er noch heute im Munde des Volkes heißt. In dieſer Stiftung finden adelige Fräulein eine bequeme Verſorgung. 2 Arme erhalten alljährliche Unterſtützungen.


