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ſie auch in poetiſcher Form beantwortet. Sie ver— langte einſt von mir über eine dergleichen Antwort ein offenes Urtheil, und ich mußte geſtehen, daß ihre poetiſchen Ergüſſe denen Matthiſſon's vollkommen ebenbürtig, vielleicht noch überlegen waren. Eins von den am meiſten bekannt gewordenen Gedichten in jener Periode iſt die durch Beethoven’'s Compoſition verewigte„Adelaide“.„Matthiſſon hat,“ ſagte ſie einſt zu mir,„den erſten und letzten Buch⸗ ſtaben meines Namens darin beibehalten und zugleich mit dem angenommenen Namen auf meinen Adel angeſpielt.“
Matthiſſon lebte damals noch im bürgerlichen Stande.
Von dem Gedichte ſelbſt ſchien die Aebtiſſin nicht viel zu halten, ſo ſehr es auch Beethoven begeiſtern Von der Compoſition hingegen ſprach ſie
konnte. nmitt dem größten Beifall.„Das Gedicht wäre längſt V vergeſſen, wenn die Beethoven'ſche Compoſition nicht
vorhanden wäre.“„Mehrere Tondichter“, ſagt Mat⸗ thiſſon ſelbſt in ſeinen Erinnerungen,„beſeelten dieſe kleine lyriſche Phantaſie durch Muſik, Keiner aber ſtellte den Text gegen die Harmonie in tiefern Schat⸗ ten, als der geniale Beethoven in Wien.“
Fräulein Annette von G entſtammte einer altadeligen, mit einem fürſtlichen Stamme verwandten Familie. Dies ſcheint der Grund geweſen zu ſein, warum zwiſchen ihr und Matthiſſon, der erſt ſpäter vom Herzoge von Würtemberg das Adelsdiplom er⸗ hielt, keine Verbindung zu Stande kam. Die ange⸗ erbte Standesehre, der ſich Annette's Familie nur zu ſehr bewußt war, legte dem Vorleſer der Fürſtin ein unüberſteigliches Hinderniß in den Weg. Wie
dem ihr Herz Liebe fühlte, einem armen bürgerlichen ihre Hand reichte!
beſonderer Vorliebe zu gedenken, woraus
nicht beſondern Beifall zollen.
der Mittelmäßigkeit.“ Eine gewiſſe Abſichtlichkeit und
Novellen⸗Zeitung.
hätte ſie es überwinden können, daß Annette, trotz⸗ Dichter, einem Vorleſer und Reiſegeſchäftsbeſorger
Uebrigens ſchien Adelaide Matthiſſon's nicht mit Viele um⸗ gekehrt den Schluß zogen, daß ſie ihn wirklich geliebt habe. Immer lagerte ſich eine Wolke auf ihre Stirn, wenn ich auf ihn zu ſprechen kam. Viele ſeiner Verſe nannte ſie holperig. Selbſt ſeiner„Elegie, in den Ruinen eines Bergſchloſſes geſchrieben,“ wollte ſie
Andere Gedichte Matthiſſon's, denen eine feine Glätte und Politur nicht abzuſprechen war, nannte ſte kalten, polirten Marmor.„Als Feſt⸗ und Hofpoet iu Stuttgart,“ ſagte ſie,„ſteht er unter dem Niveau
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ihren ſpäteſten Jahren die Manuſcripte. Einige hatte ſcheint ſich allerdings öfters in ſeinen Gedichten zu finden. ſcheln abzugewinnen, als ich einſt die Strophen citirte:
Ich vermochte ihr nur ein nachgiebiges Lä⸗
„Unſre Pfade ſind fern und weit geſchieden, Blüthen weh'n auf den einen, dürre Blätter Auf den andern herab; doch beide, o Wonne, Leiten zum Grabe! —
Wenn das meine ſich längſt, nur von Aurorens Thränen einſam bethaut, bedeckt mit Halmeg, Werden Myrthen, o Freundin, Dir der Locken
Fülle noch kränzen!“
Hm! ja,“ bemerkte ſie lächelnd.„Er hat ſich auch mit meinen Locken beſchäftigt. Ich habe das vollſtändige Manuſcript noch.“
Die Aebtiſſin hatte noch in ihren ſpätern Jahren ein volles, ſchwarzes Lockenhaar.
Es iſt bekannt, daß Matthiſſon ſich ſpäter in Wörlitz bei Deſſau anſiedelte, wo ihn die Gartenan⸗ lagen des Fürſten Franz feſſelten. Hier verheirathete er ſich mit einem Fräulein Schoch. Seine Adelaide ſelbſt half ihm dieſes häusliche Glück bereiten! So lebte er als Naturdichter in einem ſeinem innerſten Weſen entſprechenden Aſyle und auch in der Nähe ſeiner frühern Geliebten. Im Jahre 1824 ſtarb ſeine
Fran, und 1831 folgte auch er ihr nach. Kein Grab⸗-—
mal ziert die Stätte, wo er ruht. Ich ſuchte verge⸗ bens danach auf dem Gottesacker zu Wörlitz. Nur Adelaide hatte ſich's gelobt, ſein Andenken zu erhal⸗ ten und ſein Bildniß aus ihrer Umgebung nicht zu verbannen. Es war ein Oelgemälde, welches ſich im Vorſaale befand, als ob es nicht hoffähig ſei.— Matthiſſon hatte, als er ihr einſt dieſes Bild über⸗ ſandte, daſſelbe mit den Verſen begleitet:
„Dich, Vertraute der höhern Welt, beſchwör' ich,
Beim unſterblichen Einklang unſrer Seelen,
Laß im reinſten der Herzen Deines Freundes Bild nicht erbleichen!“
Dieſe Verſe ſchwebten ihr vor und ließen ſie ſein Bildniß aufbewahren. Trug er doch auch das ihrige im tiefſten Herzen!
„Sehen Sie hier,“ ſagte ſt Verſe.“ Sie hielt mir ein ſ Manuſcript hin.
Ich las:
es Abends,„dieſe etwas vergilbtes
„Durch Fichten am Hügel, durch Erlen am Bach Folgt immer Dein Bildniß, Du Traute, mir nach! V Es lächelt bald Wehmuth, es lächelt bald Ruh
Im freundlichen Schimmer des Mondes mir zu!
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