Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
613
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1 Vierte Folge. 613

1d winf al weg ſah er ſich in die Mitte einiger Grenadiere ge⸗ das Wäldchen und auf das liebe traute Plätzchen, zu verhan⸗ riſſen und ſo hinweggefühtltt. welches die Erinnerung an ſchon ſo viele glückſelige

Kbung unanMein Herr Graf, ſchweigen Sie ſelbſtvernünf⸗ Stunden barg.

tigerweiſe, ſonſt laſſe ich Gewalt anwenden! ſagte Der Abend war lieblich und mild, und kein Lüft⸗

tr Graf, t der Oberſt ſtreng zu ſeinem Gefangnen, als dieſer auf chen regte ſich weit umher. Im reinen Silberglanze hers zu ſi dem Wege ſeine Proteſte fortſetzen wollte und die breitete der Vollmond ſein ſchönſtes Licht über die 3 Aufmerkſamkeit der Vorübergehenden dadurch auf ſich Erde, und kein Wölkchen trübte das Blau des Him⸗

Suſ, lenkte. mels und ſeinen reinen Glanz. hranden. Eine Stunde ſpäter trug Graf Palm die fran⸗ In vollen Zügen genoß das liebliche Naturkind

4 un zoſiſche Uniform und hatte den Eid auf den glorrei- die Schönheit der Natur; ſo glücklich, ſo ſelbſtver

Schergen 5 chen Adler Frankreichs leiſten müſſen. geſſen war ſie dabei in ſeliges Anſchauen und Träu

4 Streng bewacht vermochte er nicht in die Außen- men verſunken, daß ſie den Flug der Zeit gar nicht welt zu dringen und ein Geſetz zu ſeinem Schutze beachtete und nicht inne wurde, wie lange ſie bereits

de dicht anzurufen: franzöſiſche Gewalt war leider damals des Geliebten wartete, der noch immer nicht kam.

1 Recht im deutſchen Lande Preußen. Aber endlich, es mochte wohl bereits gegen Mit⸗ zu curios, Vier Wochen nach der That der Gewalt befand ternacht ſein, ſchrak ſie doch einmal empor. Sie nd halten ſich Graf Oskar in den Reihen der großen Armee hatte in der Nähe Geräuſch vernommen, welches gleich Kiadt des auf dem Wege nach Rußland. nahenden Schritten klang... Aber Alles blieb wieder der iſt? ruhig, es mochte wohl nur ein ſcheues Wild oder ein Kaiſer der beuteluſtiger kleiner Räuber des Waldes geweſen ſein, König ſo Graf Oskar hatte der ſchönen Maria bei ihrer der bei Nacht auf Ueberraſchung der ſchlafenden Opfer

erden, Herr letzten Zuſammenkunft im Wäldchen verſprochen, am ausging, Oskar war es noch immer nicht. Jetzt nehr. Abend wiederzukehren. Wenn der Mond in ſchönſter dachte Maria daran, und eine unbeſtimmte Angſt was ſoll Pracht durch dies friſche Grün der Bäume blinkte miſchte ſich in das eben genoſſene Glück des Friedens.

vahren, der

mordo(S werde Sie

und die Nachtigall im dichten Geheg ihren wunder baren, melancholiſchen Geſang anſtimmte, wenn der

Aeiertagsfrieden der Frühlingsnacht ſich wie ein un⸗

endlich reicher Segensſpruch über die Erde breitete: dann pflegte Graf Oskar aus der Geſellſchaft der Damen im Schloſſe aufzubrechen, um noch ein wenig durch die Nacht zu ſtreichen; dann trug ihn der ge⸗ flügelte Fuß in das Wäldchen nieder und zu der

Nach der Stellung des Mondes ſah ſie, daß es ſchon ſpät ſein mußte; um dieſe Zeit pflegte Oskar ſonſt bereits heimzukehren, und heute war er noch nicht einmal gekommen.

Eine unſägliche Angſt, mit Furcht gemiſcht, in der Geiſterſtunde ſo ganz allein und im Walde zu ſein, bemächtigte ſich des jungen Mädchens ſie wäre am liebſten entflohen und hätte ſich in ihrem

3 Waen Raſenbank im traulichen Verſtecke, wo Marie ſeiner Kämmerchen verborgen aber wenn er dann nun unde, He wartete. noch kam, wenn Abhaltung ihn ſo lange verhindert Mit hellem Freudenruf flog ihm dann das lieb⸗ hatte, und er fand ſie dann nicht mehr... Sie ütigkeit, liche Kind entgegen, und wie auf Zephyrsflügeln ent- überwand die Furcht und blieb. Aber Minute auf en Mo ſchwanden ihnen die Stunden unter Erzählen und Minute verging, und er kam nicht. Maria harrte ge⸗ nge Mann ſüßem Koſen. Das liebliche Mädchen war rein und duldig aus. Ihr liebendes Gemüth trauerte nur, daß grund öf⸗ unſchuldsvoll wie ein Engel und vertrauensvoll gleich ſie ihn ſo lange entbehren mußte, doch nicht die lei⸗

öͤrde abge⸗

oder Strafe

hauffement, üben ſelber rigens rette em Ruhme, dürfen Vorwärts,

einem ſolchen, und Graf Oskar hütete dieſes Ver⸗ trauen der Unſchuld wie ein Blümlein Wunderhold, welches mit ſeinem beglückenden Farbenſchmuck und Duft eine liebende Gottheit auf ſeinem Wege hatte ſich entfalten laſſt Die Stunden, welche er mit Maria verlebte, verfloſſen ihm, als ob er im Tempel Gottes und in einem wunderbaren Madonnenbilde das höchſte Weſen verehre...

Auch an dem bezeichneten Abende erwartete Maria den Geliebten ihrer Seele. Schon vor zehn Uhr,

ſeſte Ahnung von Unmuth oder Empfindlichkeit ſchlich ſich dazwiſchen.

Die Nacht entſchwand, und Maria ſaß noch im⸗ mer den Geliebten erwartend auf der Raſenbank. ei Natur hatte allmählich ihr Recht gefordert, und ſie war in einen leichten Halbſchlummer geſunken, in welchem ihre Gedanken wie von Nebelbildern um⸗ ſchleiert wurden, ohne daß ſie doch träumte.

Da ertönte plötzlich aus der Meierei der erſte Hahnenſchrei und weckte Maria. Sie blickte auf und verwundert um ſich. Drüben im Oſten be⸗

ſobald ihre Eltern in ihrer Kammer die Ruhe auf⸗

eiter, der. eie geſucht hatten, ſchlich ſie aus der Meierei und durch

zeichnete ein lichter Streifen die Stelle, wo die Sonne

d, daß er 8 8 4 1... Indes hin den offenen Garten, welcher zu dieſer gehörte, in aufgehen würde, ein kühlerer Morgenwind wehte und